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| 19:39 Uhr

Kohleausstieg
Lausitzer Reaktionen auf die Kohlekommission

 Andreas Stahlberg, Schenkendöbern
Andreas Stahlberg, Schenkendöbern FOTO: Roswitha Werner
Andreas Stahlberg, Schenkendöberner, Abgeordneter der Fraktion Freie Bürger im Kreistag Spree-Neiße: „Ich finde die Ergebnisse, die im Abschlussbericht der Kohlekommission zu finden sind, eher enttäuschend. Von Jan Siegel

Es ist ein schwerer Kompromiss, speziell für die Umweltverbände. Ich hätte mir für die Lausitz konkretere Umsetzungsziele gewünscht, statt nur das Enddatum 2038. Die Landesregierung hätte zum Beispiel Abstand vom Tagebau Welzow II nehmen können. Nach meinem Kenntnisstand wäre das in den Verhandlungen durchaus möglich gewesen. Oder auch, wann welcher Block abgeschaltet wird.“

Peter Hildebrandt, Hoyerswerda:

„Das Aus der Kohle kommt sowieso. Für Hoyerswerda ist das insgesamt aber beunruhigend. Rund um Cottbus werden verstärkt Forschungseinrichtungen zur alternativen Energiegewinnung angesiedelt, aber Hoyerswerda wird in dieser Hinsicht nicht mitbedacht. Alternativen müssen auch hier aufgebaut werden. Dazu ist es noch nicht zu spät.“

Reinhard Bork, Bürgermeister (parteilos) von Schleife: Für ihn ist es jetzt wieder fraglich, ob die Leag unter diesen Vorzeichen den Umsiedlungsvertrag für die Bewohner von Mühlrose unterzeichnen wird. Der Ortsteil von Trebendorf liegt im sogenannten Sonderfeld Mühlrose. Rund 200 Einwohner sind von der Umsiedlung betroffen. „Diese Bürger werden nun wieder im Ungewissen gelassen“, stellt Bork fest. Ihm komme es vor wie ein Déjà-vu. 2015 waren auch schon mal Verträge ausgehandelt und dann wurden diese nicht in Kraft gesetzt. Jetzt müssten Entscheidungen her für die Ortsentwicklung. Bork: „Für mich bleiben mehr Fragen offen, als dass es Antworten gibt.“

Martin Xyländer (28) aus Spremberg: „Die Kohle ist wichtig für Spremberg. Sie bringt viele Arbeitsplätze, die nicht einfach zu ersetzen sein werden. Für Spremberg wäre im Strukturwandel ein größerer Mix an Arbeitsmöglichkeiten wichtig. Ich habe nach 13 Jahren in der Feingießerei hier keinen neuen, passenden Job gefunden. Ich fahre jetzt täglich 65 Kilometer zu meiner neuen Arbeit und wieder zurück – die Zeit, die ich unterwegs bin, fehlt mir natürlich für meine junge Familie. Wissenschaft und Forschung in Spremberg anzusiedeln, käme der ganz jungen Generation entgegen. Aber in Spremberg einen Bundeswehrstandort neu zu entwickeln – nein, damit das wirklich Arbeitsplätze bringt, müssten wir zuerst die Wehrpflicht wieder einführen.“

Gerard Pieper aus Lübbenau arbeitete früher selbst im Braunkohlebergbau und ist heute Geschäftsführer der Pieper Innovationsgesellschaft: „Die Wirtschaft braucht langfristige, klare und verlässliche Rahmenbedingungen. In den vergangenen Jahren habe ich diese gerade in Bezug auf den Kohleausstieg vermisst, deshalb begrüße ich die nun getroffenen klaren Aussagen.“ Innovationen und neue Technologien sind für Pieper Garant für Fortschritt und zukünftigen Wohlstand. „Es reicht nicht, Entwicklungen voranzutreiben, diese müssen in den Markt gebracht und wirtschaftlich umgesetzt werden.“  Dazu brauche man meist noch mehr Kapital und gute Netzwerke. Viele gute Entwicklungen gebe es beispielsweise an und im Umfeld der BTU Cottbus-Senftenberg, diese weiterzuentwickeln und bei der Etablierung am Markt durch kluge politische Entscheidungen zu unterstützen, biete große Chancen.

Anja Heinrich, CDU-Bürgermeisterin von Elsterwerda: „Der Strukturwandel geht auch an der Stadt Elsterwerda nicht spurlos vorbei. Viele Menschen unserer Stadt und der Umgebung erarbeiteten sich ihren Lebensunterhalt und den der Familien in der Kohlebranche. Die Kompensation darf nicht nur rund um die Tagebaue erfolgen, sondern auch in unserer Region.“