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Lausitzer auch bei den Grünen im Aufwind

Die Brandenburger Grünen ziehen mit Ursula Nonnemacher und Axel Vogel an der Spitze in die Landtagswahl.
Die Brandenburger Grünen ziehen mit Ursula Nonnemacher und Axel Vogel an der Spitze in die Landtagswahl. FOTO: dpa
Strausberg. Die Innenexpertin Ursula Nonnemacher und der Fraktionsvorsitzende Axel Vogel sind die Spitzenkandidaten von Bündnis 90/Die Grünen bei den Landtagswahlen. Die Landesdelegiertenkonferenz wählte die beiden Landtagsabgeordneten am Sonntag auf die Plätze eins und zwei der Landesliste. Die Bildungsexpertin Marie-Luise von Halem wurde von den Delegierten anschließend auf Listenplatz drei gewählt. Benjamin Lassiwe

Vor den 100 Delegierten der in Brandenburg derzeit 996 Mitglieder zählenden Umweltpartei hatte Nonnemacher in einer kämpferischen, pointierten Rede die Arbeit der rot-roten Regierungskoalition scharf kritisiert. Brandenburg werde "seit einer gefühlten Ewigkeit von Sozialdemokraten geprägt: Mittelmaß und Ernüchterung wurden uns zuteil." Die 56-jährige Medizinerin, die vor ihrer politischen Karriere unter anderem als Notärztin auf einem Berliner Rettungswagen im Einsatz war, warf der Landesregierung ein "grandioses Scheitern beim Aufbau eines nachhaltigen, sozialen Arbeitsmarktes" vor, und kritisierte, dass sich Brandenburg zu einem "Eldorado für Hähnchenmäster und Schweinebarone" entwickle. Im Wahlkampf wolle man klarmachen, dass "starke Grüne einen Mehrwert für Brandenburg darstellen", so Nonnemacher. "Für uns ist Opposition nicht Mist, sondern wir gestalten auch aus der Opposition." Außerdem könne die Partei nicht vergessen, dass Horno einst das letzte abgebaggerte Dorf sein sollte.

Stopp der Massentierhaltung

Der Fraktionsvorsitzende Vogel sprach sich ebenfalls für einen Stopp der Massentierhaltung aus, und forderte eine Willkommenskultur für Zuwanderer. Den Flughafen BER nannte er eine "Tragikomödie, ein Bild krassesten Politikerversagens" und sprach sich entsprechend des am Samstag verabschiedeten Wahlprogramms seiner Partei für einen Stopp des Braunkohlentagebaus in der Lausitz ab dem Jahr 2030 aus. Als Wahlziel der Grünen gab Vogel den Wiedereinzug in den Landtag und das Erreichen von mehr als sechs Prozent der Wählerstimmen aus. 2009 waren die Grünen mit 5,7 Prozent und fünf Abgeordneten in den Landtag eingezogen.

Über Zukunft der Lausitz reden

Doch sollte die Umweltpartei im Herbst die Fünfprozent-Hürde nehmen, werden zwei Lausitzer Kandidaten sicher im neuen Landtag sitzen: Der aus Schönwalde (Spreewald) stammende Landesvorsitzende Benjamin Raschke wurde von den Delegierten auf Listenplatz vier gewählt. Und die in Cottbus antretende, 38-jährige Mitarbeiterin der Berliner Abgeordnetenhausfraktion, Heide Schinowsky, erhielt den sicheren Listenplatz fünf. Gegenüber der RUNDSCHAU plädierte sie für eine stärkere Debatte über die Zukunft der Lausitz. "Wir müssen endlich überlegen, wie es nach der Braunkohle hier weitergehen soll", sagte Schinowsky. "Denn dabei geht es um die Zukunft der ganzen Region."

Raschke hatte zuvor eine rhetorische Meisterleistung abgeliefert: Mit einer Rede, die seinen Weg durch die Partei im Stil einer Liebeserklärung an eine Partnerin beschrieb, eroberte er die Herzen der Delegierten - und verdrängte den Landtagsabgeordneten Michael Jungclaus auf Listenplatz sechs. Politisch sprach er sich für einen Ausbau der ökologischen Landwirtschaft aus: "Wenn wir hier im Land Brandenburg die Landwirtschaft nicht grün machen, können wir den Rest vergessen", sagte Raschke. Gegenüber der RUNDSCHAU sprach er sich für ein besseres Miteinander von Naturschutz und Landwirtschaft und eine bessere Kooperation mit den Bauernverbänden aus. "Wir schaffen die ökologische Landwirtschaft nicht gegen die Bauern", sagte Raschke.

Der im Wahlkreis von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) in Spree-Neiße antretende Leiter des Naturparks Schlaubetal, Wolfgang Renner, hatte dagegen kein Glück bei den Delegierten. Trotz einer kämpferischen Rede, in der er gegen die Fortsetzung des Braunkohletagebaus und den Einfluss der Industriegewerkschaft Bergbau-Chemie-Energie wetterte, landete am Ende auf dem wenig aussichtsreichen zehnten Platz. Doch mit der Wahl der Lausitzer auf sichere Listenplätze brach die Umweltpartei zumindest nach außen mit dem Klischee, nur im Berliner Speckgürtel stark zu sein. Ein Blick auf die Mitgliederzahlen relativiert das freilich wieder: Denn mit nur 27 Mitgliedern in Cottbus, 13 in Elbe-Elster und gerade einmal zehn in Oberspreewald-Lausitz fehlt es den Grünen in der Fläche weiter an Substanz.