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Lausitzer Bibliotheken beklagen Sparkurs

Kerstin Preuß und Leiterin Dagmar Schierack (r.) würden gerne noch mehr Veranstaltungen in den Bibliotheken in Vetschau und Lübbenau organisieren, aber dafür fehlt ihnen die Zeit.
Kerstin Preuß und Leiterin Dagmar Schierack (r.) würden gerne noch mehr Veranstaltungen in den Bibliotheken in Vetschau und Lübbenau organisieren, aber dafür fehlt ihnen die Zeit. FOTO: M.-C. Zeidler
Cottbus. Katalogisierung, Kundenservice und die zunehmende Digitalisierung verlangen dem Bibliothekspersonal in der Lausitz immer mehr ab. Gleichzeitig wird beim Personal gespart. Die Landesbibliotheksverbände sehen einen beunruhigenden Trend. Michèle-Cathrin Zeidler / mit dpa

Die Bibliotheken in Brandenburg klagen über zu geringe Budgets und Stellenabbau. "Die angespannten Haushaltslagen der meisten Kommunen wirkten sich auf die Personalsituation aus", sagt die Vorsitzende des Landesbibliotheksverbands, Katja Richter. Derzeit seien nicht einmal 80 Prozent der Stellen mit bibliothekarischem Fachpersonal besetzt. Freiwerdende Stellen würden oft nicht entsprechend nachbesetzt.

Auch die Stadtbibliothek Senftenberg spürt diesen Trend. "Bibliotheken sind keine Pflichtaufgabe, und der Rotstift wird zuerst bei den freiwilligen Aufgaben angesetzt", weiß Kerstin Bischoff, die Leiterin der Stadtbibliothek in Senftenberg. Natürlich gab es auch an ihrem Standort Personaleinsparungen, Stellen seien ausgelaufen und die Ausbildungsplätze weggefallen. "Aktuell sind bei uns zwei Vollzeit- und zwei Teilzeitkräfte beschäftigt, im November bekommen wir eventuell weitere Unterstützung vom Bundesfreiwilligendienst", so die Leiterin weiter. Dennoch tue die Stadt viel für die Bibliothek, und auch wenn die Öffnungszeiten im vergangenen Jahr reduziert werden mussten, betont Kerstin Bischoff: "Wir können die grundsätzlichen Aufgaben dem Bürger gegenüber weiterhin wahrnehmen." Allerdings kämen die konzeptionellen Sachen und die Entwicklung von Projekten ein wenig zu kurz.

Aus Kostengründen wurden 2008 die Bibliotheken in Vetschau und Lübbenau zusammengelegt. Die Öffnungszeiten wurden gekürzt, eine Leitungsstelle gestrichen und die Arbeitsstunden der Angestellten hochgesetzt - aber beide Standorte blieben erhalten. "Vetschau ist ein Dorf, und wir sind einfach froh, dass wir nicht geschlossen wurden", sagt die Leiterin der beiden Einrichtungen, Dagmar Schierack. Zusammen kommen die Büchereien jährlich auf gut 100 000 Entleihungen und 35 000 Besucher. "Für jede Ausleihstelle sind zwei Fachkräfte vor Ort", sagt die Leiterin. Bei dieser knappen Kalkulation dürfte keiner krank werden, während die Kollegin im Urlaub ist. "Dann müssten wir das Geschlossen-Schild an die Tür hängen", so Dagmar Schierack. Weitere Kürzungen habe es seit der Zusammenlegung aber nicht mehr gegeben. "Keine Bibliothek kann sich alleine tragen, wir sind auf Unterstützung angewiesen", betont sie.

Die Sparpolitik habe sich seit der Jahrtausendwende auch auf die Fahrbibliotheken ausgewirkt, bilanziert Katja Richter, Vorsitzende des Landesbibliotheksverbands. Deren Unterhalt habe die Kreise finanziell überfordert. In Brandenburgs ländlichen Regionen gibt es laut Verband noch fünf Fahrbibliotheken. An 446 Haltepunkten in den Landkreisen Dahme-Spreewald, Elbe-Elster, Oder-Spree, Teltow-Fläming würden die Leser mit Medien und Informationen versorgt. "Die Zahl der Entleihungen, Benutzer und Besucher sind in den vergangenen drei Jahren angestiegen", sagte die Sprecherin. Allein im vergangenen Jahr hätten 23 000 Besucher 48 286-mal Bücher oder andere Medien ausgeliehen.

So wird auch das Angebot der zwei Fahrbibliotheken im Kreis Elbe-Elster stark von Leseratten genutzt. Jährlich werden vom Landkreis insgesamt 65 000 Euro in die Büchereien auf vier Rädern und die Kreisergänzungsbibliothek gesteckt. "Diese Summe ist seit vielen Jahren konstant," sagt Kulturamtsleiter Andreas Pöschl. Auch an den sechs Personalstellen werde nicht gerüttelt. "Der Landkreis trägt für Bus, Personal und Bücher zu 100 Prozent die Kosten", ergänzt der Leiter. "Wir räumen diesem Bereich einen besonderen Stellenwert ein, und daher gibt es keine Kürzungen." Große Investitionen sind dabei aber nicht möglich. "Ein Bücherbus stammt noch aus Anfang der 90er-Jahre, den müssen wir hegen und pflegen", verrät Andreas Pöschl.

Auch im sächsischen Hoyerswerda leiden die Bibliotheken unter dem Sparkurs. "Der Kostendruck ist an allen Ecken und Enden spürbar", sagt Arthur Kusber. Als Geschäftsführer von der Organisation Zoo, Kultur und Bildung Hoyerswerda teilt er jährlich 250 000 Euro zwischen der Bibliothek, der Musikschule, der Volkshochschule, dem Zoo und dem Museum auf. Zwei Stellen wurden dabei in den vergangenen sechs Jahren nicht mehr neu besetzt. Die Kürzungen gehen dabei aber nicht zulasten der Neuanschaffungen. "Um vom Land gefördert zu werden, müssen wir jährlich zwei Euro pro Einwohner in Neuanschaffungen investieren", erklärt Arthur Kusber. Sichtbar wird der Sparkurs bei der Einrichtung. "Kosten, die wir vermeiden können, vermeiden wir auch", so der Geschäftsführer. Dieses Bild lässt sich auf gesamt Sachsen ausdehnen. "Etwa jede vierte Bibliothek ist von Einsparungen betroffen oder davon bedroht", sagt der Geschäftsführer vom sächsischen Bibliotheksverband, Arend Flemming. "Um jede Mitarbeiterstelle muss hart gerungen werden." Zwar sei das dichte Netz öffentlicher Bibliotheken in Sachsen bundesweit nahezu einzigartig. "Es muss aber auch angemessen unterhalten werden", mahnt Flemming.

Zum Thema:
Rund um den "Tag der Bibliotheken" haben in dieser Woche zahlreiche Veranstaltungen in den Bücherstuben der Region stattgefunden. Einige wird es auch noch heute und morgen geben. So können sich Besucher heute Abend in der gemeinsamen Bibliothek Lübbenau-Vetschau über zwei heitere Abendveranstaltungen freuen.