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| 01:28 Uhr

Lausitzer sollen Zukunft der Energieregion selbst bestimmen

Diskussionsteilnehmer (von links): Steeven Bretz (CDU), Axel Vogel (Bündnis 90/Die Grünen), Moderator Johann Legner, Martina Gregor-Ness (SPD), Thomas Domres (Linke). Foto: Wendler
Diskussionsteilnehmer (von links): Steeven Bretz (CDU), Axel Vogel (Bündnis 90/Die Grünen), Moderator Johann Legner, Martina Gregor-Ness (SPD), Thomas Domres (Linke). Foto: Wendler FOTO: Wendler
Cottbus. . Über die Zukunft der Braunkohle gehen die Ansichten auseinander. Welche Entwicklung kann da die immer noch von der Kohle geprägte Lausitz nehmen? Landtagsabgeordnete haben darauf keine Antwort parat. Von Simone Wendler

Wer sich von diesem Abend in der Cottbuser Unibibliothek einfache Antworten auf die Frage „Wie weiter mit der Energieregion Lausitz“ erhofft hatte, wurde enttäuscht. Doch solche Antworten waren auch nicht zu erwarten. Zu kompliziert sind offensichtlich die Probleme, die ineinandergreifen, wenn es darum geht, neue Arbeitsplätze in der Region zu schaffen. Das machte dieser Abend deutlich.

Ebenso die parteiübergreifende Überzeugung, dass die Lausitzer selbst bestimmen müssten, wie es mit ihrer Heimat weitergehen soll. „Sie müssen sich einig werden und dann ihre Forderungen an die Landesregierung stellen“, ermunterte Martina Gregor-Ness (SPD) die etwa 80 Zuhörer.

Gregor-Ness und Thomas Domres (Linke) vertraten die Regierungsseite, Steeven Beetz (CDU) und Axel Vogel (Bündnis 90/Grüne) die Opposition. Eingeladen hatte der Verein „Lebenswerte Lausitz e.V.“, der sich für eine nachhaltige Entwicklung der Region einsetzt. Auch wenn sich die Debatte nicht vordergründig um die mögliche Dauer der Braunkohleverstromung drehte, kam keiner daran vorbei.

Vom Tagebau in den Landtag

„Ich kann mir die Lausitz nicht ohne Kohle vorstellen“, bekannte Martina Gregor-Ness. Sie hatte 15 Jahre im Tagebau gearbeitet, bevor sie in die Politik ging. Doch umweltverträglicher müsste künftig daraus Strom gemacht werden. Der Strukturwandel sei in ihrem Heimatkreis Oberspreewald-Lausitz mit dem größten Windpark der Region und dem Rotorhersteller Vestas längst im Gange. „Trotzdem haben wir die höchste Arbeitslosigkeit nach der Uckermark.“

Der Linken-Landtagsabgeordnete Thomas Domres aus der Prignitz hatte in seiner Heimat Unterschriften für das Volksbegehren gegen neue Tagebaue gesammelt. Jetzt spricht er von Erkenntnisgewinn, seit seine Partei mitregiert. „Wir wollen Vattenfall nicht aus dem Land drängen“, sagt er. Der Energiekonzern sei auch bei erneuerbaren Energien ein wichtiger Partner.

Dass Vattenfall bei einem Strukturwandel der Region als wichtiger Partner gebraucht werde, darüber waren sich alle vier Abgeordneten einig. „Das Schlimmste wäre der schnelle Verkauf der Braunkohleindustrie durch Vattenfall“, warnte der Grüne Axel Vogel.

Entscheidung in Stockholm

Er und der CDU-Landtagsabgeordnete Steeven Bretz waren sich aber darin einig, dass die Zukunft der Lausitzer Braunkohle nicht in Cottbus oder Potsdam entschieden werde, sondern von europäischen und bundespolitischen Entscheidungen sowie der schwedischen Staatsregierung als Eigentümer von Vattenfall abhängt. „Wenn in Stockholm eine Entscheidung getroffen wird, will ich vorbereitet sein“, sagte Bretz.

Dorit Köhler von der IHK Cottbus, die unter den Zuhörern saß, beklagte, dass die Diskussion zu eng geführt werde. Wenn es um die Zukunft der Region ginge, gehörten die Brandenburgische Technische Universität in Cottbus (BTU) und die Hochschule Lausitz dazu. Neue Jobs seien vor allem aus der Entwicklung der vorhandenen Firmen zu erwarten.

Professor Wolfgang Schluchter von der BTU schlug aus dem Publikum heraus eine moderierte öffentliche Debatte über die Zukunft der Lausitz vor: „Dabei müssen dann Fakten auf den Tisch, so wie bei Stuttgart 21.“