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| 09:32 Uhr

Manche Berufe kämpfen mit Imageproblemen
Mehr als 6000 Lehrstellen in Brandenburg noch frei

Kfz-Mechatroniker ist einer der beliebten Ausbildungsberufe, hier sind die Ausbildungsstellen schnell weg. Die Baubranche, Gastronomie und Hotellerie hingegen müssen um Auszubildende kämpfen.
Kfz-Mechatroniker ist einer der beliebten Ausbildungsberufe, hier sind die Ausbildungsstellen schnell weg. Die Baubranche, Gastronomie und Hotellerie hingegen müssen um Auszubildende kämpfen. FOTO: Jan Woitas
Cottbus/Potsdam. Es gibt Lehrstellen in Brandenburg, die gehen weg wie warme Semmeln. Mediengestalter ist nach Kammerangaben so ein Beruf. Andere haben dagegen mit Imageproblemen zu kämpfen.

Viele junge Leute starten im August und September in brandenburgischen Firmen mit ihrer Ausbildung. Viele Lehrstellen sind zugleich noch zu haben - die Kammern sprechen jeweils von Hunderten freien Plätzen. Wo drückt der Schuh und wo geht alles wie von alleine?

Tausende offene Stellen

6147 Ausbildungsstellen waren im Juli in Brandenburg noch zu haben, wie es von der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit heißt. Das sind fast 300 mehr freie Lehrstellen als im Jahr davor. Zugleich gab es im Juli 4892 Bewerber, die noch keinen Platz bis zum 30. September gefunden haben. Die Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr (5232) gesunken. 8555 Bewerber sind im Juli mit einer Lehrstelle versorgt gewesen, wie es weiter heißt. Die Regionaldirektion betont zugleich, dass von den Arbeitgebern nicht alle Ausbildungsstellen bei den Agenturen für Arbeit gemeldet werden. Gleiches gelte für die Bewerberseite. Die Zahlen bilden also wohl nicht den tatsächlichen Ist-Stand genau ab.

Berufe mit Imageproblemen

Der Beruf Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice hat nach Angaben der Industrie- und Handelskammer Cottbus Imageprobleme, weil es ein Job mit körperlicher Belastung ist. In Südbrandenburg waren in der vergangenen Woche noch fast 50 dieser Lehrstellen unbesetzt. Um Ansehen müssen demnach auch nach wie vor Hotel- und Gaststättenberufe kämpfen - auch wegen der als unattraktiv geltenden Arbeitszeiten an Abenden und Wochenenden. Im Bereich der IHK Potsdam werden mit rund 80 freien Plätzen noch vergleichsweise viele Lehrlinge für den Beruf Fachkraft für Lagerlogistik gesucht.

Laut Handwerkskammer Cottbus scheint der Bausektor bei Jugendlichen nicht besonders attraktiv zu sein - obwohl die Ausbildungsvergütungen hoch und die Übernahmeperspektiven gut seien. Die Kammer betont zudem wie andere auch den andauernden Trend bei Jugendlichen, Abitur machen und studieren zu wollen.

Die Renner

Gefragt sind laut IHK Potsdam unter anderem Ausbildungen in Banken. Auch bei der IHK Ostbrandenburg sind die Plätze für die Ausbildung im Beruf Bankkaufmann/-frau jedes Jahr sehr früh besetzt.

Attraktiv seien für Lehrlinge generell auch größere Unternehmen, sagt der Geschäftsführer Bereich Bildung der IHK Potsdam, Wolfgang Spieß. Sie schätzten dort ihre Chancen für beruflichen Aufstieg als größer ein.

Sehr viele Bewerber kommen nach Einschätzung der IHK Cottbus auf die Lehrstellen-Angebote der Berufe Mediengestalter und Tierpfleger. Laut Handwerkskammer Frankfurt (Oder) sind unter anderem Ausbildungsplätze für Kfz-Mechatroniker, Elektroniker, Zahntechniker und Fotografen beliebt. Der Tischler sei zudem einer der Berufe, die vermehrt von Abiturienten besetzt werden.

Bei der Handwerkskammer Cottbus ist der Kfz-Mechatroniker seit Jahren der Favorit - rund 100 Verträge liegen dafür in dem Kammerbezirk bereits vor.

Von Agenturen für Arbeit in Brandenburg ist zu hören, dass klassische Büro- und Medienberufe, Ausbildungen im Bereich öffentlichen Dienst, IT, KfZ, aber auch eine Lehre im Gesundheitsbereich (Medzinische Fachangestellte) und duale Studiengänge bei Bewerbern beliebt sind.

Falsche Vorstellungen:

Nach Angaben der Handwerkskammer Frankfurt (Oder) finden Betriebe immer schwerer geeignete Jugendliche, weil Ausbildungsvoraussetzungen fehlten oder es kein Interesse an einer handwerklichen Ausbildung gebe. Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten würden von den Schulabgängern oftmals unterschätzt. Und ihnen seien die Berufsinhalte oftmals unbekannt, oder sie haben eine falsche Vorstellung von dem Beruf. Wichtig sei für Auszubildende auch, dass der Betrieb gut zu erreichen ist, und der Weg zur Berufsschule ebenfalls nicht zu lang ist.

Neue Berufe?

Zum 1. August startet der neue Beruf Kaufmann/-frau im E-Commerce. Er ist auf den Wachstumsmarkt Online-Handel zugeschnitten, wie IHK's mitteilten. Modernisiert wurden laut Handwerkskammer Cottbus darüber hinaus die Ausbildungsordnungen der Berufe Behälter- und Apparatebauer, Edelstahlschleifer, Maßschuhmacher, Steinmetz- und Steinbildhauer und Präzisionswerkzeugmechaniker.

Ausbildungsstart

Grundsätzlich ist es über das ganze Jahr möglich, einen Ausbildungsvertrag zu unterschreiben. Viele Betriebe starten mit den Ausbildungen gerne im August und September, weil in diesem Zeitraum auch das Berufsschuljahr beginnt.

(dpa)