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Slogan für Brandenburg
„Kinder, macht’s nicht zu kompliziert“

Matthias Platzeck: „Brandenburg hat lange gesagt: Wir haben andere Sorgen. Aber heute stehen die Regionen und auch die Bundesländer untereinander im Wettbewerb. Ich nenne hier nur den Wettstreit um Fachkräfte. Das heißt, das Land muss für den Wohn- und Lebensort Brandenburg werben.“  Foto: dpa
Matthias Platzeck: „Brandenburg hat lange gesagt: Wir haben andere Sorgen. Aber heute stehen die Regionen und auch die Bundesländer untereinander im Wettbewerb. Ich nenne hier nur den Wettstreit um Fachkräfte. Das heißt, das Land muss für den Wohn- und Lebensort Brandenburg werben.“ Foto: dpa FOTO: Ralf Hirschberger
Cottbus. Ex-Ministerpräsident Matthias Platzeck im RUNDSCHAU-Interview zur neuen Imagekampagne „Brandenburg – Es kann so einfach sein.“ Von Christian Taubert

Brandenburgs neue Imagekampagne soll natürlich eingängig und leicht zu merken sein. Vor allem aber geht es darum, neugierig zu machen auf das, was sich um die Bundeshauptstadt Berlin herum tut – welche Chancen sich von Prignitz bis Lausitz und Uckermark bis Elbe-Elster-Land bieten. An dem Slogan „Brandenburg – Es kann so einfach sein“ lässt die Opposition im Landtag keinen guten Faden. Die RUNDSCHAU fragte Ex-Regierungschef  Matthias Platzeck (SPD) zu der neuen Werbeaktion für das Land.

Herr Platzeck, warum braucht Brandenburg überhaupt eine neue Imagekampagne?

Platzeck Ich denke, sie ist überfällig. Brandenburg hat lange gesagt: Wir haben andere Sorgen. Aber heute stehen die Regionen und auch die Bundesländer untereinander im Wettbewerb. Ich nenne hier nur den Wettstreit um Fachkräfte. Das heißt, das Land muss für den Wohn- und Lebensort Brandenburg werben. Damit Menschen neugierig werden und Lust bekommen, vielleicht hier ihren Lebensentwurf zu verwirklichen. Baden-Württemberg oder Sachsen haben schon vor längerer Zeit vorgelegt. Ich finde, es ist gut, richtig und sogar überfällig, dass Brandenburg jetzt nachlegt.

Was drückt der Slogan „Brandenburg – Es kann so einfach sein“ für Sie aus?

Platzeck Ich mag den Spruch inzwischen sehr und will das begründen: Der Streit um den Slogan ist schon ein Schritt zu dem, was Landesmarketing will. Nämlich, dass darüber geredet wird. Zudem glaube ich, dass sich in dem Slogan etwas sehr brandenburgisches ausdrückt. Für mich hat dieser Satz den Klang nach etwas sehr bodenständigem. In dem Sinne: Kinder, macht’s nicht zu kompliziert. Übrigens habe ich diesen Satz fast aus dem Munde von Regine Hildebrandt gesprochen gehört. Weil er auch bedeutet, macht nicht so viel Gerede. Stellt euch nicht so an.

Was fällt Ihnen dazu in der Gegenwart ein?

Platzeck Wenn ich in einem Radiosender gehört habe: „Franziska Giffey wird Ministerin. Eine Brandenburgerin, so einfach kann das sein.“ Da merkt man, es wird aufgenommen, es geht los.

Aber die vehemente Ablehnung der Opposition im Landtag ist nicht gerade ein Traumstart. . .

Platzeck Sicher. Aber hätten sich die Macher einen anderen Satz ausgedacht, hätte es erstens auch Streit gegeben. Und zweitens hätten Miesepeter versucht, ihn negativ auszulegen. Die Württemberger haben mir erzählt, als sie vor vielen Jahren ihre Kampagne „Wir können alles. Außer Hochdeutsch“ entwickelt haben, hatten sie zwei Jahre eine heftige Auseinandersetzung darüber, dass dies nicht so gesagt werden dürfe. Seit Jahren  gehört sie inzwischen zu den gängigsten Imageslogans unter den Ländern.

Muss Brandenburgs engster Verbündeter –  Berlin – schlechtgemacht werden, um sich selbst in ein besseres Licht zu rücken?

Platzeck Dieser Slogan und die Imagekampagne sind doch nicht gegen Berlin gerichtet. Aber man kann es vielleicht so zusammenfassen: Brandenburg ist anders, Berlin auch. Das heißt, es gibt eine Menge Leute, die Großstadt an sich lieben. Oder eben den Trubel nicht mögen. Der neue Slogan ist ein Satz zum Anfüttern – vielleicht einen anderen Lebensentwurf zu leben. Und das kann man in Brandenburg.

Ist es richtig, mit einem solchen Slogan zu provozieren?

Platzeck Na, klar. So ein Satz darf doch nicht dahinplätschern. Er darf nicht im Nirwana verschwinden. All dem wird er meines Erachtens gerecht. Und noch einmal: Er macht in keiner Weise Berlin schlecht. Er sagt lediglich, hier ist etwas anderes. In diesem Spannungsverhältnis lebt eine Region. Der Satz lädt zu einem anderen Lebensentwurf ein, als man ihn in einem großen Ballungszentrum hat.

LR-Leser schreiben – weder der BER noch die Flüchtlingssituation in Cottbus oder der Strukturwandel in der Lausitz  sind einfach. . .

Platzeck Das stimmt. Aber dieser Werbeslogan für Brandenburg sagt ja auch nicht, dass alles einfach ist und dass alles funktioniert bei uns. Das wäre anmaßend, unrealistisch und falsch. Aber: Er sagt für mich, vieles in diesem Lande kann man tun, kann anfangen, was man in einer anderen Umgebung so nicht könnte. Weil Brandenburg ganz spezifische und, wie ich finde, gute Bedingungen dafür liefert. Das will der Satz sagen, ohne alles glattzubügeln.

Bayern verzichtet zurzeit als einziges Bundesland auf eine Imagekampagne. Nach dem Motto: besser gar nicht als schlecht?

Platzeck Was unser Landesmarketing initiiert hat, ist gut. Wir dürfen die Augen nicht davor verschließen, dass wir als Bundesland Brandenburg ein Problem haben, was etwa Bayern nicht hat. Wenn man nämlich um die größte und am dichtesten besiedelte Stadt Deutschlands herum liegt – mit bald vier Millionen Einwohnern – dann hat man ein Darstellungsproblem. Auch so etwas wie ein Selbstbehauptungsproblem. Dann muss man schon ein Stückchen nachhelfen.

Mit Matthias Platzeck
sprach Christian Taubert