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Sprache
Licht und Schatten beim Sorbischunterricht

ARCHIV - ILLUSTRATION - Am Niedersorbischen Gymnasium im brandenburgischen Cottbus unterrichtet die Lehrerin Carmen Schirok eine 6. Klasse in der sorbischen Sprache, aufgenommen am 14.04.2008. Foto: Patrick Pleul/dpa (zu dpa «Bundesverband plant Konferenzen zur sorbischen Sprache» vom 27.06.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
ARCHIV - ILLUSTRATION - Am Niedersorbischen Gymnasium im brandenburgischen Cottbus unterrichtet die Lehrerin Carmen Schirok eine 6. Klasse in der sorbischen Sprache, aufgenommen am 14.04.2008. Foto: Patrick Pleul/dpa (zu dpa «Bundesverband plant Konferenzen zur sorbischen Sprache» vom 27.06.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit FOTO: Patrick Pleul / dpa
Potsdam. In 23 Lausitzer Schulen wird die Sprache gelehrt. Fünf Teilnehmer muss eine Lerngruppe haben. Benjamin Lassiwe

Brandenburgs rot-rote Landesregierung hält nach wie vor an einer Mindestteilnehmerzahl für den Sorbischunterricht fest. Im Unterschied zu den ersten Entwürfen der Sorben-Wenden-Schulverordnung müssen jetzt mindestens fünf Schüler zusammenkommen, um eine Lerngruppe zu bilden.

Maximal sollte eine Schulgruppe für den Sorbischunterricht fünfzehn Schüler umfassen. Das teilte das Potsdamer Bildungsministerium in seiner Antwort auf eine Kleine Anfrage der Landtagsabgeordneten Iris Schülzke (parteilos) mit, die der RUNDSCHAU vorliegt.

In der offenbar noch von Bildungsminister Günther Baaske (SPD) freigegebenen Antwort wird darauf verwiesen, dass die Schülerzahlen für den Unterricht in der slawischen Minderheitensprache relativ gering und jährlich schwankend seien. „Es ist davon auszugehen, dass auch Einzelfallentscheidungen getroffen werden müssen, mit denen von den festgelegten Gruppengrößen abgewichen wird“, teilte das Ministerium mit.

Vorübergehend könne es sowohl zu größeren als auch kleineren Gruppengrößen kommen, etwa „wenn schulorganisatorisch ein Angebot alternativ nicht aufrechterhalten werden kann und ausreichend Lehrkräfte zur Verfügung stehen.“

Aus der Antwort auf die Anfrage geht zudem hervor, dass das staatliche Schulamt Cottbus Sorbisch zu einem „Mangelfach“ erklärt habe. Alle Bewerberinnen und Bewerber, die eine entsprechende Ausbildung vorweisen könnten, würden derzeit in den Schuldienst übernommen. „Entsprechend werden alle Referendarinnen und Referendare in die Ausbildung und später in den Schuldienst übernommen“, heißt es in der Antwort.

Derzeit wird in 23 Lausitzer Schulen Sorbischunterricht angeboten: Außer an diversen Cottbuser Schulen wird das Fach in Briesen, Burg, Jänschwalde, Vetschau, Calau, Krie-
schow, Laubsdorf, Peitz, Sellessen, Spremberg, Drebkau, Straupitz und Lieberose unterrichtet. An der Cottbuser Christoph-Kolumbus-Grundschule wurde der Unterricht dagegen wegen „mangelnder Nachfrage“ und an zwei Grundschulen in Lübbenau wegen „geringer Nachfrage“ eingestellt. Der Vorsitzende des Sorben- und Wendenrates beim Potsdamer Landtag, Torsten Mack, zeigte sich gegenüber der RUNDSCHAU enttäuscht. „Wenn an zwei Stellen von geringer Nachfrage geredet wird, konzertiere ich daraus, dass es Nachfrage gab, aber der im Schulgesetz gewährleistete Anspruch der Schüler auf Sorbischunterricht nicht gewährleistet wurde“, sagte Mack.

In Orten wie Lübbenau sei dies problematisch – wer etwa den Unterricht an einer Nachbarschule besuchen wollte, müsste ja ganz bis nach Vetschau fahren. „Ich weiß, dass in Lübbenau die Überraschung groß ist, dass dort kein Sorbischunterricht mehr angeboten wird“, sagt Mack. „Und ich erinnere an das schöne Zitat: Wenn im Kino der Film nicht gezeigt wird, gehen die Leute auch nicht hin.“ Geringe Nachfrage könne durchaus auch mit mangelndem Angebot zu tun haben. Er müsse allerdings auch festhalten, dass sich gerade die Mitarbeiter im Staatlichen Schulamt Cottbus intensiv um den Unterricht in der Minderheitensprache bemühten.

„Wir haben es geschafft, dass alle, die ihr Staatsexamen abgelegt haben, auch ins Referendariat übernommen werden“, fügte  Mack hinzu. Dies sei sehr positiv zu würdigen.

Die Landtagsabgeordnete Schülzke sprach gegenüber der RUNDSCHAU von einem weiteren „Abwimmeln der Sorben und Wenden“. Die Mindestteilnehmerzahl des Unterrichts sei weiterhin ein Problem. „Als man junge Sorbischlehrer hatte, sind die nach Sachsen abgewandert, weil man damals keine Stellen hatte“, beklagt Schülzke.

Jetzt sei nicht mehr überall abgesichert, dass Kinder, die in der Kita sorbischen Unterricht erhielten, diesen an der Schule auch fortsetzen können, fügte sie hinzu.