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| 17:23 Uhr

Generalsuperintendent jetzt im Ruhestand
Letzter Arbeitstag für den Lausitzer Kirchenmann

Generalsuperintendent Martin Herche jüngst beim Wendischen Gottesdienst in der Cottbuser Oberkirche. Die ehrenamtliche Arbeitsgruppe „Wendischer Gottesdienst“ ist von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg 1988 gegründet worden, nachdem engagierte wendische Christen nach 47 Jahren des Verbotes und offiziellen Desinteresses wieder begannen, Gottesdienste in der Sprache der Minderheit in der Niederlausitz zu feiern.
Generalsuperintendent Martin Herche jüngst beim Wendischen Gottesdienst in der Cottbuser Oberkirche. Die ehrenamtliche Arbeitsgruppe „Wendischer Gottesdienst“ ist von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg 1988 gegründet worden, nachdem engagierte wendische Christen nach 47 Jahren des Verbotes und offiziellen Desinteresses wieder begannen, Gottesdienste in der Sprache der Minderheit in der Niederlausitz zu feiern. FOTO: Michael Helbig
Cottbus/Görlitz. Martin Herche, Generalsuperintendent für den Sprengel Görlitz der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), ist am Sonntag in den Ruhestand gegangen. Er sagt zum Abschied: „Das wird ein großes Abenteuer.“ Von Benjamin Lassiwe

In der Lausitz ist er das Gesicht der Evangelischen Kirche. Als Prediger, aber auch als diplomatischer, zuweilen eher im Hintergrund wirkender Gesprächspartner, Vermittler und Zuhörer hat sich der Görlitzer Generalsuperintendent Martin Herche in den letzten Jahren einen Namen in der Region gemacht. Doch nun ist damit Schluss.Der Theologe Martin Herche ist am Sonntag aus Altersgründen in den Ruhestand gegangen.

Am 14. Oktober wird er in Görlitz offiziell aus seinem Amt verabschiedet, im gleichen Gottesdienst, in dem auch seine Nachfolgerin Theresa Rinecker das goldene Amtskreuz der Generalsuperintendentin erhält.

2011 war es, als Herche Nachfolger von Hans-Wilhelm Pietz und Heilgard Asmus wurde. Damals fusionierten die Kirchensprengel Cottbus und Görlitz. Und die Angst war groß: Wird der nördliche Teil der Lausitz in der Kirche künftig eine weniger bedeutsame Rolle spielen?

Martin Herche hat gezeigt, dass davon keine Rede sein kann. Vom Oderbruch bis zur tschechischen Grenze war der Theologe unterwegs, predigte in Festgottesdiensten, sprach mit den Menschen. Eines seiner Themen war dabei immer auch der „Riss“, der durch die Braunkohle in der Lausitz entstanden ist. Familien, Freundeskreise und Kirchengemeinden spaltete die Frage von Strukturwandel und Kohleausstieg. „Wir haben uns überlegt, was wir als Kirche einbringen können, was andere nicht einbringen können“, sagt Herche. In Cottbus begann daraufhin die Reihe der Gottesdienste für die Lausitz. Betriebsräte von Vattenfall und Mitglieder der Grünen Liga, Politiker und Handwerker feierten gemeinsam Gottesdienst. Menschen, die sich mit unterschiedlichen Zielen und Positionen für die Region engagierten, sangen und beteten gemeinsam. Und dann kam der Lausitzkirchentag. 2015 mietete die Kirche die Cottbuser Stadthalle. Rund 2000 Menschen kamen zusammen, sprachen auf verschiedenen Dialogpodien über die Zukunft der Region. „Wir hatten erst überlegt, ob wir so etwas überhaupt schaffen können“, sagte Herche. „Aber dann kamen immer mehr Menschen, die mitmachen wollten.“ Schließlich das von der Kirche gegründete „Zentrum für Dialog und Wandel“ und der Kampf der Kirche für die Arbeitsplätze von Siemens und Bombardier in Görlitz. Vor den Werkstoren fand ein großes Weihnachtsliedersingen statt, beim Görlitzer Kreuzweg wirkten Betriebsräte mit. Und hinter den Kulissen führte Herche viele Gespräche.

„Die Kirche ist da, wo die Menschen sind“, sagte Herche einmal in einem Interview. Dabei blieb der Generalsuperintendent bei allen Aktivitäten immer Theologe und Seelsorger, äußerte sich zwar politisch, wurde aber niemals zum Politiker. Im Gegenteil: Wer mit dem Generalsuperintendenten sprach, der konnte immer spüren, wie ihn sein christlicher Glaube durchs Leben trägt. Nun allerdings beginnt für Herche eine neue Lebensphase: „Der Ruhestand und das Ankommen dort wird ein großes Abenteuer“, sagt der Theologe, der weiter in Görlitz wohnen will. „Ich habe schließlich keine Erfahrung damit, wie das ist.“