ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:31 Uhr

Luftraum für Vögel immer gefährlicher

Gefahr droht: Wildgänse fliegen unweit von Müllrose (Oder-Spree) auf ein Windrad zu. Foto: ZB
Gefahr droht: Wildgänse fliegen unweit von Müllrose (Oder-Spree) auf ein Windrad zu. Foto: ZB FOTO: ZB
Potsdam. Der Luftraum über Brandenburg wird für Vögel immer gefährlicher. Weil das Land im Zuge der Energiestrategie 2020 auf eine Verdreifachung der erneuerbaren Energien setzt, nimmt die Zahl der Windkraftanlagen rapide zu. Von Peter Jähnel

Seitdem fliegen viele Vögel auf Kollisionskurs. Dies gilt besonders dort, wo große Windenergieparks stehen, so in Nauen (Havelland), Klettwitz (Oberspreewald-Lausitz) und Karstädt (Prignitz).

Auf der Suche nach Beute oder Brutstätten unterschätzen Vögel oft die Gefahren der riesigen Anlagen, deren Rotoren an der Spitze Überschallgeschwindigkeit erreichen können. Die Tiere prallen gegen Rotorblätter und Masten oder werden - wie die Fledermäuse - durch Unterdruck in den Luftwirbeln getötet. Betroffen sind besonders Greifvögel wie Mäusebussarde, Rotmilane und Seeadler, wie das Landesumweltamt Brandenburg ermittelte. Aber auch Haustauben, Mauersegler und Feldlerchen kommen auf diese Weise ums Leben.

Experten halten dieses Risiko zwar für relativ gering im Vergleich zu anderen Gefahren, die Vögel durch den Straßenverkehr, Stromleitungen oder Glasscherben ausgesetzt sind. Dennoch machen sich Umweltschützer Sorgen. “Vögel können durch Windkraftanlagen auch ihre Brutplätze oder Nahrungsflächen verlieren, indem sie diese Standorte meiden„, erläutert Andreas Pieler vom Umweltministerium in Potsdam. Auch das Zugverhalten von Gänsen und Kranichen verändere sich, wie Untersuchungen ergaben.

“Jährlich kommen in Brandenburg einige Tausend Vögel an Windkraftanlagen ums Leben„, schätzt Torsten Langgemach. Er leitet die Staatliche Vogelschutzwarte des Landesumweltamtes in Buckow bei Nennhausen (Havelland). “Das sind aber nur Hochrechnungen, denn wir können nicht jeden Tag alle Anlagen im Land absuchen.„ Zurzeit stehen etwa 3000 dieser Vogel-Barrieren in der Landschaft.

“Unsere Arbeitsergebnisse fließen in viele Pläne des Umweltministeriums ein, darunter in die Tierökologischen Abstandskriterien„, erläutert Langgemach. Dadurch werden die Betreiber von Windkraftanlagen verpflichtet, bereits in der Planungsphase wegen des Vogelschutzes bestimmte Baustandorte zu vermeiden oder Abschaltzeiten der Anlagen einzuhalten.

Es könnte für die Herrscher der Lüfte aber noch schlimmer kommen: Brandenburgs Landesregierung will bis 2020 fast die Hälfte des Zuwachses bei den erneuerbaren Energien mit Windkraft erreichen. “Demnach soll sich die Kapazität von Windstromanlagen von derzeit 4170 Megawatt bis 2020 auf 7500 Megawatt erhöhen„, berichtet Steffen Streu, Sprecher des Wirtschaftsministeriums.

Deshalb wollen die Naturschützer, dass die Landesregierung mehr zum Schutz der Vögel tut. “Wir fordern die Berücksichtigung angemessener naturschutzfachlicher Kriterien, wenn geeignete Flächen für Windkraftanlagen ausgewiesen und Windparks genehmigt werden„, sagt Wolfgang Mädlow, Landesgeschäftsführer des Naturschutzverbandes Nabu Brandenburg.