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Mehr Hilfe für Sinti und Roma

Ursula Nonnemacher: "Es besteht Handlungsbedarf."
Ursula Nonnemacher: "Es besteht Handlungsbedarf." FOTO: dpa
Potsdam. Jeder zweite Bundesbürger möchte Sinti und Roma aus den Innenstädten verbannen. 57,8 Prozent hätten ein Problem damit, wenn Angehörige der Minderheit in ihrer Nähe wohnen würden, 58 Prozent sind der Meinung, dass sie zur Kriminalität neigten. iwe1

Diese Zahlen stammen nicht aus der Zeit des Nationalsozialismus, als die Minderheit Opfer des als "Pojramos" bekannten Völkermordes wurde, der mehrere Hunderttausend Menschenleben forderte. Sie sind vielmehr von 2016 - aus der sogenannten Mitte-Studie der Universität Leipzig.

"Dass Handlungsbedarf besteht, bleibt leider eine traurige Wahrheit", sagte die Landtagsabgeordnete Ursula Nonnemacher (Bündnis90/ Die Grünen), die diese Zahlen am Donnerstag in der Plenardebatte des Potsdamer Landtags zitierte. Auf Antrag aller Fraktionen beschloss das Landesparlament, die Landesregierung aufzufordern, eine Vereinbarung mit dem Landesverband der Sinti und Roma abzuschließen. Sie soll "mittel- und langfristige Maßnahmen in Bezug auf die Vermittlung von Kenntnissen über die Minderheit in Schulen", bei der Fortbildung von Landes- und kommunalen Beschäftigten sowie im Bereich der Gedenkkultur enthalten. Zudem sollten Formen des regelmäßigen Austauschs zwischen Landtag, Landesregierung und den Verbänden der Minderheit geschaffen werden.

"Sinti und Roma als Menschen zu sehen und zu behandeln, ist eigentlich selbstverständlich", sagte die Landtagsabgeordnete Gerrit Große (Linke) in der Debatte. "Dass sie diese Menschlichkeit einfordern müssen, sagt viel über unsere Kultur und die Menschlichkeit in unserer Gesellschaft."

Die SPD-Abgeordnete Ulrike Liedtke forderte zudem die Schaffung eines Staatssekretärs für "Integration und soziale Gerechtigkeit". Brandenburgs Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD) erklärte, "Leid, Traumatisierungen und anhaltende Diskriminierungen werden nur wenig thematisiert." Daher gelte es, weiterhin Anstrengungen zum Schutz von Sinti und Roma voranzubringen. Ziel der Vereinbarung sei es unter anderem, gerade Schülerinnen und Schüler dafür zu sensibilisieren, dass Diskriminierungen unter keinen Umständen akzeptabel seien. "Ein Vergessen oder Relativieren darf es nicht geben."