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Langfristkonzept gegen braune Spree

2014 war die Spree an der Ruhlmühle (Niederschlesischer Oberlausitzkreis) kaffeebraun.
2014 war die Spree an der Ruhlmühle (Niederschlesischer Oberlausitzkreis) kaffeebraun. FOTO: Preikschat
Cottbus. Die Eisenockerbelastung der Spree wurde durch viele Maßnahmen messbar zurückgedrängt. Ende April soll der Entwurf eines Gesamtkonzeptes für den längerfristigen Umgang mit Eisen und Sulfat vorgelegt werden. Simone Wendler

Die Belastung der Spree mit Eisenocker und Sulfat wird die Lausitz noch viele Jahre beschäftigen. Das machten am Donnerstag Berichte der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) und des Brandenburger Landesbergamtes vor dem Braunkohlenausschuss in Cottbus deutlich.

Uwe Neumann vom Landesbergamt kündigte an, dass noch im April der Entwurf eines Gesamtkonzeptes für den längerfristigen Umgang mit Eisen und Sulfat in der Spree vorgelegt wird. Der Brandenburger Landtag hatte die Entwicklung eines solchen Konzeptes beschlossen.

Neumann betonte, dass bei der Entwicklung des Konzeptes auch eine enge Zusammenarbeit mit Sachsen und Berlin angestrebt werde. Ein wichtiger und vermutlich auch mit Umwelt- und Naturschutzverbänden strittiger Punkt der Strategie wird vermutlich der angestrebte Zielwert beim Sulfatgehalt der Spree. Dieser Zielwert müsste realistisch sein, so Neumann, und den natürlichen Sulfatgehalt der Böden in der Region berücksichtigen.

Mit Blick auf die bereits erzielten Erfolge bei der Verringerung der Spreebelastung mit Ocker und Sulfat sagte er: "Wir gehen davon aus, dass die bereits begonnenen Maßnahmen nicht ausreichen werden." Teil der Gesamtstrategie, die beim Landesbergamt erarbeitet wird, ist ein Sulfatprognose-Modell. Das soll helfen, durch besseres Wassermanagement Verdünnungseffekte zu erzielen.

Eisenhydroxid, "Ocker" genannt, und Sulfat entstehen durch Verwitterung eisenhaltiger Mineralien in Kippenböden und werden bei aufsteigendem Grundwasser ausgespült. Sulfat gelangt jedoch auch aus dem aktiven Bergbau in die Spree. Eisenocker färbt das Wasser ab einer bestimmten Konzentration braun. Ocker und Sulfat belasten Tier- und Pflanzenwelt.

Die LMBV sieht sich seit einigen Jahren durch den schnellen Grundwasserwiederanstieg in mit einer hohen Eisenockerbelastung der Spree aus den Altbergbau-Sanierungsgebieten konfrontiert. Eckhard Scholz, Bereichsleiter Technik der LMBV, berichtete dem Braunkohlenausschuss über die Wirksamkeit bisheriger Gegenmaßnahmen des Sanierungsunternehmens.

Durch die Grubenwasserreinigungsanlage und ein Absatzbecken bei Vetschau sei der Zustrom von Eisen aus dem benachbarten Sanierungsgebiet in den Spreewald deutlich reduziert worden. Auch die Behandlung des Schlabendorfer Sees habe dazu geführt, dass von dort viel weniger Eisen in Richtung Spreewald gelangt.

In einigen Spreezuflüssen sei dadurch insgesamt der Eisengehalt von rund 40 Milligramm pro Liter auf zwei bis drei Milligramm zurückgegangen. Außerdem seien 87 000 Kubikmeter abgesetzter Ockerschlamm bei der Beräumung von 47 Kilometern Spreewaldfließ entfernt worden.

Scholz verwies auch auf Erfolge durch verschiedene Maßnahmen oberhalb der Talsperre Spremberg. Die Vorsperre funktioniere dort als "Eisenfalle" durch Ausflockung von Eisenocker. "Am Pegel Bräsinchen wurde die Sichtbarkeitsschwelle nicht mehr überschritten", so Scholz.

Auch von der "Spreewitzer Rinne", einer geologischen Formation auf sächsischer Seite der Landesgrenze, konnte Scholz Erfolge vermelden. Dort gelangt durch geologische Besonderheiten besonders viel Eisen aus Kippenböden in die Spree. Die LMBV errichtet deshalb dort einen Brunnenriegel, der hochbelastetes Wasser zum Speicherbecken Lohsa II ableiten wird. Außerdem sollen bis 2019 zwei weitere mobile Wasseraufbereitungsanlagen zum Einsatz kommen. Eine ist bereits im Einsatz

Erfolgreich sei auch das Pilotprojekt Ruhlmühle. Seit Juni 2015 wird dort mikrobiell Eisen und Sulfat aus dem Grundwasser im Boden gebunden. Die Wirksamkeit läge bei fast 80 Prozent, so Scholz. Das Verfahren sei aber teuer und durch das Einbringen von wasserschädlichem Glycerin in den Boden nicht unproblematisch. Für besondere Hotspots bleibe es jedoch eine Handlungsoption.