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| 02:54 Uhr

Lausitz will in den "vordringlichen Bedarf plus"

Auf drei Spuren der Bundesstraße 87 von Frankfurt (Oder) über Lübben und Herzberg ins sächsische Leipzig – das fordert die Lausitz von Bund und Land Brandenburg.
Auf drei Spuren der Bundesstraße 87 von Frankfurt (Oder) über Lübben und Herzberg ins sächsische Leipzig – das fordert die Lausitz von Bund und Land Brandenburg. FOTO: ihk
Cottbus. Die Lausitz verschafft sich zum Jahresabschluss noch einmal Gehör. An Bund und Land Brandenburg geht die Mahnung, wichtige Infrastrukturprojekte in der Region weiter zu verfolgen. Denn 2015 will Berlin die Grundkonzeption des Bundesverkehrswegeplanes bis 2030 erarbeiten. Vier Lausitzer Projekte sollen dabei in die Kategorie "vordringlicher Bedarf plus". Christian Taubert

Wenn es um den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur in der Lausitz geht, ist sich die Region einig: Leistungsfähige Verkehrswege sind das Rückgrat eines starken und dynamischen Wirtschaftsstandortes. Der Geschäftsführer der Energieregion Lausitz-Spreewald Norman Müller fügt zu, "dass die Straßeninfrastruktur zentrale Voraussetzung für Wachstum und Beschäftigung ist".

Deshalb haben 21 Landräte, Amtsdirektoren und Bürgermeister die von IHK Cottbus und Energieregion erarbeitete Resolution mit Anschreiben an Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) unterzeichnet. Ihnen geht es darum, dass das Land jene vier Südbrandenburger Trassen aus dem Bedarfsplan Bundesfernstraßen 2004 auch für den neuen Bundesverkehrswegeplan anmeldet. Wie der Sprecher des Potsdamer Infrastrukturministeriums, Steffen Streu, gegenüber der RUNDSCHAU bestätigt, seien sowohl der Ausbau der B 87, der B 169, der B 101 und der B 112n sowie die Ortsumfahrung Cottbus zu berücksichtigen. Jetzt müsse das Land auf die Einordnung dieser Vorhaben durch den Bund warten, ehe Ende 2015 mit einer neuerlichen Anhörung der Länder zu rechnen sei.

Der Ausbau der Bundesstraße 87: Für die IHK Cottbus geht an diesem Projekt kein Weg vorbei. In einer bereits 2010 vorgestellten Studie zu den Verkehrsstrompotenzialen dieser Trasse von Frankfurt (Oder) über Lübben, Herzberg und Torgau nach Leipzig kommen die Autoren zu dem Schluss, dass ein dreispuriger Ausbau zwingend ist. "Zwei Spuren bringen gar nichts", verweist die stellvertretende Leiterin des Geschäftsbereiches Wirtschaft der IHK Cottbus, Katrin Erb, auf die Bedeutung dieser auch als Autobahn 16 angedachten Trasse.

"Eine dreispurige B 87 würde vier stark befahrene Autobahnen entlasten", erläutert Erb. Denn aus Polen kommende Verkehre könnten dann auf dem Weg nach Sachsen die A 12, den südlichen Berliner Ring A 10, die A 13 und die A 9 meiden. Hinzu komme, so die IHK-Expertin, dass die Elbe-Elster-Region endlich eine schnelle Autobahnanbindung erhalten würde. Zudem sei es hoffnungsvoll, dass Brandenburg den für die B 87 dringend notwendigen Ortsumfahrungen von Lübben und Herzberg wieder höchste Priorität gegeben hat. "Wenn man bedenkt, dass es nach fast drei Jahren noch keinen konkreten Planungsfortschritt bei der Ortsumfahrung Lübben gibt, dann war dieser Schritt überfällig", betont Katrin Erb.

Die Ortsumfahrung Cottbus: Im Gefüge der zu realisierenden Ortsumfahrungen Lübben und Herzberg sowie den ebenfalls an der B 87 liegenden Löhsten, Klochau, Schlieben, Naundorf, Hohenbucko, Langengrassau und Leibchel besitzt die Vollendung der Umfahrung von Cottbus für die Region besondere Bedeutung. Sie soll den innerstädtischen Verkehrsfluss in der Nord-Süd-Achse deutlich entlasten. Wirksam werden die Potenziale allerdings erst, wenn auch der zweite und dritte Verkehrsabschnitt mit neuen Autobahnanschlussstellen und der Anbindung der B 97 südlich von Cottbus umgesetzt werden.

Ausbau der LeiLa-Süd: Die B 169 und die B 101 zählen zu den wichtigsten Straßenverbindungen zwischen Cottbus, Senftenberg und der Landesgrenze zu Sachsen. LeiLa-Süd (Leipzig-Lausitz) tangiert die Wirtschaftszentren Südbrandenburgs und ist unentbehrlicher Zubringer zu den Autobahnen. Ziel auch des Landes ist eine ortsdurchfahrtfreie Streckenführung der B 169. Die neuralgischen Punkte der Ortsdurchfahrten Allmosen und Klein Oßnig mit Tempo-30-Zonen sind nach Auffassung der Unterzeichner der Resolution für eine Bundesfernstraße nicht länger hinnehmbar. Deshalb besitzen die Ortsumfahrungen hier ebenso hohe Dringlichkeit wie an der B 101 um Herzberg, Elsterwerda und Bad Liebenwerda. In den "vordringlichen Bedarf plus" zu kommen, wäre für Herzbergs Bürgermeister Michael Oecknigk (CDU) endlich ein Schritt vorwärts. Welcher Investor wolle schon ein bis zwei Stunden fahren müssen, um zur nächsten Autobahnanbindung zu gelangen?, lenkt er auf die Schlüsselfrage.

Ortsumfahrung Forst/Lausitz B 112n: Der Kreissitz von Spree-Neiße, die Stadt Forst, gilt als Scharnier zwischen den Wirtschaftsregionen im Westen sowie den Wachstumsmärkten im Osten Europas - und als einer der wichtigsten Logistikstandorte Brandenburgs. Während die Neiße-Brücke Forst-Zasieki und die Nordumfahrung umgesetzt sind, fehlt die Ortsumfahrung auf der B 112n. Damit ist der grenzüberschreitende Warenverkehr zurzeit auf 3,5 Tonnen beschränkt. Die Umfahrung würde es ermöglichen, größere Lasten in kürzerer Fahrzeit zu transportieren. Der Appell des Forster Bürgermeisters Jürgen Goldschmidt (FDP) an Bund und Land: "Forst hat gute Chancen. Aber Wirtschaft braucht Logistik und Logistik braucht Infrastruktur".