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BTU-Forschung
„Hybrid liegt voll im Trend“

Prof. Holger Seidlitz (l.) und Prof. Vesselin Michailov haben ein 2,5 Millionen Euro schweres Forschungsprojekt des Bundes an die BTU Cottbus-Senftenberg geholt.
Prof. Holger Seidlitz (l.) und Prof. Vesselin Michailov haben ein 2,5 Millionen Euro schweres Forschungsprojekt des Bundes an die BTU Cottbus-Senftenberg geholt. FOTO: Ch. Taubert / Taubert
Cottbus. Die BTU Cottbus-Senftenberg entwickelt sich zur gefragten Adresse für Leichtbau in Hybrid-Bauweise. Internationaler Workshop in Cottbus. Von Christian Taubert

Mit ihrem Zentrum für Leichtbauwerkstoffe Panta Rhei hat der Universitätsstandort Cottbus vor anderthalb Jahrzehnten die Weichen in die Zukunft gestellt. Entwicklungen in diesem Bereich ebneten den Weg zu Drittmitteln, mit denen sich ein starker Partner nicht nur für einheimische Wirtschaft etablierte. Heute werden Leichtbauwerkstücke im 3D-Drucker hergestellt – doch der metallische Leichtbau allein erweist sich für Partner im Fahrzeug- oder Flugzeugbau als ausgereizt.

„Hybrid liegt voll im Trend“, sagt Professor Holger Seidlitz vom Fachgebiet Leichtbau mit strukturierten Werkstoffen der BTU Cottbus-Senftenberg. Er ist der Experte für faserverstärkte-Kunststoffe. Deshalb hat die BTU den gebürtigen Gubener vor zwei Jahren von Chemnitz zurück nach Cottbus geholt.

Beim Leichtbauworkshop „Hybride Technologien für die Praxis“ heute und morgen im Audimax der BTU sitzen Panta Rhei mit Prof. Markus Bambach und Seidlitz in einem Boot. Sie wissen, dass Metalle und Kunststoffe von allen betrachteten Werkstoffgruppen ein sehr hohes Leichtbaupotential bieten. Der belastungsgerechte Leichtbau in Hybridbauweise führt im Maschinen- und Anlagenbau sowie in der Fahrzeugtechnik zur deutlichen Einsparung von Energie und Material. Aber es komme für Seidlitz darauf an, „den richtigen Werkstoff an der richtigen Stelle zum richtigen Preis zu haben“.

Internationale Experten aus der Forschung sowie Verbands- und Wirtschaftsvertreter kommen deshalb nach Cottbus, um erfahren, wie es um die Praxistauglichkeit der gegenwärtigen Forschungen aussieht. Denn Hybrid bedeutet nicht nur, Kunststoffe mit Metallen zu kombinieren, sie leichter und zugleich belastbarer zu machen. „Neue Werkstoffe erfordern auch neue Bauweisen“, schildert Holger Seidlitz.

Darüber wird Janina Rösch, die unter Seidlitz gerade  ihre Promotion macht, sprechen. In ihren Forschungen geht es um hybride Bauweisen in der automobilen Großserie. Übrigens ist BMW seit geraumer Zeit Kooperationspartner der Cottbuser. Hinzu kommen drei Nutzfahrzeughersteller aus Polen. Und Brandenburg-weit kann Seidlitz auf mehr als zehn Kooperationspartner verweisen, die von den Entwicklungen der BTU profitieren wollen.

Seitdem ab 2015 unter Professor Seidlitz das Fachgebiet Leichtbau mit strukturierten Werkstoffen an den Start gegangen ist, sind nach dessen Angaben bisher 4,5 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben worden. Damit konnte die Anzahl der Wissenschaftler und Mitarbeiter von fünf auf 30 erhöht werden.

Und mit einem der „Väter“ von Panta Rhei, Prof. Vesselin Michailov, ist ihm jetzt noch ein großer Wurf gelungen. Vom Bundes-Forschungsministerium haben sie den Zuschlag für ein 2,5-Millionen Projekt erhalten. Der Name „Hybrides Generieren von intrinsischen Faserverbund-Metallstruktur-Bauteilen“ ist sperrig. Doch dahinter verbergen sich Forschungen, die einen Beitrag zur Überwindung von bestehenden Prozessgrenzen leisten sollen — auf dem Weg zu robusten additiven Fertigungsverfahren (Prinzip der Schichttechnologie) sowie fasergerechten Kunststoffverarbeitungstechnologien. Mit ihnen lassen sich in kurzen Zykluszeiten hochintegrierte hybride Leichtbaukomponenten mit verbesserten Produkteigenschaften für die Praxis umsetzen.

Der BTU-Workshop bietet nicht zuletzt einen Blick in die fernere Zukunft. Ein Experte einer Istanbuler Uni wird über den Einfluss von Nanopartikeln auf Faser-Kunststoff-Verbunde sprechen. Für Seidlitz ein Vorgriff auf den „Leichtbau 4.0“: „Aber wir wollen ja Trends nach Brandenburg holen.“