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| 01:02 Uhr

Millionengrab Helenesee

Im Frankfurter Helenesee versinken Millionen. Und dass sieht man dem einstigen Bade-, Taucher- und Anglerparadies vor den Toren der Stadt nicht einmal an. Noch immer lockt das 250 Hektar große, ehemalige Tagebaurestloch auf den ersten Blick mit Postkarten-Idylle: Klares Wasser, feine, kilometerlange Sandstrände, grüne Kiefern. Nur was der Mensch nachträglich in die malerische Natur gesetzt hat, verfällt immer mehr. Von Jeanette Bederke

Vom einstigen Charme des größten deutschen Freizeit- und Campingparks ist kaum noch etwas zu bemerken. Kein Wunder also, dass selbst Stammgäste und Dauercamper der "Schönen Helene" die Treue versagen und auf gepflegtere Anlagen in der Region ausweichen. Dabei waren 2001 fünf Frankfurter Unternehmer angetreten, die schon zu DDR-Zeiten beliebte touristische Perle - eines der saubersten Gewässer im Land Brandenburg - wieder aufzupolieren. Als Helenesee AG pachteten sie das Naherholungsgebiet von der Stadt. Doch statt, wie vertraglich vereinbart, zu investieren, blieben sie selbst den jährlichen Pachtzins schuldig, häuften offene Rechnungen bei Strom- und Wasserversorgern an.
Würde die Stadt Frankfurt sämtliche finanzielle Forderungen inklusive festgelegter Vertragsstrafen für unerfüllte Investitionsverpflichtungen unverzüglich eintreiben, müsste die AG Insolvenz anmelden. Der Weg wäre frei, das Areal an einen finanzkräftigen, seriösen Investor neu zu verpachten. Statt dessen aber will die Kommune mit den ortsansässigen Freizeitamateuren weitermachen und ihnen dafür sogar die Schulden in Millionenhöhe bis auf einen geringen Restbetrag erlassen. So sieht es ein Beschluss des parlamentarischen Hauptausschusses vor, der heute den Frankfurter Stadtverordneten zum Absegnen vorgelegt werden soll. Statt 2,15 Millionen Euro soll die Helenesee AG in den nächsten Jahren nur noch knapp 290 000 Euro zurückzahlen, heißt es in dem Papier.
Ob die Kommune dieses Geld jemals bekommt, bleibt fraglich, steht doch der aufgelistete Entschuldungsplan auf äußerst wackligen Beinen: Fördermittel der Landesinvestitionsbank - noch nicht einmal bewilligt - sollen demnach zum Begleichen der offenen Rechnungen verwendet werden. Diese Pläne schrecken inzwischen Juristen auf, die vor einem Subventionsbetrug warnen und den gesamten Beschluss als Insolvenzverschleppung brandmarken. Egal, die Stadtoberen glauben weiterhin den Versprechungen der Helenesee AG, wollen den jährlichen Mindest-Pachtzins auf der Grundlage aktueller Verkehrswertgutachten noch weiter absenken. Wohl auch, weil die erfolglosen See-Betreiber bei den aktuellen Verhandlungen einen ominösen neuen Investor ins Spiel gebracht haben, der als Partner in die AG einsteigen könnte.
Jedoch nur, wenn sein geplantes 90-Millionen-Projekt in Polen klappt. Namen und konkrete Fakten werden dabei nicht genannt, um angeblich diese Pläne nicht zu gefährden. Nur soviel: Der große Unbekannte aus der Schweiz sei bereit, zehn Millionen Euro in den Helenesee zu setzen. Vage Hoffnungen, auf die die Frankfurter Stadtverwaltung offenbar alles setzt. Und dass, obwohl sie schon einmal mit einem Pächter für die "Schöne Helene" finanziell auf die Nase gefallen ist. Ohne lange zu überlegen, überließen die Stadtoberen das beliebte Frankfurter Naherholungsgebiet 1991 dem ersten Investor, der auftauchte. Schließlich winkte der Berliner Bauunternehmer Helmuth Penz mit dem nötigen Kleingeld und machte vollmundige Versprechungen.
Doch der Zauber verflog schnell, als die Frankfurter merkten, dass ihre Perle nun keineswegs geputzt wurde und der Pächter den landschaftlich reizvollen Anziehungspunkt nur auf Verschleiß fuhr. Aus dem Pachtvertrag mit Penz kamen die Stadtväter aufgrund komplizierter Klauseln nicht so schnell heraus, mussten Lehrgeld in Höhe einer millionenschweren Abfindung zahlen.