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Mehr Schüler schaffen Abschluss

Potsdam/Berlin. Die Zahl der Schüler in Brandenburg, die nicht wenigstens den Hauptschulabschluss erreichen, sinkt. Waren 2014 noch 7,8 Prozent der Schulabgänger ohne jeden Abschluss, waren es 2015 nur noch 7,1 Prozent. Benjamin Lassiwe

Das geht aus der diesjährigen Bildungsstudie des katholischen Hilfswerks Caritas hervor, die in dieser Woche in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. In Mecklenburg-Vorpommern ist diese Zahl dagegen von 7,9 Prozent auf 8,0 Prozent gestiegen, in Sachsen von 7,8 auf 7,6 Prozent gefallen.

Seit dem Jahr 2012 wertet die Caritas jährlich die Zahlen der amtlichen Statistik zu den Schulabgängern ohne Hauptschulabschluss aus. Ziel sei es, den Blick auf Jugendliche zu lenken, die in der Gesellschaft schlechte Chancen haben. "Benachteiligte Schülerinnen und Schüler müssen besser gefördert werden", erklärt Jens-Uwe Scharf, Jugendhilfereferent der Caritas im Erzbistum Berlin. "Jugendliche, die ohne Abschluss die Schule verlassen, haben deutlich weniger Chancen auf einen Ausbildungsplatz, schlechte berufliche Perspektiven und weniger Aussicht auf ein Leben unabhängig von staatlichen Leistungen", sagt der Präsident des Caritas-Verbands, Peter Neher.

Bundesweit liegt die Quote der Schüler ohne Hauptschulabschluss bei 5,9 Prozent. Wie in den vergangenen Jahren hat die Studie des Caritas-Verbands die Daten jedoch bis hinab zur Landkreisebene analysiert. Vor allem die Prignitz lässt das in einem schlechten Licht dastehen: Denn während überall sonst die Zahl der Schüler ohne Hauptschulabschluss sinkt, steigt sie in der Prignitz an - von 8,21 Prozent auf 11,32 Prozent. Mehr als jeder zehnte Prignitzer Jugendliche erreicht also nicht wenigstens den Hauptschulabschluss. Ähnlich hoch sind die Werte in der Uckermark, wo der Anteil der Schüler ohne Hauptschulabschluss 11,17 Prozent beträgt. Hier sind die schlechten Zahlen aber zurückgegangen - 2014 waren es noch 13,68 Prozent der Schüler. Auch in drei von vier Lausitzer Landkreisen gingen die Zahlen zurück: In Oberspreewald-Lausitz von 10,7 Prozent auf 8,7, in Cottbus von 9,55 Prozent auf 9,41 Prozent und in Elbe-Elster von 7,88 auf 6,74 Prozent. Nur in Dahme-Spreewald stieg die Zahl - und zwar von 6,23 auf 6,44 Prozent. Zusammen mit Elbe-Elster liegt dieser Landkreis jedoch unter dem Landesdurchschnitt.

Im sächsischen Landkreis Bautzen ist die Zahl von 5,12 Prozent in 2014 auf 7,46 Prozent in 2015 gestiegen, im Kreis Görlitz blieb sie nahezu konstant bei 8,43 Prozent.

Gegenüber der RUNDSCHAU kritisierte der CDU-Bildungsexperte Gordon Hoffmann, dass die Landesregierung ihr Ziel, die Zahl der Schüler ohne Hauptschulabschluss zu verringern, offenkundig noch nicht erreicht habe. "Wir müssen hier endlich die ideologischen Scheuklappen ablegen", sagte Hoffmann. In Brandenburg würden Absolventen einer Förderschule oft keinen von der Kultusministerkonferenz anerkannten Abschluss erreichen. "Das Problem löst man aber nicht dadurch, dass man sie zur Regelschule schickt." Nötig sei es vielmehr, über einen anerkannten Abschluss für Absolventen einer Förderschule nachzudenken. Der Sprecher des Potsdamer Bildungsministeriums, Ralph Kotsch, verwies ebenfalls darauf, dass es sich bei dem größten Teil der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss um Förderschüler handele.

"Die Schulen mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt ,Lernen‘ und die Schulen mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt ,geistige Entwicklung‘ vergeben eigene Abschlüsse", sagte Kotsch. "Diese sind aber nicht dem Hauptschulabschluss gleichgestellt." Zudem verwies Kotsch darauf, dass das Land diverse Maßnahmen für Schulverweigerer sowie zur Verbesserung der Ausbildungsfähigkeit von Jugendlichen fördere. "In den sogenannten Produktionsschulen und in den Projekten für alleinerziehende junge Mütter und Väter erfahren individuell benachteiligte junge Menschen die in erhöhtem Maße erforderliche Unterstützung beim Einstieg in eine Berufsausbildung oder beim Übergang in die Arbeitswelt."