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| 19:25 Uhr

Update/Kriminalität und wirtschaftliche Folgen
Millionen-Schaden durch Klau am Bau

FOTO: pict rider, zolotons/fotolia
Cottbus/Potsdam. Diebe machen den Bauunternehmen auch in der Lausitz immer mehr zu schaffen. Neben geklauten Maschinen und Material nehmen die Einbruchschäden zu. Von Kathleen Weser

Dreiste Diebe schlagen auf Baustellen immer unverschämter zu. Mit etwa 30 Millionen Euro beziffert Robert Momberg, der Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes Berlin – Brandenburg den Schaden des vergangenen Jahres für die Unternehmen im Land Brandenburg. Die Hochburg der Baustellen-Diebstähle ist Potsdam. Berlin ist sogar doppelt so stark betroffen.

Zwar wird die Schadenssumme aus Baustellendiebstählen in der Brandenburger Polizeistatistik lediglich mit 2,8 Millionen Euro angegeben. Gegenüber dem Vorjahr war das ein Zuwachs von acht Prozent. Der tatsächliche Schaden bei den Bauunternehmen ist allerdings höher, denn hier wird nur der Wert des Diebesgutes aufgenommen. Durch Diebstahl verursachte Sachschäden an Gebäuden und Baustelleneinrichtungen, Wiederbeschaffungskosten, Ausfallzeiten, Personal-, Rechts- und Beratungskosten bleiben ebenso unberücksichtigt wie Schäden durch Einbrüche und Diebstähle in den Firmensitzen der Bauunternehmen selbst. „Der finanzielle Gesamtschaden der Bauunternehmen ist um ein Vielfaches höher“, rechnet Momberg vor.

Auch Lausitzer Firmen beklagen den Verlust von Material, Werkzeugen, Arbeitsmaschinen und immer wieder auch Dieselkraftstoff.

In der Nacht zum Dienstag sind in Cottbus zwei Männer dabei be­obachtet worden, als sie eine Rüttelplatte von einer Baustelle an der Leipziger Straße entwendeten. Die Diebe hievten das Arbeitsgerät in einen Citroen Berlingo und fuhren in Richtung Forst davon. Das bestätigt Polizeisprecherin Ines Filohn. Hinzugerufene Ordnungshüter versuchten, das Fahrzeug auf der Landesstraße 49 zu stoppen. Dies gelang nicht. Die Täter flüchteten anschließend zu Fuß in Richtung Grenzübergang. Auch die Nahbereichsfahndung mit Einsatz eines Polizeihubschraubers und eines Diensthundes ist dann erfolglos geblieben. Lediglich das Auto mit der motorisierten Baumaschine zum Verdichten von Boden auf Flächen mittlerer Größe ist sichergestellt.

Die Täter werden rabiater. Die Fälle, in denen sich Diebe gewaltsam Zugang zu gesicherten Räumen und Baustellen verschaffen und auch Beutezüge unter Bewaffnung steigen. Zudem treiben organisierte Banden stärker ihr Unwesen. „Der Anteil der Diebstähle unter erschwerenden Umständen machte 2017 annähernd zwei Drittel aller registrierten Fälle aus und bestätigt, dass die Schwerkriminalität zum Schaden von Bauunternehmen und Bauherren ein ganz erhebliches Ausmaß besitzt“, so Robert Momberg weiter.

„Die uns vorliegenden Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik zeigen, dass Diebstähle auf Baustellen ein großes Problem für die Baubranche in Brandenburg sind. Sie stellen, abgesehen vom rein finanziellen Schaden, einen schweren Eingriff in den Arbeitsalltag dar und behindern nicht selten den Baufortschritt“, stellt der Chef des Bauindustrieverbandes fest. Der Trend  berge  auch die Gefahr, dass sich dadurch Baukosten weiter verteuerten. Denn: Mit steigender Tendenz werden auf Baustellen gelagerte oder bereits verbaute Materialien geklaut. Die Handwerksunternehmen müssen die Kosten für den Ersatz übernehmen. Die Versicherungen zur Regulierung derartiger Schäden aber werden immer teurer. Experten empfehlen deshalb, das bei Vertragsverhandlungen mit dem Auftraggeber einzupreisen. Die Wettbewerbsfähigkeit der Firmen mit höheren Aufwendungen als Mitbewerber aus weniger betroffenen Regionen für den Schutz sinkt.

Die Folge: Auf den Baustellen wird zur Sicherheit gegen Diebe immer mehr aufgerüstet. Private Sicherheitsdienste patrouillieren. Kameras werden zur Überwachung eingesetzt.  Fahrzeuge werden nur mit dem an dem Tag benötigten Diesel betankt. Maschinen und Fahrzeuge erhalten GPS-Technik (Globale Positionsbestimmung), um vor allem gestohlene Arbeitsmaschinen zu orten. Denn inzwischen werden sogar ganze Bagger gestohlen. Die Baufirmen markieren ihr Eigentum mit künstlicher DNA. Die forensische Markierung haftet am Täter und an Tatwerkzeugen und ist bereits in kleinsten Mengen nachweisbar.

Die Aufklärungsquote ist aber „unbefriedigend gering“, so Momberg. Sie liegt im Landesdurchschnitt bei etwa zehn Prozent, in Cottbus mit 15,2 Prozent etwas höher. Lediglich 135 Tatverdächtige wurden im vergangenen Jahr überhaupt ermittelt, darunter 33 nichtdeutsche“, sagt er.

Die Aufklärungserfolge der brandenburgischen Polizeidienststellen weisen bei Baustellenkriminalität deutliche regionale Unterschiede auf. In Potsdam ist die Aufklärungsquote 2017 im Vergleich mit dem Vorjahr um 49,4 Prozent zurückgegangen und war mit 4,3 Prozent nur halb so hoch wie im Landesmittel. In Brandenburg/Havel (15,8 Prozent), Cottbus (15,2 Prozent)  und Frankfurt/Oder (20 Prozent) lag sie im vergangenen Jahr  deutlich über dem Landesdurchschnitt. „Aber dass nur jeder zehnte Täter erwischt und zur Rechenschaft gezogen wird, ist einfach zu wenig“, sagt der Chef des Verbandes, der in Berlin und Brandenburg etwa 150 Betriebe mit rund 12 000 Beschäftigten vertritt.

Der Fahndungsdruck muss insgesamt deutlich erhöht werden, fordert Momberg. Dies sei nur durch eine entsprechende Präsenz der Polizei –  vor allem auch im ländlichen Raum –  möglich. In der Lausitz führen die Beutezüge verstärkt auch auf Baustellen in der Bergbaufolgelandschaft. Der Diesel-Klau ist praktisch zum Volkssport geworden. Die Firmen beklagen nicht den verlorenen Wert des abgezapften Kraftstoffes, die Schäden an den Arbeitsmaschinen sind enorm gestiegen. Der wirtschaftliche Schaden durch Baustellen-Diebstähle wächst, für die Unternehmen auch bedrohlich. Denn die Firmen bleiben meist auf den hohen Kosten für die Baustellensicherung sitzen. Der Bauverzug nach Diebstählen ist erheblich. Auch das ist ein Kostentreiber.

Das große Problem in Brandenburg: „Banden gehen immer organisierter ans Werk. In kurzer Zeit wird großer Schaden angerichtet, und die Täter sind über alle Berge“, sagt Robert Momberg.