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| 14:22 Uhr

Trotz höherem Unfallrisiko
Lausitzer fahren immer öfter unter Drogen

Ein Tütchen mit Cannabis, das bei einer Verkehrskontrolle gefunden wurde. In Südbrandenburg stellen Polizisten bei Verkehrskontrollen zunehmend Autofahrer fest, die sich nach Cannabiskonsum ans Steuer setzen. Ein Schnelltest liefert den Polizeibeamten erste Erkenntnisse.
Ein Tütchen mit Cannabis, das bei einer Verkehrskontrolle gefunden wurde. In Südbrandenburg stellen Polizisten bei Verkehrskontrollen zunehmend Autofahrer fest, die sich nach Cannabiskonsum ans Steuer setzen. Ein Schnelltest liefert den Polizeibeamten erste Erkenntnisse. FOTO: picture alliance / Uwe Zucchi/dp / Uwe Zucchi
Cottbus. Unterwegs unter Drogeneinfluss: Das wird zunehmend ein Problem bei Autofahrern in der Lausitz. Die Polizei hat darauf reagiert: Beamte sagen auf LR Online, wie sie verdächtige Fahrer und Fahrzeuge unter die Lupe nehmen. Von Bodo Baumert

Wenn André Boschan, Leiter der Verkehrspolizei in der Polizeidirektion Süd in Cottbus, zu einer Verkehrskontrolle fährt, dann weiß er, worauf er achten muss. Denn nicht nur Alkohol am Steuer ist ein Problem, mit dem Lausitzer Polizisten immer wieder konfrontiert sind. Auch Drogen sind immer häufiger im Spiel, wenn Menschen sich hinter das Steuer eines Fahrzeugs setzen. Nur ist das nicht immer so einfach zu erkennen.

„Ein Verkehrsteilnehmer, der Betäubungsmittel konsumiert hat, hat keine Fahne“, drückt es Boschan plakativ aus. Für den geübten Verkehrspolizisten gibt es dennoch eindeutige Hinweise. Ist das Auto zur Kontrolle erst einmal angehalten, geht der Blick des Beamten umgehend auf Wanderschaft.

„ Es ist ein Potpourri von Informationen, das wir in so einem Moment aufnehmen“, erklärt Thomas Förster von der Polizei-Inspektion in Schönefeld. Er ist der Experte, wenn es in der Polizeidirektion Süd um Fragen von Drogen am Steuer geht, hält zudem den Kontakt zu anderen Landespolizeien.

Zustand des Autos, Rückbank, Beifahrersitz, Zustand des Fahrers – all das und mehr kann dem Polizisten wertvolle Hinweise geben – längst nicht nur zum Thema Drogen. „Unsere Kollegen sind mit zahlreichen Verdachtsfällen und Möglichkeiten konfrontiert“, erläutert Boschan. Das reicht vom technischen Zustand des Fahrzeugs über die Fähigkeit des Fahrers, dieses zu führen, bis zu möglichen Straftaten, etwa der Frage, ob das zu kontrollierende Auto vielleicht gestohlen ist. Für die Polizisten ist es unmöglich, in all diesen Feldern Experte zu sein. Und längst nicht immer ist die Suche nach Betäubungsmitteln die oberste Priorität. Sie wird es aber zunehmend.

2017: Über 60 Verletzte bei Unfällen unter Drogen in Brandenburg

„Mir ist das Thema sehr wichtig“, sagt Boschan und verweist auf die seit Jahren hohe Zahl von Verkehrsunfällen unter Drogeneinfluss. Über 60 Verletzte gab es in Brandenburg im vergangenen Jahr bei Unfällen, in denen dem Unfallfahrer die Einnahme von Drogen nachgewiesen werden konnte.

Die Zahl der Toten durch Drogen am Steuer hat sich auf sechs verdreifracht. Die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher liegen. Den auch nach einem Unfall ist die Suche nach einem möglichen Drogenkonsum nicht immer die oberste Priorität.

Vorbeugung und Abschreckung sind deshalb wichtig. „Jeder, den wir erwischen, ist einer weniger auf der Straße“, sagt Boschan. Er und seine Kollegen wissen aber auch, dass sie sensibel vorgehen müssen. Denn bei der Kontrolle selbst können sie immer nur einen Verdacht haben. Um sicher zu sein, müssen sie den Fahrer mit zu einem Arzt nehmen – zur Blutentnahme.

Und das kann im Flächenland Brandenburg schnell mal zu einer längeren Angelegenheit werden – nicht nur für die Polizisten, die als Bearbeitungszeit für jeden Verdachtsfall inklusive der nötigen Dokumentation mindestens eine Stunde einplanen müssen – eher mehr.

„Auch für den Verdächtigen ist der Tag dann erstmal gelaufen“, sagt Boschan. Um so genauer müssen er und seine Kollegen vor Ort sein. „Unsere Trefferquote liegt mittlerweile bei annähernd 100 Prozent“, berichtet der Leiter der Verkehrspolizei.

Bei Drogenverdacht: Schnell-Test für Autofahrer

Schon die erste Kontaktaufnahme bei einer Kontrolle ist dafür wichtig. Boschan verwickelt den Autofahrer umgehend in ein Gespräch, stellt schnelle, gezielte Fragen. „Dem können Sie sich gar nicht entziehen“, berichtet er aus der Praxis. Treten mehrere Verdachtsmomente auf, bietet Boschan dem Fahrer an, einen Schnelltest vor Ort zu machen. „Das kann ja auch zur Entlastung des Fahrers dienen und wird von den meisten angenommen“, bestätigt Boschans Kollege Förster. Der Schnelltest wird mit etwas Speichel aus dem Mundraum durchgeführt und zeigt binnen Sekunden, ob Kokain, Cannabis, Amphetamine oder andere Betäubungsmittel eingenommen wurden.

Ist das der Fall, geht es weiter zur Blutprobe. Denn nur die ist beweiskräftig, um eine Ordnungswidrigkeit oder mögliche Straftat belegen zu können. Entscheidend sind dafür auch Mindestmengen der Droge, die im Körper nachgewiesen werden müssen – und da erleben manche Konsumenten eine böse Überraschung. Denn anders als bei Alkohol lässt sich bei Drogen nur sehr schwer vorhersagen, wann das Suchtmittel im Körper vollständig abgebaut ist. Das kann Tage dauern. Boschan erinnert sich an einen Fall, in dem der Autofahrer glaubhaft versichern konnte, am Sonntag einen Joint geraucht zu haben. Im Blut war das am Freitagnachmittag noch nachweisbar.

Drogen am Steuer: Diese Strafen erwarten Autofahrer

Boschan hört viel, wenn er mit den Betroffenen beim Arzt auf die Blutentnahme wartet. Manches ist wahr, manches eine Ausrede. „Nein, Passivrauchen lässt sich im Blut nicht nachweisen“, stellt er gleich mal klar. Die Lieblingsausrede – „Ich hab nur daneben gesessen, als geraucht wurde“ – hilft also niemandem.

Ist der Drogenkonsum nachgewiesen, wird dem Fahrer zunächst die Weiterfahrt untersagt. Die Strafe folgt dann erst später. Wer zum ersten Mal mit Drogen am Steuer erwischt wird, zahlt 500 Euro und bekommt zwei Punkte in Flensburg sowie einen Monat Fahrverbot. Im Wiederholungsfall sind es 1000 Euro, wieder zwei Punkte und drei Monate ohne Führerschein. Liegt eine Gefährdung des Straßenverkehrs vor, drohen die Entziehung der Fahrerlaubnis, Freiheits- oder Geldstrafen.

So wie der Autofahrer das Ergebnis seines Tests bekommt – und seine Strafe –, so erhält auch der Polizist ein Feedback des Einsatzes. „Das ist mir wichtig, denn nur so können wir die Qualität unserer Kontrollen erhöhen“, sagt Förster. Hat der Polizist mit seiner Spürnase richtiggelegen? Waren die Verdachtsmomente ausreichend für eine Blutentnahme? Mit jeder Kontrolle erlangt der Verkehrspolizist so ein Stück Sicherheit, was auch zur Erfolgsquote in Brandenburg beiträgt.

Denn längst nicht jedes Betäubungsmittel lässt sich mit den Schnelltests vor Ort nachweisen. Oft genug müssen die Beamten aufgrund ihrer Beobachtung einschätzen, ob sie nun einen Verdächtigen mit zum Arzt nehmen oder nicht. Neue psychoaktive Substanzen oder andere Rauschmittel tauchen auf dem Drogenmarkt auf. Auch sie sorgen dafür, dass der Nutzer nicht in der Lage ist, sicher am Straßenverkehr teilzunehmen.

Deshalb ist es wichtig, dass sich auch die Polizisten weiterbilden. Thomas Förster hat sich erst kürzlich mit Kollegen aus anderen Bundesländern ausgetauscht. Die Erfahrungen werden nun an die Kollegen weitergegeben. Zudem ist eine engere Zusammenarbeit mit Kollegen aus Berlin geplant.