ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:42 Uhr

Hilfen von Bund und Ländern
Licht für Landwirte am Dürre-Horizont

Vertrocknete Maispflanzen auf einem Feld: Düster sind die Aussichten in diesem Jahr für viele deutsche Landwirte nicht nur, wenn es um die Maisernte geht. Die  anhaltende Hitze und Trockenheit haben in einigen Regionen teilweise Ernteausfälle von bis zu 30 Prozent verursacht, etwa beim Getreide.
Vertrocknete Maispflanzen auf einem Feld: Düster sind die Aussichten in diesem Jahr für viele deutsche Landwirte nicht nur, wenn es um die Maisernte geht. Die anhaltende Hitze und Trockenheit haben in einigen Regionen teilweise Ernteausfälle von bis zu 30 Prozent verursacht, etwa beim Getreide. FOTO: dpa / Ina Fassbender
 Potsdam. Brandenburgs Wirtschaftsminister Vogelsänger (SPD) begrüßt Dürrehilfen des Bundes – und startet ein eigenes Programm. Vom Bauernbund gibt es trotz allem Kritik.

Nach der Dürre des Sommers 2018 ist das Land Brandenburg auf Hilfe von außen angewiesen. „Aus Brandenburger Sicht sind die Dürreschäden und die Zahl der betroffenen Landwirte so hoch, dass wirksame Hilfen zur Selbsthilfe für unsere Bauern nicht mehr allein aus den Landeshaushalten gestemmt werden können“, sagte Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger am Mittwoch in Potsdam. Der SPD-Politiker begrüßte deswegen das von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) angekündigte, vom Bund und den Ländern gemeinsam getragene Hilfsprogramm.

Der Bund und Länder wollen sich die angekündigten Finanzhilfen jeweils zu 50 Prozent teilen. Brandenburg wird sich beim Bund für ein zügiges Verfahren einsetzen, sodass in diesem Jahr der Rahmen für die Existenzhilfen stehen kann. Da für eine Bewilligung die Jahresabschlüsse 2018 die Grundlage sind, wird das Geld jedoch erst 2019 auf den Konten der betroffenen Bauern sein.

In der Vergangenheit hatte freilich gerade das Land Brandenburg große Probleme bei der pünktlichen Auszahlung von Fördergeldern im Landwirtschaftsressort – und im RUNDSCHAU-Interview hatte Vogelsänger im Frühjahr erklärt, dass die späte Auszahlung der sogenannten Kulturlandschaftsprogramm-Prämie (Kulap) auch auf die Arbeitsbelastung seines Hauses durch die nach den Überflutungsschäden des vergangenen Jahres beschlossenen Witterungsbeihilfen zurückzuführen sei.

Bereits am Dienstag hatte das rot-rote Landeskabinett zudem beschlossen, mit eigenen Maßnahmen die Liquidität in den Betrieben zu unterstützen: Durch die Dürre geschädigte Rinder- und Schweinehalter, die mindestens 50 Prozent ihres Futters für ihre Tiere selbst erzeugen, erhalten Landeshilfen, mit denen sie Futter zukaufen können.

Dafür stehen mindestens fünf Millionen Euro aus Landesmitteln zur Verfügung. Zudem will die Landesregierung im Bundesrat durchsetzen, dass Landwirte künftig eine steuerfreie, „betriebseigene Krisenreserve“ anlegen können, um die Auswirkungen von Dürren oder Vernässungen abzumildern.

„Wir wollen ein einfaches Verfahren, damit es im Krisenfall unbürokratisch eingesetzt werden kann“, sagte Vogelsänger. Auch der Landesbauernverband, der die Ertragsausfälle durch Dürre auf etwa 371 Millionen Euro schätzt, hatte am Freitag ein entsprechendes Programm gefordert. Dagegen kritisierte der mittelständische Bauernbund die Dürrehilfen Klöckners als „Schlag ins Gesicht aller sparsam wirtschaftenden Bauernfamilien“.

„Wenn nur existenzgefährdete Betriebe nach einer speziellen Bedürftigkeitsprüfung das Geld bekommen, heißt das im Klartext, Klöckners Millionen werden von den Vollgasbetrieben des Bauernverbandes an die Banken durchgereicht“, kritisiert Bauernbund-Vorstand Jens Gerloff, Landwirt aus Teetz in der Prignitz, der auf seinen Sandböden rund 60 Prozent weniger geerntet hat und bisher trotzdem alle Rechnungen bezahlen konnte.

Wenn es eine Dürrehilfe gebe, müsse diese angesichts der flächendeckenden Schäden auch an alle Betriebe gleichermaßen ausgereicht werden, jede andere Verteilung sei Wettbewerbsverzerrung. „Es kann nicht Aufgabe des Staates sein, Unterstützung nur wenigen Landwirten zu gewähren, die in ihrer unternehmerischen Strategie auf volles Risiko gegangen sind.“