ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:37 Uhr

Lenin-Kopf sehr gut erhalten und zum Anfassen

Arbeiter einer Spezialfirma sicherten im September bei Berlin den Kopf der Lenin-Statue.
Arbeiter einer Spezialfirma sicherten im September bei Berlin den Kopf der Lenin-Statue. FOTO: dpa
Berlin. Immer wieder tauchten Probleme auf. Doch nun ist die Schau auf der Zielgeraden. Ein Stück Berliner Geschichte soll anschaulich werden – anhand von entsorgten Denkmälern. Auch ein tonnenschwerer Lenin-Kopf wird dabei sein. Jutta Schütz

Die große Ausstellung zu Berliner Denkmälern soll voraussichtlich Ende April eröffnet werden. Dabei ist auch ein tonnenschwerer Lenin-Kopf aus Granit. "Wir zeigen etwa 100 originale Denkmäler oder Teile davon. Wie mit ihnen umgegangen wurde, sagt viel über deutsche Geschichte", sagte Museumsleiterin Andrea Theissen.

Die Dauer-Schau "Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler" in der Zitadelle Spandau will entsorgte Exponate vom 18. Jahrhundert bis zur Wiedervereinigung präsentieren. Dafür wurde in einer aufwendigen Aktion das frühere Proviantmagazin der einstigen Festung umgebaut. Insgesamt kamen rund 14 Millionen Euro von der EU und aus Lotto-Mitteln.

Um den Lenin-Kopf war lange gerungen worden. Er ist Teil eines monumentalen DDR-Denkmals aus Ost-Berlin, das nach dem Mauerfall abgebaut, in mehr als 100 Teile zerlegt und am südöstlichen Stadtrand der Hauptstadt verbuddelt worden war. In einer spektakulären Aktion wurde der dreieinhalb Tonnen schwere Granitschädel im September des Vorjahres geborgen und zur Zitadelle gebracht.

Der Kopf des russischen Revolutionärs sei gereinigt worden. "Lenin ist sehr gut erhalten und bereit für die Ausstellung", sagte Theissen. Besucher sollen ihn wie die anderen Stücke der Dauerschau anfassen können. "Wir wollen im wahrsten Sinne des Wortes deutsche Geschichte begreifbar machen." Zur Dauer-Ausstellung gehören eine interaktive Denkmalkarte sowie eine begleitende Schau mit Texten.

Der ausgegrabene Lenin-Kopf sei nicht geglättet worden. "Wir wollen ja gerade Spuren der Vergangenheit deutlich machen", so die 63-Jährige. Lenin fehlt ein Stück des linken Ohres, ebenso sind kleine Teile des Schnurrbarts weg. "Keines der Denkmäler sieht so aus wie zu seiner ursprünglichen Enthüllung."

Es gebe Figuren mit abgebrochenen Nasen und Armen, dunkel gewordenem Marmor und Rissen. Bei zwei Stelen, die einst zum Berliner Ernst-Thälmann-Monument gehörten, seien deshalb Graffitis nicht entfernt worden. Das Riesen-Denkmal aus DDR-Zeiten steht noch in Prenzlauer Berg. Drei große Hallen sind laut Theissen für Figuren der einstigen Siegesallee im Berliner Tiergarten reserviert. "Sie stehen für die Denkmalkultur des Kaiserreiches", so die Museumschefin. Nach Abbau und etlichen Umzügen waren die Standbilder jahrelang provisorisch in Kreuzberg gelagert worden.

Die 750 Meter lange Allee hatte Kaiser Wilhelm II. zwischen 1898 und 1901 anlegen lassen - mit 32 Standbildern brandenburgisch-preußischer Herrscher von Markgraf Albrecht dem Bären (um 1100 bis 1170) bis Kaiser Wilhelm I. (1797 bis 1888).

Bei der Bevölkerung stieß die Prachtallee damals auf wenig Respekt. Sie wurde auch "Puppenallee" genannt, woraus sich die Redewendung "bis in die Puppen" ableitete. Gemeint war ein nächtlicher Ausflug in den Tiergarten nach einem Lokalbesuch. In der Ausstellung soll auch ein Frühsommertag des Jahres 1907 entlang der Allee inszeniert werden.