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| 09:10 Uhr

Lausitz
Leere Körbe bei Pilzsammlern

Ein Mann setzt im Seewald ein Taschenmesser am Stiel eines braunen Milchlings (Lactarius) an, um diesen abzuschneiden. Nach moantelanger Trockenheit rechnen Experten in diesem Jahr mit einer schlechten Pilzernte.
Ein Mann setzt im Seewald ein Taschenmesser am Stiel eines braunen Milchlings (Lactarius) an, um diesen abzuschneiden. Nach moantelanger Trockenheit rechnen Experten in diesem Jahr mit einer schlechten Pilzernte. FOTO: dpa / Felix Kästle
Potsdam . In diesem Herbst sind die Böden in Brandenburgs Wäldern extrem trocken - und deshalb pilzarm. Pilzsammler müssen jetzt genau wissen, wo sie suchen.

In Brandenburgs Wäldern ist die Pilzernte in diesem Jahr durch die langanhaltende Trockenheit bislang nahezu ausgefallen. „Seit ich denken kann, hat es das noch nie gegeben“, sagte der Vorsitzende des Brandenburgischen Landesverbandes der Pilzsachverständigen, Wolfgang Bivour, der Deutschen Presse-Agentur. Auch der Regen vom vergangenen Wochenende hätte nicht genug Feuchtigkeit für die Pilze gebracht.

Pilzsammler in Sachsen rechnen ebenfalls mit einer mageren Ausbeute. „Der Niederschlag hat einfach gefehlt“, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Vereins der Pilzfreunde Chemnitz, Peter Welt. Auch in Dresden und in der Oberlausitz sieht es nach Angaben von Experten schlecht aus.

Den spärlichen Pilzbestand bemerkt auch der Giftnotruf der Charité Berlin. Dort seien im Vergleich zum Vorjahr nur ein Bruchteil an Notrufen mit Verdacht auf Pilzvergiftungen eingegangen, sagte die Leiterin Daniela Acquarone.

Unklar ist, ob die Trockenheit die Myzelien – die unterirdischen und kaum sichtbaren Zellfäden eines Pilzes – beschädigt hat. Aus ihnen entwickeln sich die Fruchtkörper, die als Pilze an der Erdoberfläche wachsen. Eine Schädigung könne auch die Pilzernte im kommenden Jahr dezimieren, sagte Bivour.

Wer jetzt trotzdem auf Pilzsuche gehen möchte, sollte in Nadelwäldern oder auf freiliegenden Wiesen Ausschau halten. An Kiefern könnten essbare Hallimasche, Butterpilze oder Krause Glucken wachsen. Auf Freiflächen gedeihen durch die Feuchtigkeit von Tau und Nebel verschiedene Arten von Champignons und Riesenschirmpilze. Laubwälder bieten durch ihren dichten Wuchs schlechte Bedingungen für Speisepilze.

Pilzfreunde sollten bei jedem Fund genau hinschauen: Der mitunter tödlich wirkende Grüne Knollenblätterpilz ähnelt beispielsweise einigen Champignonarten. Wer dennoch mit giftigen Pilzen in Kontakt kommt, solle Reste für die genaue Bestimmung aufbewahren und den Notruf wählen, rät Giftnotruf-Leiterin Acquarone. Eine Vergiftung äußere sich durch Magen-Darm-Beschwerden und Bewusstseinsstörungen.

Laut Wolfgang Bivour gibt es noch Hoffnung für die Pilzernte 2018, denn im vergangenen Jahr seien erst Ende September Pilze aus dem Boden geschossen und hätten den Brandenburgern eine Riesenernte bis in den November beschert. Dazu ist jetzt allerdings viel Regen und wenig Wind nötig.

(dpa/bob)