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| 15:49 Uhr

Brandenburg
Lunapharm-Skandal: Ärzte sollen Patienten finden

FOTO: Kwangmoo - stock.adobe.com / Kwangmoo / fotolia
Potsdam. Nach dem Lunapharm-Skandal um gestohlene und möglicherweise unwirksame Krebsmedikamente wollte das Land eigentlich gezielt nach betroffenen Patienten suchen. Nun bleibt das an Ärzten und Apothekern hängen. Von Benjamin Lassiwe

Brandenburgs Gesundheitsministerium setzt im Umgang mit möglichen Lunapharm-Opfern offenbar doch vor allem auf die Aufklärungsarbeit der Ärzte. Eigene Maßnahmen zur Ermittlung betroffener Patienten scheinen nicht mehr geplant zu sein. Das geht aus einer „Kleinen Anfrage“ der SPD-Landtagsabgeordneten Britta Müller hervor, die der RUNDSCHAU vorliegt. Müller hatte sich beim Gesundheitsministerium erkundigt, wie denn die versprochenen Maßnahmen des Ministeriums zur Identifikation betroffener Patienten aussehen.

Aus der nun vorliegenden Antwort geht hervor, dass das von Susanna Karawanskij (Linke) geführte Ressort diese Informationen vor allem durch den Rückruf der Lunapharm-Präparate erhalten will. „Mit der Anordnung des Rückrufs war auch verbunden, dass die Firma dem LAVG die Adressaten der jeweiligen Lieferungen mitteilen musste“, heißt es in der Antwort. „Diese Informationen hat das LAVG unverzüglich sowohl den Arzneimittelüberwachungsbehörden der anderen Bundesländer und Staaten als auch den Apotheken, Großhändlern und deren Interessenvertretungen mitgeteilt.“ Dadurch seien alle Aufsichtsbehörden in die Lage versetzt worden, in ihrer örtlichen Zuständigkeit „die Anzahl potentiell betroffener Patientinnen und Patienten zu ermitteln und diese über die Apotheken und die behandelnden Ärztinnen und Ärzte informieren und beraten zu lassen.“

In ihrer ersten Landtagsrede hatte Karawanskij dagegen angekündigt, die Recherche nach möglicherweise betroffenen Patienten fortzusetzen. „Die Antwort auf die kleine Anfrage erfüllt nicht unsere Zielsetzung, dass wir alles nötige machen wollen, um die Patienten zu identifizieren“, sagte die SPD-Abgeordnete Müller auf Nachfrage dieser Zeitung. „Ich finde es bedauerlich, dass jetzt wieder alles an die Ärzte delegiert wird – das kann nicht der Weg sein.“

Dagegen erklärte die stellvertretende Regierungssprecherin Gerlinde Krahnert, die derzeit auch die Pressearbeit im Gesundheitsministerium verantwortet, die Antwort auf die Anfrage stelle keinen Widerspruch zur Rede der Ministerin im Landtag dar. Auf die Patienten könne man nur auf dem Weg über Apotheken und Ärzte zugehen, da hier auch Schweigepflicht und Datenschutz greifen würden. „Dennoch sind zur Zeit Treffen mit Selbsthilfegruppen in Planung, die mit der Ministerin ins Gespräch kommen wollen“, sagte Krahnert. „Darüber hinaus kann ich nur noch einmal versichern, dass seitens des Ministeriums mit Respekt vor den Betroffenen an der Aufklärung gearbeitet wird.“