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Starke Geschäftsfrau
Lex-Preis für „Schnuckidu“ aus Herzberg

Die Herzbergerin Mandy Berger hat mit ihrem Stoff- und Kurzwarenladen „Schnuckidu“ einen Volltreffer gelandet.
Die Herzbergerin Mandy Berger hat mit ihrem Stoff- und Kurzwarenladen „Schnuckidu“ einen Volltreffer gelandet. FOTO: Rudow
Herzberg/Weißwasser. Über einen Online-Shop hat sich Mandy Berger aus Herzberg (Elbe-Elster) zur gefragten Adresse für Stoff und Kurzwaren gemausert. Am Donnerstagabend ist ihre Geschäftsidee mit dem Lausitzer Existenzgründer-Preis 2017 (Lex) ausgezeichnet worden. Von Christian Taubert

Gerade sind 200 Stoffballen bei „Schnuckidu“ in Herzberg (Elbe-Elster) angekommen. Mandy Berger lässt sie alle nahe dem Online-Schneidetisch ablegen. Unterdessen holt die Post jene Pakete ab, die am Samstag versandfertig gepackt worden sind. „Die Post muss jetzt zweimal am Tag kommen“, sagt die Chefin des Ladens mit Online-Shop in der Herzberger Innenstadt. Ihre Geschäftsidee, Stoffe und Kurzwaren anzubieten, ist aber nicht nur in der Vorweihnachtszeit ein Renner. Seitdem Mandy Berger 2016 in die Stoffbranche eingestiegen ist, wächst die Nachfrage stetig.

Mit ihrer Geschäftsidee und vor allem der Umsetzung ihres Businessplans hat die gerade 30-jährige Herzbergerin die Jury des Lausitzer Existenzgründerpreises (Lex) 2017 überzeugt. Am Donnerstagabend nahm sie den von der Wirtschaftsinitiative Lausitz (WiL) zum 14. Mal ausgelobten ersten Preis entgegen. Und das gegen starke Konkurrenz (siehe Infobox), wie WiL-Vorsitzender Michael von Bronk bei der Ehrung der Preisträger in der Eisarena in Weißwasser betont.

Mandy Berger (l.) und ihr Herzberger Schnuckidu-Team mit Mutter Beate (r.) und der „Kreativabteilung“ Eyrin am Schneidetisch für die Online-Bestellungen.
Mandy Berger (l.) und ihr Herzberger Schnuckidu-Team mit Mutter Beate (r.) und der „Kreativabteilung“ Eyrin am Schneidetisch für die Online-Bestellungen. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau

„Schnuckidu“ – das ist für Mandy Berger jetzt in mehrfacher Hinsicht ein Glücksbringer. Denn mit dem Kosenamen für ihren Sohn hat sie sich nach dessen Geburt auf Facebook einen Namen gemacht. Zunächst fing sie in der Elternzeit an zu nähen. „Da habe ich gemerkt, dass es ein Riesenhype ist, an Stoffe und Zubehör zu gelangen.“ Im 50-Kilometer-Umkreis von Herzberg gebe es keinen Stoffladen. Mit ihrer Mutti hat die zierliche junge Frau alles Ersparte zusammengelegt und 40 Ballen Stoff gekauft. Baumwolljersey, in 40 Farben – sehr saugfähig, gut geeignet für Baby- und Kleinkinderbekleidung. Zum Erstaunen der gelernten Handelsfachwirtin war die Ware in einem Monat verkauft. „Die Nachfrage wurde sogar immer größer“, erinnert sich die „Schnuckidu“-Chefin.

Das war der Zeitpunkt, 2016 mit dem heimischen Online-Shop schnuckidu.com in ein Ladengeschäft im Zentrum von Herzberg zu ziehen. „Mutti habe ich als Erste angestellt“, sagt Mandy Berger. Heute sind es sechs Mitarbeiterinnen, die Stoffe zuschneiden, um die Pakete an die Kunden packen zu können. Zurzeit sind wieder 300 Weihnachtskalender vorbereitet und versandt worden. Ein Renner: zwölf Stoffe, dazu zwölf Mal Kordeln, Garn und Nähzubehör. „Nur bis Ende Oktober haben wir die Bestellungen entgegen genommen. Wir schaffen das sonst gar nicht bis Weihnachten“, verweist die junge Geschäftsfrau darauf, dass für die Auslieferung der 300 Kalender gerade ein Samstagsdienst eingelegt worden sei.

Wer sehen wollte, was aus den Stoffen des Weihnachtskalenders  „gezaubert“ werden kann, für den näht Eyrin zurzeit selbst entworfene Kinderkleidung. Die dreifache Mutter ist für „Schnuckidu“ die Kreativabteilung. „Nähen macht mir so viel Freude, dass ich schon mal die Uhr vergesse und bis zwei oder drei Uhr in der Nacht die Maschine surren lasse“, erzählt die Herzbergerin. Ihre Kreationen, die auch ins Schaufenster gelangen, sind nicht nur einmal von Kunden begehrt worden. „Aber die Stücke sind unverkäuflich“, sagt die Chefin. „Wir wollen nur zeigen, was aus unseren Stoffangeboten entstehen kann.“

Mandy Berger hat übrigens seit geraumer Zeit nur noch wenig mit Zuschnitt oder Packen zu tun. Die 20 bis 30 Pakete pro Tag werden von den Mitarbeiterinnen zusammengestellt. Dafür ist extra ein Online-Abteil mit Schneidetisch eingerichtet. Unterdessen kümmert sich die Chefin um die Kunden aus Wittenberg, Calau und Cottbus, aber auch aus Berlin und den alten Bundesländern.

An jenem Montag hat sie gut 400 Anfragen über Facebook, Instagram oder per E-Mail in den Postfächern. „Von mir bekommt jeder eine Antwort“, versichert Mandy Berger. Dieses Serviceverhalten hat sie bei Douglas, wo sie in Hoyerswerda eine Filiale geleitet hat, gelernt. Und jedes Paket, das den Online-Shop verlässt, wird in orangefarbenes Blumen-Seidenpapier eingewickelt mit einer schwarzen Satinschleife herum. Bei jeder Bestellung gibt es ein kleines Geschenk dazu und einen Gutschein für den nächsten Einkauf.

Allerdings sagt die junge Mutter auch, dass das Wochenende ihrem dreijährigen Sohn und dem Freund gehören. „Ich habe zu Hause kein Büro mehr und lese auch keine Kunden-Mails.“ Dennoch dürfte in den nächsten Wochen die Belastung für die junge Geschäftsfrau zunehmen. Denn sie wird die Ladenfläche verdoppeln, indem 100 Quadratmeter der ehemaligen WMF-Filiale hinzukommen: „Dafür habe ich meinen ersten Kredit aufgenommen.“ Und dann starten im Januar jene Nähkurse, für die sich Kunden aus der ganzen Region beworben haben. Der Bedarf sei immens. Bei 40 Anmeldungen hat Mandy Berger erst einmal Stopp gesagt. „Wir müssen den Ansturm ja auch bewältigen können“, sagt sie und räumt ein: „Am liebsten würde ich sofort loslegen.“

Mandy Berger gewinnt mit ihrer Geschäftsidee für das Ladengeschäft mit Online-Shop „Schnuckidu – Stoffe & Kurzwaren Herzberg/ Elster“ den Lex-Preis 2017.
Mandy Berger gewinnt mit ihrer Geschäftsidee für das Ladengeschäft mit Online-Shop „Schnuckidu – Stoffe & Kurzwaren Herzberg/ Elster“ den Lex-Preis 2017. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau