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Lausitz sucht den Wintertouristen

Die zugefrorenen Spreewaldfließe, wie hier zwischen Lehde und Lübbenau, locken im Winter Tausende Besucher in den Spreewald. Tourismusexperten sind der Meinung, dass es weitaus mehr Urlaubsangebote für die Jahreszeit in der Lausitz geben sollte.
Die zugefrorenen Spreewaldfließe, wie hier zwischen Lehde und Lübbenau, locken im Winter Tausende Besucher in den Spreewald. Tourismusexperten sind der Meinung, dass es weitaus mehr Urlaubsangebote für die Jahreszeit in der Lausitz geben sollte. FOTO: Mario Behnke
Spreewald. Dem Tourismus in der Lausitz geht es gut. Besonders der Spreewald gilt als eines der beliebtesten Reiseziele Ostdeutschlands. Doch kommen Touristen auch zur kalten Jahreszeit in die Region, wenn am Fließ nicht die Spreewaldgurken in den Kahn gereicht werden? Daniel Friedrich

Der Winter ist die Ruhezeit im Spreewald. Der Schnee auf den Feldern dämpft die Geräusche, den Paddlern ist es zu kalt, und die meisten Restaurants haben Betriebspause. Nur ein paar mutige Schlittschuhläufer drehen ihre Runden auf den überfrorenen Wiesen. Wenn es nach den Touristikern geht, könnte das gerne anders sein. Aus wirtschaftlicher Sicht nämlich sind die touristischen Angebote zur Winterzeit in der Lausitz noch ausbaufähig, findet Birgit Kinkel vom Tourismusmarketing Brandenburg: "In der Wintersaison steckt viel Wachstumspotenzial, das es auszuschöpfen gilt. Das betrifft zum Beispiel die Auslastung der Übernachtungsplätze." Denn wer das ganze Jahr über Gäste in seinem Hotel begrüßen kann, der ist auch als Arbeitgeber attraktiv für Fachkräfte. Gut aufgestellt sieht sie den Spreewald: "Infrastruktur, Hotels mit Wellnessbereich und zahlreiche Bäder und Thermen laden dazu ein, einen Tag bei schlechtem Wetter drinnen zu verbringen." So seien für immer mehr Gäste die Urlaubsziele in der Region eine echte Alternative zu den klassischen Winterdestinationen im Gebirge - wenn dort der Schnee fehle.

Bei gutem Wetter lädt ohnehin die Natur zu einem Spaziergang oder einer Kahnfahrt ein. Seit vielen Jahren führen die Kahnfährgenossenschaft Lübbenau und einige private Anbieter bereits Winterkahnfahrten mit Wolldecken und Glühwein durch. Hinzu kommen an zwei Wochenenden im Dezember die Fahrten zum Weihnachtsmarkt nach Lehde. Letzteres Angebot nahmen 2016 über 10 000 Gäste wahr. "Deshalb ist wichtig, den Sommertouristen zu sagen: Wir haben auch im Winter geöffnet!", sagt Birgit Kinkel.

Seenland: "Da geht noch was"

Potenziale, das bestehende Angebot auszubauen, sieht die Tourismusbranche auch im Lausitzer Seenland. Zwar gebe es bereits ein vielseitiges Angebot - von geführten Tagebautouren im Mannschafts-Transportwagen bis zu Museumsausstellungen im Senftenberger Schloss -, doch "da geht noch was", meint Katja Wersch vom Tourismusverband Lausitzer Seenland: "Wir sind sehr daran interessiert, die Saison im Frühjahr und Herbst zu verlängern. Dies ist uns beispielsweise schon durch die Etablierung der Seenlandtage Mitte April gelungen." Dennoch sei im Sommer die touristische Nachfrage am stärksten. "Das liegt vor allem an den vielen Familien, die an den Seen Aktivurlaub erleben wollen. Baden gehen, Rad fahren und Zelten ist bei Kindern natürlich sehr beliebt."

Im Winter liege der Schwerpunkt dagegen eher auf Ruhe und Erholung. Für entsprechende Angebote wie "Abende am Kamin oder in der Sauna" müssten die Vermieter noch mehr sensibilisiert werden, wünscht sich Katja Wersch.

Hotelaktion trägt Früchte

Erfahrungsgemäß kämen die Winterbesucher aus den angrenzenden Bundesländern in die Lausitz, weiß Birgit Kinkel vom Tourismusmarketing Brandenburg. "Berliner, Sachsen, Niedersachsen, aber auch Polen und Tschechen, die nicht länger als drei Stunden für die Anfahrt benötigen, gehören zu unseren Hauptgästen. Meist bleiben sie bis zu drei Nächte hier." Speziell für diese Kurzreisenden bieten die Brandenburger Touristiker seit 1998 die Aktion "Winterliches Brandenburg" an. Hierbei laden rund 75 Hotelpartner mit drei oder vier Sternen die Gäste zu günstigen Konditionen zu sich ein. Der Spreewald ist besonders stark vertreten. Die Übernachtungszahlen deuten darauf hin, dass sich diese Mühen lohnen: Zählte Brandenburg in der Wintersaison 2003/2004 von Dezember bis März 1,7 Millionen Übernachtungen, so waren es in der Wintersaison 2015/2016 rund 2,6 Millionen.

Winterliche Ausflugstipps

in Ihrer Nähe finden Sie unter www.urlaubsreich-magazin.de .

Zum Thema:
Welche Rolle spielt der ganzjährige Tourismus im Spreewald? Wo sind die Grenzen des Wachstums? Darüber diskutieren Jan Siegel (RUNDSCHAU) und Jan Vesper (radioeins) mit Tourismusmanagern, Naturschützern und Gastronomen am Donnerstagabend live in Lübbenau. Rundschau- und radioeins-Spezial : 26. Januar von 19 bis 20 Uhr aus dem Restaurant "Zum grünen Strand der Spree", am Hafen Lübbenau. Die Sendung ist öffentlich und live zu hören auf der radioeins-Frequenz 95,1 MHz.