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| 17:05 Uhr

AfD-Landesparteitag in Rangsdorf
Lausitzer profilieren sich als Kandidaten für die Landtagswahl

 Will das Gesicht der Lausitz werden: Steffen Kubitzki, Kreisvorsitzender von Spree-Neiße.
Will das Gesicht der Lausitz werden: Steffen Kubitzki, Kreisvorsitzender von Spree-Neiße. FOTO: Steffen Kubitzki / photoart-dubrau Forst
Rangsdorf. Bei der Landtagswahl im September droht Brandenburg ein Beben: Die AfD ist aktuellen Umfragen zufolge genauso stark wie die regierende SPD. Auf dem Parteitag kämpfen auch Lausitzer AfD-Politiker um die begehrten Listenplätze für den Einzug ins Parlament.

Für die Partei geht es um viel: Brandenburgs Alternative für Deutschland (AfD) hat bei den Landtagswahlen am 1. September 2019 Umfragen zufolge gute Chancen, stärkste Kraft zu werden. Doch wer soll die Partei dann im Landtag vertreten? Um das zu klären, treffen sich an diesem Wochenende mehr als 300 Mitglieder der AfD im Rangsdorfer Seehotel. Dort wollen sie auf einer Wahlversammlung die 40 Plätze umfassende Landesliste für die Landtagswahl aufstellen. Als am Freitagabend nach möglichen Kandidaten gefragt wurde, bildete sich am Saalmikrophon eine lange Schlange: Insgesamt 87 Parteimitglieder hoffen auf einen Sitz im Landesparlament.

Seit 10 Uhr am Samstagmorgen stellen sie sich den Delegierten vor. Da jeder Bewerber rund zehn Minuten Zeit hat, um sich zu präsentieren und auf zwei geloste Fragen zu antworten, wird die Partei mehr als 14 Stunden benötigen, bis jeder Bewerber an der Reihe war. Und da die Wahlordnung der AfD keine gesonderte Wahl eines Spitzenkandidaten kennt, muss sich auch der Landes- und Fraktionschef Andreas Kalbitz dem Verfahren stellen. Bei der Auslosung der Redereihenfolge kam er auf Platz 79: Voraussichtlich am Sonntag darf er sich dem Parteitag präsentieren. Ob er am Ende Listenplatz eins erhält, ist freilich keineswegs sicher: Die AfD vergibt die Listenplätze strikt nach der Zahl der Ja-Stimmen, die die 87 Bewerber am Sonntag erhalten.

Schon am Samstag gab es für einige Kandidaten stehenden Applaus. Zum Beispiel für Lars Hühnich, den Landesgeschäftsführer. Er forderte eine Aufkündigung der Rundfunkstaatsverträge. Asylsuchende sollten in Brandenburg nur noch Sachleistungen erhalten. Die Inklusion sollte abgeschafft werden, es sollte kostenlose Kitaplätze geben, die Hürden für Volksbegehren und Volksentscheide sollten gesenkt werden. Und unter dem Jubel der Delegierten forderte er Solidarität für den in Venezuela inhaftierten Journalisten Billy Six, der unter anderem für die konservative Wochenzeitung „Junge Freiheit“ schreibt.

 Will die Brandenburger Wissenschaftsministerin Martina Münch „jagen“: die Cottbuserin Marianne Spring-Räumschüssel.
Will die Brandenburger Wissenschaftsministerin Martina Münch „jagen“: die Cottbuserin Marianne Spring-Räumschüssel. FOTO: AfD

Begeistert zeigten sich die Delegierten auch nach der Rede der gebürtigen Kurdin Leyla Bilge, die in Berlin „Frauenmärsche“ organisiert. Die zum Christentum konvertierte Kreisvorsitzende aus dem Havelland positionierte sich als Kämpferin gegen Zuwanderung und den Islam. „Mit der unkontrollierten Masseneinwanderung ist auch der tödliche Islam nach Deutschland eingewandert“, sagte Bilge. „Dieser Islam gehört nicht zu Deutschland."

Doch es war nicht nur das Flüchtlingsthema, für das es auf dem Parteitag Applaus gab. Viele Delegierte äußerten auch Kritik am Bildungssystem, an der wirtschaftlichen Situation im Land, am „Versagen der rot-roten Landesregierung“. So zum Beispiel Steffen Kubitzki, Kreisvorsitzender von Spree-Neiße. Er rief die Partei zum Zusammenhalt auf. Er sei Kraftwerksmitarbeiter, „und mich kotzt es einfach an, dass viele über Strukturwandel erzählen und noch nie im Kraftwerk waren“. Sollte er für den Potsdamer Landtag gewählt werden, wolle er dort „das Gesicht der Lausitz werden". Etwa ein Viertel des Saales applaudierte ihm stehend.

 Will das Aussterben der Städte aufhalten: der Gubener Daniel Münschke.
Will das Aussterben der Städte aufhalten: der Gubener Daniel Münschke. FOTO: LR / Silke Halpick

Ähnlich äußerte sich Marianne Spring-Räumschüssel. „Ich erzähle den Kohlekumpeln keine grünen Märchen, ich liefere ein Konzept“, sagte die Cottbuser Stadtverordnete. „Im Bundestagswahlkampf habe ich als einzige die Sonderwirtschaftszone gefordert." Als „großen Sündenfall“ der rot-roten Koalition bezeichnete sie die Fusion von BTU und Fachhochschule Lausitz. Das damit verbundene „Elend hat einen Namen: Martina Münch“, so Spring-Räumschüssel. Und unter Bezugnahme auf ein Zitat von Alexander Gauland kündigte sie an: „Frau Dr. Münch, ich werde Sie jagen.“ Statt sich um die BTU zu kümmern, setze Münch Prioritäten bei „Cottbus Nazifrei“.

Auch der Gubener Daniel Münschke hofft auf einen Platz auf der Landesliste der AfD. Er kritisierte in seiner Bewerbungsrede die wirtschaftliche Situation in früheren Industriestädten wie Guben, Schwedt oder Eisenhüttenstadt. „Während sich auf polnischer Seite immer mehr Gewerbe ansiedelt, stagniert die Wirtschaft in Guben“, sagte Münschke. „Ich werde darauf hinwirken, dass der Landtag Ideen entwickelt, um das Aussterben unserer Städte aufzuhalten."