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| 02:38 Uhr

Milch für den Minister und Preise für Südbrandenburg

Über die Marketingpreise freuen sich Peter Hans und Janine Kauk für den Elbe-Elster-Luther-Pass, Uwe Oppitz für die Brandenburger Bierstraße, Bernd Starick und Sylvia Müller vom Gut Neu Sacro sowie Cornelia und Andreas Wobar aus Großräschen für ihren jungen Wein (Foto links, von links). Die frischen Knacker aus Golßen sind ein Renner.
Über die Marketingpreise freuen sich Peter Hans und Janine Kauk für den Elbe-Elster-Luther-Pass, Uwe Oppitz für die Brandenburger Bierstraße, Bernd Starick und Sylvia Müller vom Gut Neu Sacro sowie Cornelia und Andreas Wobar aus Großräschen für ihren jungen Wein (Foto links, von links). Die frischen Knacker aus Golßen sind ein Renner. FOTO: fc
Berlin. Die Grüne Woche unterm Berliner Funkturm ist eröffnet, die Brandenburghalle wieder ein Magnet. Traditionell ist der Agrarminister der Erste, der den Ausstellern einen Besuch abstattet. Für Südbrandenburg ist schon der Auftakttag imageträchtig: Alle vier pro-agro-Marketingpreise gehen in diesem Jahr in die Region. Benjamin Lassiwe und Frank Claus

"Wer Milch trinkt, hilft der Landwirtschaft!" Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) ist in Hochform. Mit der Erntekönigin, der Milchkönigin und der Spargelkönigin im Schlepptau besucht er die Stände der Brandenburg-Halle der Internationalen Grünen Woche und lässt sich von den Ausstellern ihre Produkte zeigen. Eine Gurke hier, ein Bierchen da, ein Franzbrötchen mit Rotkohlfüllung oder ein Stückchen Wurst für zwischendurch. Der Magen des Ministers betreibt in diesen Tagen Leistungssport.

Doch es geht in den Messehallen unter dem Funkturm auch um handfeste Landwirtschaftspolitik. Zum Beispiel am Stand des Landesbauernverbands, wo der Milchpreis im Mittelpunkt steht. Denn der Bestand an Milchvieh hat wegen der drastisch verfallenden Preise in Brandenburg radikal abgenommen, eine Reihe von Betrieben hat schon aufgegeben. "Wir können ein paar mehr Milchtankstellen gebrauchen", sagte Vogelsänger. "Jeder Milchbauer, den es im Land weniger gibt, schmerzt." Und Bauernverbandspräsident Henrik Wendtorff ergänzt, dass die Grüne Woche für die Bauern immer der Startschuss ins neue Jahr sei. "Wir haben zwei schlechte Jahre erlebt, und nun hoffen wir, dass das Jahr 2017 für die Bauern ein gutes Jahr wird." Man stehe vor vielen Herausforderungen und brauche jetzt endlich wieder ein erfolgreiches Jahr. "In allen Produkten hier auf der Grünen Woche steckt hundert Prozent Landwirtschaft - und ohne uns wird es vieles hier nicht geben."

Wichtig ist Nähe zur Kundschaft

Dann trinkt Vogelsänger den obligaten Schluck Milch und zieht weiter. Am Stand der Ölmühle "Kunella" kann der Minister Personalchefin Ursula Merkel zum 25. Messe-Geburtstag gratulieren. "Uns geht es hier um Nähe zur Kundschaft", sagt Merkel. Man wolle die Produkte präsentieren und hoffe darauf, auch von dem einen oder anderen Einkäufer eines Bio-Supermarkts entdeckt zu werden. Auf dem Weg zum nächsten Stand spricht Vogelsänger über ein anderes Thema, das die Brandenburger in den letzten Monaten bewegte: das Tierwohl und die Volksinitiative gegen Massentierhaltung. Dass Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) ein neues, bundeseinheitliches Label zum Tierwohl vorstellte, begrüßte der Brandenburger Minister. "Da macht Brandenburg gern mit."

Und schließlich erhält der SPD-Politiker noch ein ganz besonderes Geschenk für den Heimweg überreicht. Am Stand des Landkreises Teltow-Fläming überreicht Julian Dorsch vom Wildpark Johannismühle, der in den vergangenen Monaten wegen Auflagen aus dem Landwirtschaftsministerium in Existenznot geriet, rund 2500 Unterschriften von Tierpark-Freunden an den Minister. Was dem Gespräch, das der Tierpark demnächst mit Vogelsänger führen will, Nachdruck verleihen soll - aber schon in der Landtagssitzung am letzten Mittwoch zeigten sich ja Redner aller Fraktionen gesprächsbereit für das Anliegen des Tierparks.

Für jeden Besucher einen Spruch

Inzwischen ist die Halle längst proppenvoll. Am Stand der Golßener Fleisch- und Wurstwaren GmbH finden die Hackepeter-Brötchen reißenden Absatz. Petra Noack bietet am Stand des Landkreises Elbe-Elster die Produkte der Doberlug-Kirchhainer Fleischerei Neumann an und hat für jeden Besucher am Stand einen lockeren Spruch: "Gott erhalts - Schnitte mit Schmalz!" Als ein junger Mann ein Probiergläschen Zwiebelmettwurst erwirbt, "schwatzt" sie ihm mit Charme ein zweites mit Kräuterschmalz auf: "Da sammelst Du Punkte bei der Schwiegermutter."

Der Oberspreewald-Lausitz-Kreis ist zum ersten Mal mit eigenem Stand bei der Grünen Woche, und Landrat Siegurd Heinze verkündet schon nach wenigen Messestunden stolz: "Unsere Aussteller sind vom Interesse begeistert." Auf den Wolf - nicht den bösen, sondern den süßen - ist die Confiserie Felicitas aus Hornow gekommen. Geschäftsführerin Goedele Matthyssen: "Wir sind zum neunten Mal dabei, fühlen uns auch als Botschafter für unsere Region." Den Wolf bietet die Firma als Hohlkörper mit Infobroschüre an. Und besonders keck: "Lutsch den Wolf" ist mit der Schokolade am Stäbchen möglich.

Agrarminister Jörg Vogelsänger hat indes nur wenig Zeit, sich zu erholen. Am Nachmittag steht er mehrfach auf der Bühne, um die Brandenburger Marketingpreise zu überreichen.

In vier Kategorien räumen Firmen und Initiativen aus dem RUNDSCHAU-Verbreitungsgebiet alle ersten Preise ab. Auf der Bühne werden die Ideen der Preisträger öffentlich gewürdigt. Der Agrarmarketingverein pro agro scheint den Nerv zu treffen. 46 Teilnehmer haben sich um die begehrten Preise beworben. Druckfrisch werden die ersten drei Preisträger in jeder Kategorie in einer Broschüre vorgestellt.

Inzwischen ist es fast 18 Uhr, die Halle immer noch gut besucht. Und der publikumsstärkste Tag kommt erst noch: Am Montag ist Brandenburgtag.