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| 18:15 Uhr

Lausitzer diskutieren Auflagen für Investoren
Bauherren beklagen Kosten für Denkmalschutz

Der bei Bauarbeiten in der Cottbuser Innenstadt entdeckte mittelalterliche Brennofen hat die Diskussion um den Denkmalschutz neu entfacht.
Der bei Bauarbeiten in der Cottbuser Innenstadt entdeckte mittelalterliche Brennofen hat die Diskussion um den Denkmalschutz neu entfacht. FOTO: Landesamt für Denkmalschutz
Cottbus. Die bodenarchäologische Baubegleitung in den Innenstädten ist eine große Last. Investoren sehen sich stärker vom Staat geschröpft als der Lausitzer Bergbau. Von Kathleen Weser

Der Sensationsfund von Cottbus, ein Ziegelbrennofen aus dem späten Mittelalter, wird wieder in der Erde versenkt. Der Bauherr des Wohnhauses, auf dessen Baugrund der Brennofen gefunden worden ist, muss den Plan vom Kellergeschoss begraben. Zu eigenen Lasten verpflichtet das Brandenburgische Denkmalschutzgesetz jeden Investor zum Erhalt der historischen Funde  aus der bodenarchäologischen Baubegleitung. Der Brennofen wird in der Tiefe konserviert und abgedeckt.

Auch an der Senftenberger Töpfergasse wächst ein neues Wohnhaus in die Höhe. Bauherr Lutz Köhler musste hier im Bereich der historischen Stadtbefestigung ebenfalls Kraft des Gesetzes die Experten in der Tiefe graben lassen und das Untersuchungsfeld für die Nachwelt in Flies einpacken. Für den bekennend an der Geschichte interessierten Investor ist die Arbeit der Archäologen spannend und frustrierend zugleich gewesen. Dass hier Scherben und anderes Tonzeug erwartet werden durften, liegt schon in der Historie des Ortes. In der unmittelbaren Nachbarschaft ist in jüngster Zeit auch schon kräftig gebaut und damit ebenso geforscht worden. Köhler musste trotzdem nochmal ran.

Trotz zügiger Arbeit der Bodenarchäologen haben die Kosten dem Bauherren kräftig ins Kontor geschlagen. Die Pflichtausgabe, die in voruntersuchten Bereichen alle Investoren gleichermaßen trifft, entsprach hier etwa dem Wert eines gut ausgestatteten Kleinwagens. Ein Bagger und dessen Fahrer waren vorzuhalten. Die Arbeitsmaschine stand während der Arbeiten mehr still, als sie auf ausdrücklichen Bedarf der Archäologen ins Erdreich greifen durfte. Und: „Die Dokumentation erfolgt trotz inzwischen bester Kameratechnik noch immer nach der alten Methode mit dem Bleistift auf dem Skizzenblock“, erzählt Lutz Köhler. Das habe viel Zeit und Geld gekostet und wirke preistreibend im Mietwohnungsbau.

„Die Historie zu erforschen und für die Nachwelt zu bewahren, ist eine feine Sache“, sagt er. „Aber diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe sollte auch von der Gemeinschaft getragen und nicht einseitig auf die Bauherren abgewälzt werden“, fordert der Senftenberger Bauherr, der diese Kosten am Ende nicht auf Dritte umlegen kann.

Gewaltige Grabungsfelder eröffnet  auch die Lausitz Energie Kraftwerke Aktiengesellschaft (Leag) in den Tagebauen Jänschwalde und Welzow-Süd – hier an der Zuckerstraße. Das bergbautreibende Unternehmen hat Anfang dieses Jahres mit dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum einen neuen Vertrag zur Sicherung von Bodendenkmalen in beiden Braunkohletagebauen geschlossen. Die Leag komme damit den Verpflichtungen nach dem Brandenburgischen Denkmalschutzgesetz nach. „Damit ist es möglich, 2018 mehrere Archäologenteams und die erforderliche Technik zur Freilegung der Bodendenkmale einzusetzen“, ist die frohe Botschaft durch beide Vertragspartner verbreitet worden. Von jeder Ausgrabung sind auch hier die Funde zu inventarisieren, eine Dokumentation und ein wissenschaftlicher Bericht zu erstellen. „Auch dafür stehen im Vertrag Mittel zur Verfügung“, haben Leag und Landesdenkmalamt bestätigt. Über die Summe ist indes Stillschweigen vereinbart worden. Steuergelder fließen für Ausgrabungen und Dokumentation nicht, betont Dr. Christof Krauskopf vom Landesamt. Landesmittel sind indes eingesetzt worden, um gefährdete Bodendenkmale in den Vorfeldern der Braunkohletagebaue zu erkunden, sagt Dr. Eberhard Bönisch, Referatsleiter Braunkohlearchäologie.