ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:55 Uhr

Für Betroffene
Medikamentenskandal: Brandenburger Gesundheitsministerium richtet Telefonhotline ein

(Symbolfoto) Das Brandenburger Gesundheitsministerium hat eine Telefonhotline eingerichtet, damit Patienten, die im Rahmen des Skandals um eventuell gefälschte Krebsmedikamente betroffen sind, sich informieren können.
(Symbolfoto) Das Brandenburger Gesundheitsministerium hat eine Telefonhotline eingerichtet, damit Patienten, die im Rahmen des Skandals um eventuell gefälschte Krebsmedikamente betroffen sind, sich informieren können. FOTO: REDPIXEL - stock.adobe.com / REDPIXEL
Potsdam/Berlin. Brandenburgs Gesundheitsministerium gibt betroffenen Patienten Auskunft.

  Im Brandenburger Pharmaskandal um möglicherweise gestohlene Medikamente ist am Freitag beim Gesundheitsministerium ein Infotelefon geschaltet worden. Täglich werden von 10 bis 16 Uhr unter der Nummer 0331 8665020 Anrufe von Betroffenen entgegengenommen, teilte das Gesundheitsministerium mit. Apotheker und medizinisches Personal stehen für Anfragen bereit. Seit Donnerstag werden im Ministerium zudem Akten der Staatsanwaltschaft intensiv geprüft.

Vor Kurzem war bekannt geworden, dass ein Brandenburger Pharmahändler gestohlene Krebsmedikamente mit unklarer Wirksamkeit von einer griechischen Apotheke vertrieben haben soll. Hinweise darauf soll es aber bereits seit Längerem gegeben haben. Der Skandal kochte hoch, nachdem das ARD-Magazin Kontraste berichtet hatte. Den Recherchen des Senders zufolge sollen 14 000 Packungen und bis zu 15 Präparate betroffen sein.

Der Skandal um die vermutlich gestohlenen und gefälschten Krebsmedikamente zieht auch in Berlin Kreise. „Wir wissen noch nicht, wie viele Patienten betroffen sind“, sagte Mirza Cerimagic, Sprecher des Landesamts für Gesundheit am Freitag. Es sei ein aufwendiger Prozess, die Lieferkette von einem Großhändler in Brandenburg zu den Apotheken  und von dort aus weiter zu vier Arztpraxen in der Hauptstadt zu verfolgen. „Es liegt dann zum Schluss bei den Ärzten, ihre Patienten zu informieren“, ergänzte er.

Die betroffene Berliner Apotheke hätte mit den Medikamenten – in erster Linie Stoffe für die Chemotherapie – zwischen September 2015 und März 2017 sechs Arztpraxen und eine Reha-Einrichtung versorgt. Zudem sei völlig unklar, ob die Medikamente gegen Krebs schädlich oder unwirksam seien, sagte Cerimagic. Die Untersuchungen dazu liefen. Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD) forderte vom Nachbarland Aufklärung: „Wir sind auf schnelle und lückenlose Informationen aus Brandenburg angewiesen.“

Brandenburgs Gesundheitsministerin Diana Golze (Die Linke), kommt in Erklärungsnot. Ein Arzneimittelgroßhändler aus Brandenburg soll gestohlene Medikamente vertrieben haben. Erste Hinweise gingen schon 2017 an die Behörde.
Brandenburgs Gesundheitsministerin Diana Golze (Die Linke), kommt in Erklärungsnot. Ein Arzneimittelgroßhändler aus Brandenburg soll gestohlene Medikamente vertrieben haben. Erste Hinweise gingen schon 2017 an die Behörde. FOTO: dpa / Britta Pedersen

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Brandenburger Pharmahändler bereits seit April 2017 wegen Hehlerei. Im Dezember 2016 hatte es erste Hinweise auf Unstimmigkeiten gegeben. Doch erst im Juni 2017 hatten die Brandenburger Behörden der Firma den Handel mit dieser Apotheke untersagt. Warum die Firma ihre Betriebserlaubnis behalten konnte, sei nicht nachvollziehbar, hatte Gesundheitsministerin Golze (Linke) nach tagelangem Schweigen gesagt. Sie räumte Fehler und Versäumnisse ein.