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"Massiv gestörter Betriebsfrieden"

Aus Sicht der Gewerkschaft werden die Lehrer an den Brandenburger Grundschulen weiterhin zu schlecht bezahlt.
Aus Sicht der Gewerkschaft werden die Lehrer an den Brandenburger Grundschulen weiterhin zu schlecht bezahlt. FOTO: dpa
Potdam. Wenn der Brandenburger Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Günter Fuchs, die Potsdamer Presse zum Frühstück einlädt, gibt es in der Regel lautstarke Kritik an der Bildungspolitik des Landes. So war es auch am Montag: Von "Diskriminierung" war die Rede und einem "massiv gestörten Betriebsfrieden". Benjamin Lassiwe / iwe1

Denn nachdem das Land Brandenburg kürzlich die Lehrer der Sekundarstufe I von der Besoldungsgruppe A 12 auf A 13 angehoben hatte, geht es Fuchs nun um die Grundschulen.

Denn aus Sicht der Gewerkschaft würden die Lehrer an den Grundschulen weiterhin zu schlecht bezahlt. Fuchs zufolge gebe es dort Erzieher mit Lehrberechtigung, die in Besoldungsgruppe A9 eingruppiert seien, ehemalige DDR-Lehrer, die sich in den Gruppen A10 und A11 fänden, und Lehrer, die eine Qualifikation für die Sekundarstufe besäßen, und deswegen nun A 13 erhielten. Der Gehaltsunterschied in einem Lehrerkollegium könne durchaus 600 bis 800 Euro pro Monat betragen, erklärte Fuchs. "Im Grundschulbereich ist die Verärgerung immens." Die Situation sei "völlig inakzeptabel", die Grundschullehrer würden seitens des Landes nicht mehr wertgeschätzt.

Verärgert zeigte sich der Gewerkschafter zudem über die angeblich hohe Zahl von Quereinsteigern an Brandenburgs Schulen. "Wir haben so viele Seiten- und Quereinsteiger wie noch nie", so Fuchs. "Wir nähern uns der hälftigen Besetzung." So seien nach Informationen der GEW an den Grundschulen im Bereich des Schulamtes Cottbus von 2015 bis 2017 insgesamt 287 Lehrer eingestellt worden. 117 davon hätten eine Lehrbefähigung gehabt, 170 dagegen nicht. "Ohne gut qualifizierte Lehrkräfte im Grundschulbereich drohen aber wichtige Reformen zu scheitern", sagte Fuchs. Das "gemeinsame Lernen", früher auch unter dem Begriff "Inklusion" bekannt, und die Integration von Schülern mit Migrationshintergrund könnten nur mit qualifizierten und motivierten Grundschullehrern gelingen. "Statt über Modellvorhaben nachzudenken, müssen wir uns wieder Gedanken über die Grundversorgung machen."

Der Sprecher des Bildungsministeriums Ralph Kotsch erklärte auf RUNDSCHAU-Anfrage, das Bildungsministerium stehe einer Besoldungsanhebung auch für Grundschullehrkräfte positiv gegenüber. "Dies wird im parlamentarischen Raum zu diskutieren sein", sagte Kotsch. Im Schuljahr 2017/18 seien von 1069 neu eingestellten Lehrkräften 216 Seiteneinsteiger. Generell gehe man von sieben bis neun Prozent Seiteneinsteigern unter den insgesamt rund 19 600 Lehrkräften aus. "Alle Seiteneinsteiger durchlaufen grundsätzlich ein Qualifizierungsprogramm", betonte Kotsch. "Jene Seiteneinsteiger, die das Lehramt erwerben, sind dann natürlich keine Seiteneinsteiger mehr." Nicht alle Seiteneinsteiger blieben ihr ganzes Berufsleben lang Seiteneinsteiger.