Zum 125. Todestag des Flugpioniers Otto Lilienthal am 10. August 2021 haben Experten die genauen Umstände seines Absturzes zusammengetragen. „Da gibt es mehrere Faktoren. Die hängen mit dem Gleiter selbst zusammen, mit Lilienthals Flugphilosopie, und ein bisschen Pech war auch dabei“, sagte der Luftfahrtkurator des Deutschen Museums in München, Andreas Hempfer.
Bei seinem letzten Flug im Jahr 1896 nutzte Otto Lilienthal seinen sogenannten Normalsegelapparat. Mit dem ersten Serienflugzeug der Welt, das mithilfe des Körpergewichts gesteuert wurde, war er aber seit langem nicht mehr geflogen. Trotz seiner Erfahrung von mehr als 2000 Flügen mit verschiedenen Modellen fehlte ihm also die Praxis mit diesem Gleiter.

Finsterwalde

Um eine große Flughöhe zu erreichen, sei er deshalb bei seinem Todesflug früh vom Erdboden abgesprungen und steil aufgestiegen, was den Gleiter langsam machte. Zum Verhängnis sei ihm letztlich die Thermik geworden, die am 9. August 1896 am Flughügel bei Stölln (Havelland) am Gollenberg herrschte.

Luftfahrt-Pionier Otto Lilienthal: So scheiterte sein letzter Flug

„Da war eine Warmluftblase, die sich vom Boden abgelöst hat und hochgestiegen ist. Lilienthal ist mit seinem Eindecker langsam in diese Blase aufsteigender Luft frontal reingeflogen, und diese Blase hat die Nase von seinem Flieger so hochgerissen, dass er sie nicht mehr aussteuern konnte“, berichtete Hempfer. Es kam zu einem Strömungsabriss. „Der Gleiter blieb praktisch in der Luft stehen, wie ein Stein ist er dann runtergefallen.“
Mit 48 Jahren starb Lilienthal einen Tag später in Berlin an seinen Verletzungen. Nach seinem Tod geriet er im eigenen Land zunächst etwas in Vergessenheit, inspirierte aber im Ausland etwa die Gebrüder Wright. Heute gilt der Maschinenbauer laut Hempfer deshalb als eine der ganz wichtigen Persönlichkeiten in der Geschichte der Luftfahrt.