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| 16:15 Uhr

Bilanz
Unrühmlicher Spitzenplatz

Brandenburg mit 59 Unfalltoten pro einer Million Einwohnern an erster Stelle. Von Benjamin Lassiwe

Das Land Brandenburg ist bei der Verkehrsunfallbilanz unrühmliche Spitze: Mit 59 Unfalltoten pro einer Million Einwohnern steht das Land bundesweit an erster Stelle. Das geht aus der gestern von Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) und Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke vorgestellten Verkehrsunfallbilanz des Landes hervor. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 38 Toten, Sachsen kommt auf 36, Mecklenburg-Vorpommern auf 49. Insgesamt kamen in Brandenburg im vergangenen Jahr bei 85 370 Verkehrsunfällen 148 Menschen ums Leben. 2016 waren es noch 121. Die meisten tödlichen Unfälle beruhten dabei auf überhöhter Geschwindigkeit oder der Missachtung von Vorfahrtregeln. Zudem sind 35 Prozent aller Verkehrstoten auf  Baumunfälle zurückzuführen, bei denen also ein Autofahrer gegen einen Alleebaum raste.

Einen deutlichen Anstieg verzeichnet die Statistik auch bei den Unfällen auf den Autobahnen. Die Zahl der Verkehrsunfälle an Autobahnbaustellen ist von 819 auf 2249 gestiegen. Rund 60 Prozent dieser Unfälle geschahen nach Angaben von Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke dabei in ein und derselben Baustelle: Auf dem südlichen Berliner Autobahnring, der A10, im Bereich von Michendorf, wo die Autobahn derzeit um eine Spur erweitert wird. An dieser Stelle war vor einigen Wochen auch die damalige saarländische Ministerpräsidentin und heutige CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer mit ihrem Dienstwagen verunglückt.

Wie Mörke betonte, müssen sich Brandenburgs Autofahrer auch weiterhin auf scharfe Polizeikontrollen einstellen. So werde am 18. April erneut der europaweite Blitzermarathon stattfinden. Insgesamt verteilte die Brandenburger Polizei 2017 mehr als 1,5 Millionen Strafzettel für überhöhte Geschwindigkeit, dies seien sieben Prozent mehr als im Vorjahr gewesen. Doch auch die Übermüdung von Autofahrern stellt weiterhin ein großes Problem für die Verkehrssicherheit dar. In Baustellen seien viele Verkehrsteilnehmer unkonzentriert unterwegs, und Fernfahrer stünden oft unter großem Druck, ihre Lieferzeiten einzuhalten. „Wir brauchen mehr Rastplätze für Lkw-Fahrer“, sagte Schröter gestern. „Abends sind viele Rastplätze in Brandenburg überfüllt.“ Das bringe viele Fahrer, die am Limit ihrer Lenkzeiten angekommen sind, in Gewissenskonflikte bei der Frage, ob man dann noch weiterfahren könne.