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| 02:37 Uhr

Leidenschaftlich gegen Rechtsextremismus

Klaus Ness, hier noch am Mittwoch in der Landtagsdebatte, argumentierte engagiert gegen rechtspopulistische Auffassungen im Parlament, die dort vor allem die AfD immer wieder vorbringt.
Klaus Ness, hier noch am Mittwoch in der Landtagsdebatte, argumentierte engagiert gegen rechtspopulistische Auffassungen im Parlament, die dort vor allem die AfD immer wieder vorbringt. FOTO: dpa
Potsdam. Der SPD-Fraktionschef in Brandenburg, Klaus Ness, ist überraschend gestorben. Ness galt im Land vor allem als politischer Stratege und leidenschaftlicher Kämpfer gegen den Rechtsextremismus. Benjamin Lassiwe

Klaus Ness ist tot. Der Fraktionsvorsitzende der SPD im brandenburgischen Landtag starb am gestrigen Freitagmorgen im Alter von nur 53 Jahren in einem Potsdamer Krankenhaus. Er war am Donnerstagabend nach dem Ende der Plenarsitzung des Parlaments in Potsdam auf einem Empfang in der Landtagslobby zusammengebrochen. Zwei seiner Kollegen, die Ärzte Ursula Nonnemacher (Bündnis 90/Die Grünen) und Michael Schierack (CDU), reanimierten ihn mehrfach - am Ende waren aber alle Bemühungen der Mediziner erfolglos.

Ness galt als einer der Architekten der Potsdamer rot-roten Koalition und als einer der Vordenker der Brandenburger SPD. 1991 hatte der gebürtige Niedersachse, mit der ehemaligen Landtagsabgeordneten Martina Gregor-Ness verheiratet und zuletzt in Senftenberg lebend, eine Stelle beim Landesverband der SPD angetreten. Drei Jahre später wurde er Landesgeschäftsführer, 2006 Generalsekretär der Landes-SPD. Er organisierte Wahlkämpfe und zog im Hintergrund die Strippen. An Ness vorbei ließ sich in der Brandenburger SPD nur schwer Karriere machen. Doch auch die scharfen Angriffe auf den politischen Gegner gehörten zum Repertoire des SPD-Politikers.

Das änderte sich nicht, als er 2013 zum Fraktionsvorsitzenden im Landtag wurde. Bissige Reden waren sein Markenzeichen, besonders beim Kampf gegen den Rechtsextremismus, den Ness engagierter und schärfer als viele seiner Parlamentskollegen führte. Die 2014 in das Landesparlament eingezogene Alternative für Deutschland wurde ihm zum sprichwörtlichen braunen Tuch.

Vor allem aber war Ness ein enger Vertrauter der Ministerpräsidenten, insbesondere Matthias Platzecks. "Ich habe einen guten Freund und langjährigen politischen Weggefährten verloren", erklärte auch ein geschockter Dietmar Woidke (SPD) am gestrigen Freitag. "Ich konnte mich immer auf ihn verlassen." Der Landesvorsitzende der Linken, Finanzminister Christian Görke, würdige Ness als verlässlichen politischen Partner, als "leidenschaftlichen Verteidiger von Menschlichkeit und Demokratie und als Kämpfer gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Gewalt."

Doch auch die politischen Gegner zollten ihm Respekt. "Klaus Ness hat immer Gesicht gezeigt, auf sein Wort war Verlass", sagte der CDU-Landesvorsitzende Ingo Senftleben. Selbst AfD-Chef Alexander Gauland zeigte sich vom plötzlichen Tod von Ness betroffen: "Zugegebenermaßen hat uns die Politik in der letzten Zeit getrennt, aber das hat nichts an meiner Wertschätzung ihm gegenüber verändert", sagte Gauland.

Die Brandenburger SPD indes steht nun vor der Suche nach einem Nachfolger. Infrage kommen dafür nur die Mitglieder der Landtagsfraktion. Und von ihnen haben nur wenige die rhetorischen Qualitäten und die politische Auffassungsgabe, die für diesen Posten qualifiziert. Ralf Holzschuher etwa, der das Amt schon einmal innehatte, aber gegen die Fraktionsmehrheit an der Kreisfreiheit von Brandenburg (Havel) festhält. Mike Bischoff, der derzeit Parlamentarischer Geschäftsführer ist. Die Generalsekretärin Klara Geywitz oder der kommunalpolitische Sprecher Daniel Kurth, der auch schon stellvertretender Landesvorsitzender der SPD ist. Sie alle wären wohl in der Lage, den Posten zu besetzen und auch auszufüllen. Ersetzen allerdings können sie einen Klaus Ness noch lange nicht.