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| 17:41 Uhr

Landesvertreterversammlung den Linken
„Gerhard Gundermann soll sich nicht im Grab umdrehen“

 Kathrin Dannenberg und Sebastian Walter sind zu Spitzenkandidaten der Linken für die Landtagswahlen 2019 gewählt worden.
Kathrin Dannenberg und Sebastian Walter sind zu Spitzenkandidaten der Linken für die Landtagswahlen 2019 gewählt worden. FOTO: dpa / Ralf Hirschberger
Wildau. Linke gehen mit Lausitzer Spitzenkandidatin in den Brandenburger Landtagswahlkampf. Von Benjamin Lassiwe

Brandenburgs Linke gehen mit der 52-jährigen Calauer Bildungspolitikerin Kathrin Dannenberg und dem 28-jährigen Eberswalder Gewerkschaftsfunktionär Sebastian Walter in das Rennen um die Landtagswahlen am 1. September 2019. Eine in Wildau tagende Landesvertreterversammlung wählte beide Kandidaten am Samstag auf die Listenplätze eins und zwei der Landesliste. Danneberg erhielt mit 97 Ja-Stimmen, zehn Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen dabei rund 89 Prozent der abgegebenen Stimmen. Walter kam auf 95 Ja-Stimmen, zwölf Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen. Dies entsprach 87,16 Prozent der Stimmen.

Vor den Delegierten sprach sich Dannenberg, die als Lehrerin einst den „Deutschen Schulpreis“ gewann und schon bei der Landtagswahl 2014 auf Listenplatz zwei für die Linke angetreten war, für ein kostenfreies Mittagessen, kostenfreie Schülerbeförderung und beitragsfreie Kitas aus: „Denn Bildung darf niemals vom Geldbeutel der Eltern abhängen.“

Zudem warnte sie vor zunehmendem Rechtspopulismus. „Wir überlassen die Lausitz nicht den Rechten, weder der AfD noch Zukunft Heimat“, sagte Dannenberg. „Gerhard Gundermann soll sich nicht im Grab umdrehen, wenn er an seine Lausitz denkt.“

Scharfe Kritik übten Dannenberg und Walter an den Lohnverhältnissen in Brandenburg. „Es gibt Dinge, die mich verdammt wütend machen“, sagte Dannenberg. Ein Drittel der Menschen lebten in Brandenburg im Niedriglohnbereich. „Und wenn du alleinerziehend bist, dann lebst du höchstwahrscheinlich in Armut – das ist doch Scheiße“, sagte Dannenberg. „Ein Mindestlohn von 9,19 Euro, davon kann doch kein Mensch leben.“

Für die übrigen Kandidaten aus der Lausitz lief die Landesvertreterversammlung dagegen eher bescheiden: Der Wirtschaftsexperte Matthias Loehr aus Cottbus kandidierte vergeblich für Listenplatz acht und trat danach nicht mehr an. Er ist nun nicht auf der Landesliste abgesichert. Der in Cottbus antretende Jusitzminister Stefan Ludwig unterlag im Duell um Listenplatz zwölf in der Stichwahl und erhielt schließlich, ebenfalls erst in der Stichwahl, Platz 14. Diana Bader aus Elbe-Elster errang Platz 19. Lediglich die Agrarpolitikerin Anke Schwarzenberg, die im Forster Wahlkreis von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) antritt und auf dem Parteitag unter anderem eine bessere Aufstellung des Landesforstbetriebs anmahnte, konnte sich auf dem aussichtsreichen Listenplatz 11 platzieren.

Politisch verzichteten die Linken am Wochenende auf eine Koalitionsaussage. „Wir führen keine Koalitionsdebatten“, sagte die Landesvorsitzende Diana Golze am Sonntag. Der zweite Spitzenkandidat Sebastian Walter betonte allerdings, dass nach dem 1. September 2019 mindestens nötig sei, „dass es ohne die Linke keine Koalition geben kann.“ Der Hauptgegner der Partei allerdings hatte am Wochenende einen Namen: Karl-Heinz Schröter (SPD). Von mindestens der Hälfte der Kandidaten wurde die am Freitag bekannt gewordene, einseitige Aufstockung des Verfassungsschutzes heftig kritisiert. Für Schröter sei es Zeit, „in Rente zu gehen“, sagte etwa Dannenberg. „Wir wollen keinen starken Staat, wie ihn die Sozen wollen – mit einem Verfassungsschutz, der uns bespitzelt und mit Ausländerbehörden, die gezwungen sind, möglichst viele Menschen in einen sicheren Tod abzuschieben.“

Und Finanzminister Christian Görke, der sich erfolgreich auf Listenplatz vier positionieren konnte, sagte zu Schröter „nur einen Satz“: „Wer meint, sich mit eigenem Landrecht über modernes Haushaltsrecht zu stellen, dem sage ich: Man sieht sich immer zweimal im Leben.“ Was durchaus eine Andeutung in Richtung des von Schröter geforderten neuen Polizeigesetzes gewesen sein konnte, an dem die Linken bekanntlich vor allem der dort geplante Einsatz eines Staatstrojaners stört.