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Mahnmal für Kinderheim-Opfer geplant
Ein Ort der Erinnerung für Opfer

Bad Freienwalde . Mahnmal für ehemalige Insassen von DDR-Kinderheim in Freiwalde geplant. Bernjamin Lassiwe

Vor den Fenstern waren Gitter, in den Zellen gab es für die Notdurft nur einen Eimer. Wer als Kind oder Jugendlicher in das DDR-Durchgangsheim in Bad Freienwalde kam, landete in einem ehemaligen preußischen Amtsgerichtsgefängnis. Als es 1968 an die DDR-Jugendhilfe kam, wurde es nicht umgebaut. Und auch im täglichen Betrieb veränderte sich wenig: Schläge und Zwangsarbeit waren hier  an der Tagesordnung.

Heute ist das Gelände des ehemaligen Kinderheims in Privatbesitz. In einem der Gebäude hat sich die Brandenburger Polizei eingemietet. Ein Ort der Erinnerung für die ehemaligen Insassen besteht dagegen nicht. Das soll sich nun ändern, kündigten der Vorsitzende des Vereins „Kindergefängnis Bad Freienwalde“, Roland Hermann, Mitglieder des Brandenburger Landtags sowie der Landrat von Märkisch Oderland, Gernot Schmidt (SPD) am Mittwoch in Potsdam an.

Voraussichtlich am 9. November soll ein 10 000 Euro teures, von dem örtlichen Metallkünstler Axel Anklam entworfenes Denkmal vor dem Gebäude der Polizeistation errichtet werden. Die Idee dazu kam auf einer Veranstaltung der Landtagsfraktion der Grünen in Bad Freienwalde auf, deren Abgeordnete Heide Schinowsky sich besonders für die Aufarbeitung der Heimgeschichte engagiert. Gestern nannte sie die Errichtung des Mahnmals „einen wichtigen Schritt. Bis heute ist in der Öffentlichkeit nur wenig darüber bekannt, welch schlimme Erfahrungen Kinder und Jugendliche in manchen DDR-Einrichtungen erlitten haben und wie hierin ihre Zukunftschancen verbaut wurden,“ sagte Schinowsky. „Das Mahnmal soll Anstoß und Anlass für die Auseinandersetzung mit diesem Thema werden.“

Wie Schmidt und die örtliche Landtagsabgeordnete Jutta Lieske (SPD) betonten, gebe es in der Stadt Bad Freienwalde bis heute kaum ein Bewusstsein für die Aufarbeitung der Geschichte des Kinderheims. „Wenn es um dieses Thema geht, lässt sich kein Vertreter der Stadt bei Veranstaltungen blicken“, sagte Lieske. Sie selbst habe Anfeindungen erlebt, weil sie sich mit dem Thema beschäftige.

Der Vorsitzende der Union der Opfer Kommunistischer Gewaltherrschaft und Vizepräsident des Brandenburger Landtags, Dieter Dombrowski (CDU), nannte es „erschütternd, dass in der DDR Kinder im Gefängnis aufbewahrt wurden.“ Dafür könne es weder damals noch heute eine Rechtfertigung geben.