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Leag-Barbarafeier
„Barbara“ verurteilt Kohlepoker

Sie sorgten neben anderen Künstlern für eine festliche Atmosphäre bei der Leag-Barbarafeier am Montagabend in der Cottbuser Stadthalle: das Orchester Lausitzer Braunkohle. Während des Festes wurden traditionsgemäß Bilanz des Jahres gezogen und ein Ausblick auf die Zukunft gegeben.
Sie sorgten neben anderen Künstlern für eine festliche Atmosphäre bei der Leag-Barbarafeier am Montagabend in der Cottbuser Stadthalle: das Orchester Lausitzer Braunkohle. Während des Festes wurden traditionsgemäß Bilanz des Jahres gezogen und ein Ausblick auf die Zukunft gegeben. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. In der Cottbuser Stadthalle haben Lausitzer Bergleute am Montagabend ihre Schutzpatronin Barbara gefeiert. Zu der Traditionsfeier waren gleich zwei Länderchefs gekommen und die haben den Bergleuten kräftig den Rücken gestärkt. Von Christian Taubert

Noch nie waren zwei Regierungschefs gleichzeitig bei der alljährlichen Barbarafeier der Kohle- und Energiearbeiter in der Lausitz. Doch am Montagabend zeigten Brandenburgs Dietmar Woidke (SPD) und Sachsens Stanislaw Tillich (CDU) vor Hunderten  Leag-Mitarbeitern Flagge. In turbulenten Zeiten – auch wegen der geplatzten Jamaika-Sondierungen in Berlin – haben sie sich an die Seite der Lausitzer Energiewirtschaft gestellt.

An die künftige Bundesregierung gewandt forderte Woidke „bei der Umsetzung der Klimastrategie verlässliche Rahmenbedingungen für den Industriestandort Deutschland“. Er fügte hinzu, dass „wir keine Symbolpolitik brauchen, sondern eine ehrliche Diskussion um Klimaschutz und Braunkohleverstromung.“

Leag-Chef Helmar Rendez (4.v.l.) umringt von zwei Regierungschefs: Dietmar Woidke (3.v.l.) und StanislawTillich (5.v.l.).
Leag-Chef Helmar Rendez (4.v.l.) umringt von zwei Regierungschefs: Dietmar Woidke (3.v.l.) und StanislawTillich (5.v.l.). FOTO: Michael Helbig
Begleute feiern die heilige Barbara FOTO:

Mit seinem sächsischen Amtskollegen Stanislaw Tillich ist sich Woidke einig: Um Versorgungssicherheit und Wachstum in Deutschland zu gewährleisten, werde die Braunkohle als Brückentechnologie weiterhin dringend benötigt. Beide Regierungschefs erinnerten an die gemeinsamen Forderungen der Länderkabinette vom Juni in Großräschen an den Bund. Danach könnten Entscheidungen zum Ende der Braunkohlewirtschaft erst getroffen werden, wenn die Braunkohleregionen wie der Lausitz nachhaltige Zukunftsperspektiven haben. Tillich, der in der Jamaika-Sondierungskommission saß, fügte hinzu, dass oft übersehen werde, dass die Lausitz und der Osten erheblich zur Minderung der Kohlendioxid-Emissionen beigetragen haben.

Leag-Vorstandschef Helmar Rendez wird noch deutlicher. Die Energiewirtschaft habe in Sachen Klimaschutz geliefert. Sie sei die einzige Branche, die nennenswert reduziert habe. „Und wenn wir ganz genau sind“, so Rendez, dann sei das „vor allem die Stromwirtschaft in Ostdeutschland“ gewesen. Vor dem Hintergrund der Regierungsbildung in Berlin müsse jedoch zur Kenntnis genommen werden: „Die Zukunft der Lausitz wird immer mehr zum Gegenstand eines politischen Pokerspiels. Einen solchen Umgang habe die Region nicht verdient. „Wir sorgen Tag für Tag, ja sogar Sekunde für Sekunde für  Stabilität  in der Energieversorgung – und das ohne jegliche Subventionen“, betonte der Leag-Chef. „Und doch müssen wir damit rechnen, dass wir für eine verfehlte Energiepolitik weiter zur Kasse gebeten werden.“

 Das im März vorgestellte Lausitzer Revierkonzept bezeichnet der Leag-Chef als großen Meilenstein. Damit gebe es Klarheit „für unsere Planungen“, aber auch Planungssicherheit für die Region für die nächsten 25-30 Jahre. „Und wir reden dabei nicht von einem Kohleausstiegsplan“, betonte Rendez. Vielmehr gebe es viele gute Gründe, weiter laut zu sagen, „was wir hier in der Lausitz für das Land leisten“.

So sorge die Lausitzer Braunkohle für jede zehnte Kilowattstunde Strom, die in Deutschland verbraucht wird. Mit 61 Millionen Tonnen Kohleförderung und einer Stromproduktion von rund 55 Terra-Wattstunden werde konstant auf dem Niveau der Vorjahre gearbeitet. Rendez machte klar: „Unser Strom ist ein Qualitätsprodukt.“ Er sei in jeder Sekunde eines Tages zuverlässig verfügbar – auch in der vierten Woche einer hartnäckigen Dunkelflaute. Braunkohlestrom sei da, wann immer er gebraucht werde.