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Lausitzer Pückler-Parks droht der Hitzetod

 Von der 150 Jahre alten Rotbuche nahe der Parkschmiede im Branitzer Park ist nur noch der Stumpf übrig. Die Dürre hat ihr so zugesetzt, dass sie von innen verfault ist. Vorige Woche musste sie gefällt werden.
Von der 150 Jahre alten Rotbuche nahe der Parkschmiede im Branitzer Park ist nur noch der Stumpf übrig. Die Dürre hat ihr so zugesetzt, dass sie von innen verfault ist. Vorige Woche musste sie gefällt werden. FOTO: LR / Lydia Schauff
Cottbus/Bad Muskau. Die Pücklerparks in Cottbus und Bad Muskau sind Landschafts-Kleinode und Touristenmagnete, und bedroht: die vergangenen extrem trockenen, heißen Wochen setzen den Bäumen immer mehr zu. Etliche drohen abzusterben und müssten dann gefällt werden.

Wer darauf achtet, dem fällt es deutlich ins Auge: Zwischen die grünen Äste, in die Baumkronen mischen sich immer wieder rostbraune Töne, die der Betrachter sonst eher aus dem Herbst kennt.

Es sind vertrocknete Blätter an vertrockneten Ästen von Bäumen, die von wochenlanger Hitze gebeutelt sind. „Es ist ein täglicher Kampf gegen die Trockenheit“, sagt Andreas Scheppan, Gewässerpfleger im Branitzer Pückler-Park.

Verloren hat diesen Kampf erst vor Kurzem eine etwa 150 Jahre alte Rotbuche am Wegesrand unweit der Parkschmiede. Sie musste vergangene Woche gefällt werden, weil sie im Innern völlig faul und in der Standsicherheit gefährdet war, wie Parkleiter Claudius Wecke informiert. Durch die extreme Trockenheit wurde die Buche so geschwächt, dass ein sonst nützlicher Pilz begonnen hat, den Baum zu zersetzen.

Branitzer Buchen von Krankheit befallen

Das begünstigt, dass holzbrütende Insekten sich breitmachen und den Baum weiter zerstören. Buchen seien generell sehr empfindlich gegenüber Hitze und UV-Strahlung, bekämen schnell Sonnenbrand – die Rinde platzt auf und bietet ein Einfallstor für Schädlinge – wie Holger Terno, Baumschulgärtner der Gärtnerei der Stiftung Park und Schloss Branitz, sagt.

Bezeichnet wird die Erkrankung, bei der die Buchen von innen zerfressen werden, als Buchenkomplexkrankheit. Davon betroffen sind auch weitere Rotbuchen im Park. Bereits Anfang Juli hatte der Pflanzenschutzdienst des Landes Brandenburg die Erkrankung bei weiteren Bäumen im Branitzer Park festgestellt. Parkleiter Claudius Wecke geht deshalb davon aus, dass in den kommenden Wochen wohl noch weitere Bäume gefällt werden müssen.

Mit diesem Schicksal sind die Cottbuser nicht alleine. Auch im Pückler-Park in Bad Muskau musste schon zur Säge gegriffen werden, wie Parkdirektor Cord Panning berichtet. Auch hier seien besonders alte Bäume und ganz besonders Buchen betroffen. Panning geht davon aus, dass noch weitere alte Bäume weichen müssen und mindestens eine niedrige zweistellige Zahl diesen Sommer nicht überstehen und noch aus der Landschaft verschwinden wird.

Manchmal hilft nur noch fällen

Etliche Bäume seien zudem schon durch den heißen, sehr trockenen Sommer 2018 angeschlagen und teilweise auch, etwa durch Einschusslöcher aus dem Zweiten Weltkrieg, zusätzlich vorgeschädigt. Der diesjährige Hitzesommer war dann der Todesstoß. „Vergangenes Jahr hieß es, das sei ein Jahrhundert­sommer gewesen, und jetzt geht das so weiter“, sagt Panning.

Der Juli 2019 war ausgehend von der Durchschnittstemperatur laut Klimawandeldienst Copernicus der bisher heißeste Juli seit Beginn der rund 250-jährigen Messgeschichte. Copernicus ist das Erdbeobachtungsprogramm der Europäischen Union, es stützt sich vor allem auf Satellitendaten. Laut Deutschem Wetterdienst hat die Dürre diesen Juli katastrophale Ausmaße angenommen.

Dass auch alte Bäume, die über ein ausgeprägtes, tiefes Wurzelsystem verfügen, ob des Klimas in die Knie gehen, liegt daran, dass die heißen Wochen auch den Spiegel des Grundwassers haben teilweise stark sinken lassen, sodass es mittlerweile für die Wurzeln unerreichbar ist. Es ist ein Teufelskreis und ein Ende ist nicht absehbar.

Regen wäre dringend nötig

Denn die einzige Rettung für die Rotbuchen, aber auch alle anderen von der Hitze malträtierten Bäume müsste von oben kommen, und zwar in Form von Regen. Doch um den Mangel auszugleichen, den wochenlange Trockenheit angerichtet hat, müsste es wenigstens vier Wochen durchregnen, sagte Kurt Augustin, Leiter der Abteilung Wasser und Boden im Brandenburger Umweltministerium, in einem früheren Gespräch mit der RUNDSCHAU.

Doch der so dringend herbeigesehnte Regen will einfach nicht kommen. Deshalb versuchen die zwölf Mitarbeiter vom Bereich Parkpflege mit Bewässerung, zu retten, was zu retten ist. 112 Sprenger sind im Cottbuser Pücklerpark verteilt. Diese gilt es täglich mit einem sogenannten Absperrschlüssel, einer langen Metallstange mit Griff, an- und abzustellen. Zudem müssen die Sprenger dann noch ausgerichtet werden. „Die Wiesen wässern wir schon lange nicht mehr, das wäre auch überhaupt nicht zu machen“, sagt Gewässerpfleger Andreas Scheppan.

 Andreas Scheppan, Gewässerpfleger vom Branitzer Pücklerpark, dreht an einem Absperrhahn für die Bewässerung. 112 Sprenger gibt es im Park, an 110 solcher Hähne müssen die täglich an- und ausgemacht werden. Zwölf Parkpfleger, samt Parkleiter, kümmern sich neben anderem darum.
Andreas Scheppan, Gewässerpfleger vom Branitzer Pücklerpark, dreht an einem Absperrhahn für die Bewässerung. 112 Sprenger gibt es im Park, an 110 solcher Hähne müssen die täglich an- und ausgemacht werden. Zwölf Parkpfleger, samt Parkleiter, kümmern sich neben anderem darum. FOTO: LR / Lydia Schauff

Gespeist wird die Bewässerungsanlage im Branitzer Park mit Spreewasser. Doch die Spree wird inzwischen auch nur durch Zugaben vom Spremberger Stausee vorm Trockenfallen bewahrt und im wahrsten Sinne des Wortes in Fluss gehalten.

Deshalb läuft auch die Bewässerung im Branitzer Park auf Sparflamme. Man lasse das Wasser nur noch sehr langsam durch die den Park umspannenden Gräben fließen, um das kostbare Nass solange wie möglich im Park zu halten, erklärt Scheppan. Das ist allerdings eine Gratwanderung. Fließt es zu langsam, verdunstet ein Großteil, kommt das Sauerstoffgleichgewicht in den Teichen durcheinander und die Fische könnten sterben.

Angst vor Eisenhydroxid und sinkendes Grundwasser

Dabei hat der Branitzer Park noch Glück im Unglück, kann doch für die Bewässerung auf ein unterirdisches Rohrsystem zurückgegriffen werden, das einst für die geplante Erweiterung des Tagebaus Cottbus-Nord angelegt wurde. Doch dann kam die Wende, die Tagebauerweiterung wurde gestoppt, das Bewässerungssystem blieb.

Anders ist es im Bad Muskauer Pücklerpark. Hier muss auf Grundwasser zurückgegriffen werden, doch dessen Spiegel ist auch in der Neißestadt an der Grenze zu Polen mittlerweile stark gesunken. „Die Kollegen stehen an dem einen Brunnen, den wir haben, Schlange“, sagt Holger Daetz, Betriebsleiter des Parkes und Technischer Assistent.

Bereits im Juli hat der Geschäftsführer der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau und Parkleiter Cord Panning deshalb angeregt, grundlegend darüber nachzudenken, dass auch aus dem Grenzfluss Wasser zur Bewässerung entnommen werden darf, bisher ist das nicht erlaubt. Bereits damals sagte er der RUNDSCHAU, dass hier dringend eine Entscheidung notwendig werde, da das Weiterbestehen des Muskauer Parks auf dem Spiel stehe.

Ein Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung bei der Unteren Wasserbehörde, um Oberflächenwasser aus der Hermannsneiße, die durch den Park fließt, zu entnehmen, wurde abgelehnt, wie Betriebsleiter Holger Daetz informiert.

Also müsse das Wasser weiter mühsam in Behältern vom Brunnen durch den Park transportiert werden, um Bäume und Blumen zu bewässern. Sollte das Grundwasser versiegen, dann müsste im äußersten Notfall auf Trinkwasser zurückgegriffen werden. In der Gärtnerei gebe es einen entsprechenden Anschluss. Doch das würde zu einer entsprechenden Explosion der Kosten führen. Die Frage wäre: Wer würde die übernehmen?

Andere Baumarten als mögliche Lösung

Claudius Wecke, Parkleiter und Fachbereichsleiter Parkpflege im Cottbuser Fürst-Pückler-Park, spricht mit Blick auf den Zustand der Bäume im Park von einer „prekären Lage“. Gerade die hitzesensiblen und wenig trockenheitsresistenten heimischen Arten Rotbuche und Stiel-Eiche prägen zu 90 Prozent das Bild des Parks. Das bedeutet: Die Zukunft des Parks ist bedroht, wenn sehr heiße, extrem trockene Sommer künftig Regel statt Ausnahme sind.

Auch den Potsdamer Parken Sanssouci, Babelsberg oder dem Neuen Garten hat die Dürre massiv zugesetzt. Auch der Hitzesommer 2018 hat noch Auswirkungen: 1800 Bäume sind vorgeschädigt, es gibt eine starke Totholzbildung, die Baumkronen sind vertrocknet. Das geht aus einem Beitrag der Potsdamer Neuesten Nachrichten hervor. Diesen stark angeknacksten Bäumen könnte die aktuelle Hitzeperiode den Rest geben.

So mischen sich in die aktuellen Sorgen zunehmend grundlegende Bedenken, was das Weiterbestehen nicht nur der Lausitzer, sondern aller Landschaftsparks in Deutschland betrifft. Denn die Hitze hat Parks und Wäldern bundesweit sehr stark zugesetzt.

Deshalb treibt alle Parkleiter, Landschaftspfleger und Gärtner eine Frage um: Wie geht es jetzt weiter? Die Lösungsansätze, die es dazu gibt, gehen in zwei Richtungen: künftig auf stress-resistentere, möglicherweise genetisch optimierte und/oder ausländische Baumarten setzen sowie ein überarbeitetes Entwässerungssystem, bei dem Wasser statt in die Kanalisation künftig in Parks entwässert würde.

Baumschulgärtner Holger Terno vom Branitzer Park in Cottbus sieht hier auch die Landwirtschaft in der Pflicht. Statt das Wasser einfach in Gräben zu entwässern, solle es solange wie möglich in der Landschaft gehalten werden und etwa zur Bewässerung von Wäldern genutzt werden. „Wasser ist mittlerweile ein seltenes Gut“, sagt Terno. Deshalb müsse es sparsam und so gut wie nur möglich genutzt werden.

Bei der Wandlung und Anpassung der Wälder gibt es laut des Muskauer Parkleiters Cord Panning verschiedene Varianten. So gebe es die Möglichkeit, auf andere kontinentaleuropäische, Hitze und Trockenheit gewohntere Baumarten wie etwa den ursprünglich aus den USA kommenden Trompetenbaum oder den in Griechenland oder Portugal wachsenden Zirkelbaum zu setzen.

Zudem gebe es Baumarten, die im 19. Jahrhundert nicht in Deutschland kultiviert wurden, hier aber wachsen könnten, wie etwa die Silberbuche oder die Orientbuche.

Zudem gebe es Parkgehölze, zum Beispiel aus Nordamerika, die bisher nicht erhältlich waren, zum Beispiel andere Eichen- oder Buchensorten, die aber mit heißerem, trockenerem Klima viel besser zurechtkämen. Solche Bäume würden etwa im Botanischen Garten in London wachsen. Es wäre denkbar, sich von dort Ableger zu holen und die Bäume dann in den Lausitzer Parks zu kultivieren, sagt Cord Panning.

Viele der Baumarten, die besser mit Hitze und Trockenheit zurechtkommen, haben aber das Problem, dass sie nicht so winterhart sind wie die einheimischen Gehölze, weiß Holger Terno, der Baumschulgärtner der Stiftung Schloss und Park Branitz. Da könne es dann teilweise ab minus 15 Grad problematisch werden. Allerdings: der letzte richtig kalte Winter ist auch schon lange her.

Was würde Fürst Pückler jetzt machen?

Beim Nachdenken über möglicherweise andere Baumarten für die Pücklerparks gibt es ein großes Bedenken: Wie würden andere Baumarten das Antlitz der Parks verändern? Schließlich hatte Fürst Pückler einst ein Konzept, als er seine Parks erschaffen hat.

Wenn Hermann von Pückler-Muskau noch leben würde, was würde er tun? Baumschulgärtner Holger Terno schätzt den weitgereisten Landschaftsarchitekten durchaus als experimentierfreudig ein. Möglicherweise würde Pückler heute von Reisen – zu damaligen Lebzeiten besuchte er Griechenland oder den Orient – Ableger besonderer Baumarten mitbringen, und diese hier kultivieren. Doch den Fürsten kann niemand mehr fragen, deshalb gilt es selbst Lösungen zu finden.

Im September wird sich die Arbeitsgemeinschaft der deutschen Schlösserverwaltungen auf Schloss Augustusburg in Brühl treffen, um auch darüber zu sprechen. Auch bei der Zusammenkunft des gemeinsamen internationalen Beirats für Muskau und Branitz, dem International Conservation Board (ICB), der ebenfalls im September in Bad Muskau tagt, werden der Klimawandel und die Folgen Thema sein.

Und Lösungen sind dringend nötig. Prägen heiße Dürresommer wie 2018 und 2019 künftig das deutsche Klima, steht das Überleben heimischer Bäume, und damit von Stadtbäumen- und gärten, von Wäldern und Landschaftsparks auf dem Spiel.