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| 14:26 Uhr

Verkehr
Wie Hunderte Lkw  von der Straße kommen

Die Forster Lion Logistik Group bringt Transporte von der Straße auf die Schiene. „Wir können mit Fakten überzeugen“, sagt der Leiter Lkw- und Bahntransporte Stefan Troppa.
Die Forster Lion Logistik Group bringt Transporte von der Straße auf die Schiene. „Wir können mit Fakten überzeugen“, sagt der Leiter Lkw- und Bahntransporte Stefan Troppa. FOTO: LR / Medienhaus Lausitzer Rundschau/C
Cottbus/Forst. Lion-Logistik in Forst setzt auf Schienen-Transporte und hat neue Ideen für den Standort – trotz schlechter Voraussetzungen.   Von Christian Taubert

Wie kann es gelingen, rund 150 Lkw pro Woche von den Autobahnen zwischen  Hamburg und der Lausitz herunter zu bekommen? Die Antwort: Indem ihre Ladung auf die Schiene verfrachtet wird. Seit 2015 hat die in Forst (Spree-Neiße) beheimatete Lion-Logistik GmbH dafür den Beweis angetreten. Denn sie hat jenen polnischen Kunden, der Bananen aus  Ecuador über den Hamburger Hafen auf den polnischen Markt sowie nach Tschechien und Litauen liefert, mit Fakten überzeugt. „Und die haben klar für die Schiene gesprochen“, sagt  Stefan Troppa.

Der Leiter Lkw- und Bahntransporte bei der Lion-Group in Forst verdeutlicht, dass die Bananen früher vom Schiff in die Kühlkammer geladen und solange zwischengelagert wurden, bis sie auf polnische Laster verfrachtet und nach Zgorzelec (Görlitz) gefahren wurden. Die Kühlcontainer wurden von 150 Lastern pro Woche hingebracht, um beladen zurückzufahren. „Das hat sich seit drei Jahren grundlegend geändert“, erläutert Troppa. Die Container kommen vom Schiff direkt auf das Bahngleis. Drei Bananen-Züge – in der Regel 22 Wagen mit 44 Containern – stellt die Lion-Group pro Woche im Hamburger Hafen zusammen. Erst auf dem Forster Terminal nahe der Autobahn A 15 wird die Fracht auf Lkw verladen, um in die Reifekammer nach Zgorzelec verfrachtet zu werden.

Der Forster Sven Noatzke, der im Frühjahr 2003 mit nur einem Lastzug für Übermaßtransporte das Einzelunternehmen Lion-Spezialtransport gegründet hatte, hat trotz des überschaubaren Starts stets die Weiterentwicklung des Unternehmens im Visier gehabt. Der Gleis­anschluss auf dem Terminal war dafür eine gute Voraussetzung. So werden bis heute Agrarmaschinen eines US-Herstellers von den Nordseehäfen per Bahn hierher gebracht, um die Weiterreise per Lkw zu den Abnehmern vor allem in der Ukraine anzutreten. Von den Nordseehäfen Hamburg und Bremerhaven rollen inzwischen sechs- bis zehnmal pro Woche die Containerzüge nach Forst. Hier sind strategische Überlegungen von Geschäftsführer Noatzke, Transporte immer mehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern, bei der Entwicklung hin zu einer Unternehmensgruppe mit globalem Engagement aufgegangen. Dabei ist der Forster fest mit dem Wirtschaftsstandort Brandenburg verwurzelt. Er hat mit seiner Lion-Group Brandenburg näher an die internationalen Märkte herangebracht.

Und dennoch kam Lion-Logistik nicht umhin, noch näher an die Kunden heranzurücken, die zurzeit 80 Prozent des Umsatzes ausmachen. Dazu gehören der Bananenumschlag und vor allem ein großes Holzunternehmen. Von letzterem werden nach Angaben von Stefan Troppa 20 bis 30 Container pro Tag befüllt. Der Chef für Lkw- und Bahntransporte ist zugleich aber von den neuen Bedingungen angetan. In Forst kann bei der Zusammenstellung eines Zuges  stets nur ein Container aufgeladen werden. Immer wieder muss der Zug ein Stückchen rücken.  „Mehr Platz ist nicht“, verdeutlicht Troppa, dass immer ein Lokführer und ein Rangierer vor Ort sein müssen. In Kodersdorf bei Görlitz liege das Gleis so, dass der Zug abgestellt und dann beladen werden könne – erst bei der Abfahrt werde der Lokführer wieder gebraucht. „Wir sind deutlich effektiver“, sagt Troppa und fügt hinzu, dass pro Woche 300 Bananen-Lkw von der Bundesstraße 112 zwischen Forst und Görlitz (hin und zurück) verschwinden werden. „Weil wir auch auf diesen 80 Kilometern den Transport von der Straße auf die Schiene bringen  werden.“

Auch wenn die Planungen im Sächsischen den Start des Kodersdorfer Terminals um ein Jahr bis Dezember 2018 verzögern werden – solange, wie über bessere Bedingungen für den Bahnstandort Forst geredet wurde, kann es gar nicht dauern. Eingleisigkeit und fehlende Elektrifizierung zwischen Cottbus und Forst führt für Lion-Logistik etwa dazu, dass erhebliche  Kosten für den Einsatz einer zusätzlichen Diesellok entstehen. Hinzu komme, so Troppa, dass   Personenverkehr Vorfahrt habe. Und nicht selten würden Güterzüge aus Polen den Bahnhof Forst verstopfen. „Das macht es nicht gerade leicht, ein Logistik-Terminal weiterzuentwickeln“, sagt der Forster Wirtschaftsförderer Egbert Lamm. In Sicht sei der Fahrdraht für diese Strecke  noch immer nicht.

Für den Vize-Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus, Jens Krause, ist dennoch ein Umdenken in den Unternehmen zu erkennen, von der Straße auf die Schiene zu gehen. So wolle die BASF Schwarzheide, ebenfalls Kunde der Lion-Group, mit Gefahrgut von der Straße. Auch dränge der Mangel an Lkw-Fahrern zum Handeln. Und nicht zuletzt wolle der Bund die Trassenpreise für Gütertransporte nahezu halbieren. Das bestätigt der Spremberger SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Freese vor dem Hintergrund, „dass die Bahn zurzeit nicht wettbewerbsfähig gegenüber der Straße ist“. Deshalb zahle der Bund dem Staatsunternehmen in diesem Jahr 175 Millionen Euro und eine Jahr später 315 Millionen, um die Trassenpreise günstiger zu gestalten.

Das würde auch Lion-Logistik und einem neuen Ansatz von Sven Noatzke zugutekommen, der weiter zu seinem Forster Terminal steht. Er möchte hier Shuttle-Züge mit Lkw aus Osteuropa zusammenstellen, die Waren bis weit in den Westen liefern. Keine Rollende Landstraße, denn die Verladung soll ohne die Zugmaschine erfolgen. Eine Machbarkeitsstudie hat die Forster Wirtschaftsförderung bereits beauftragt. „Wenn dieses Konzept trägt“, erklärt Ulrich Freese, „dann werde ich erneut beim Bund für die Elektrifizierung der Strecke von Cottbus nach Forst trommeln.“

Die Forster Lion Logistik Group bringt Transporte von der Straße auf die Schiene.
Die Forster Lion Logistik Group bringt Transporte von der Straße auf die Schiene. FOTO: LR / Medienhaus Lausitzer Rundschau/C