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Ehrenamtsempfang in Potsdam
Landtag und Ministerpräsident würdigen engagierte Brandenburger

Thomas (links) und Martin Höntsch (Zwillinge, 24) von der Freiwillige Feuerwehr Ruhland. „Es ist einfach nicht unser Ding, abends nach Feierabend auf der Couch die Beine hochzulegen. Wir wollen was Sinnvolles machen“, sagt Thomas Höntsch.
Thomas (links) und Martin Höntsch (Zwillinge, 24) von der Freiwillige Feuerwehr Ruhland. „Es ist einfach nicht unser Ding, abends nach Feierabend auf der Couch die Beine hochzulegen. Wir wollen was Sinnvolles machen“, sagt Thomas Höntsch. FOTO: Oliver Haustein-Teßmer
Potsdam. Ministerpräsident Dietmar Woidke sagt, Ehrenamtliche seien entscheidend im modernen Brandenburg. Mit Landtagspräsidentin Britta Stark (beide SPD) hat Woidke zum 13. Mal engagierte Bürgerinnen und Bürger in die Staatskanzlei eingeladen. Von Oliver Haustein-Teßmer

Ihr Ehrentag hat für Marlene Vogler aufregend begonnen. Um halb neun am Samstagmorgen hat sie sich mit ihrem Mann, Hans-Udo Vogler, Pfarrer in Rente, aus Freienhufen (Oberspreewald-Lausitz) mit dem Auto nach Potsdam aufgemacht. Im Schneetreiben. „Er fährt mit Navi“, sagt Vogler. Sie ist 81 Jahre alt, ihr Mann 86.

Nun sitzt Marlene Vogler mit 100 Gästen im großen Saal der Staatskanzlei in Potsdam. Ministerpräsident Dietmar Woidke und Landtagspräsidentin Britta Stark (beide SPD) haben zum Ehrenamtsempfang geladen. Dabei werden stellvertretend ausgewählte Brandenburger zum festlichen Essen gebeten.

Dr. Barbara Hansen (57) aus Senftenberg engagiert sich ehrenamtlich als Flüchtlingshelferin bei der  BTU und Refugees Welcome.
Dr. Barbara Hansen (57) aus Senftenberg engagiert sich ehrenamtlich als Flüchtlingshelferin bei der BTU und Refugees Welcome. FOTO: Oliver Haustein-Teßmer

Es sind Medienvertreter als Tischpaten dabei, wie der Autor dieser Zeilen. rbb-Moderator Gerald Meyer stellt die Gäste vor. Wie alle bekommt Marlene Vogler Applaus. Seit 20 Jahren spielt sie in Gottesdiensten Orgel. „Ich habe Klavier gelernt. Die Pedale lasse ich weg.“ Gibt es keine Orgel, nimmt sie ein Keyboard. Oft kämen weniger als zehn Gläubige.

Frau Vogler pflegt auch deutsch-polnische Beziehungen, mit ihrem Mann, der 1931 im heutigen Trzebiatów geboren wurde. Die Lausitzerin hat polnischen Frauen wendische Ostereier-Malerei beigebracht.

Marlene Vogler (81) aus Freienhufen ist ehrenamtliche Organistin der evangelischen Kirche.
Marlene Vogler (81) aus Freienhufen ist ehrenamtliche Organistin der evangelischen Kirche. FOTO: Oliver Haustein-Teßmer

Für viele Brandenburger bleibt es nicht bei einem Ehrenamt. Wer in der Feuerwehr ist, ist auch an anderer Stelle gefragt. „Es ist einfach nicht unser Ding, abends nach Feierabend auf der Couch die Beine hochzulegen. Wir wollen was Sinnvolles machen“, sagt Thomas Höntsch. Sein Bruder Martin nickt.

Die beiden eineiigen Zwillinge engagieren sich bei der freiwilligen Feuerwehr in Ruhland, beim Roten Kreuz und als Stadtverordnete. „Das geht schon“, sagt Thomas. Sport und Treffen mit Freunden passten auch noch rein. Die Zwillinge arbeiten in der Kreisverwaltung – und studieren nebenbei in Potsdam. Sie sind 24 Jahre alt. Bei der Feuerwehr sind sie seit der Grundschule.

Reiner Lesche (62) ist Vorsitzender des Schalmeienorchesters Tettau/Frauendorf e. V.
Reiner Lesche (62) ist Vorsitzender des Schalmeienorchesters Tettau/Frauendorf e. V. FOTO: Oliver Haustein-Teßmer

So ähnlich war es bei Reiner Lesche. Der 62-Jährige leitet das Schalmeienorchester Tettau/Frauendorf e. V. (Oberspreewald-Lausitz), seit 53 Jahren macht er Musik. Im Verein begeistert er mehr als 80 Mitglieder für das Holzblasinstrument. „Die Jüngsten sind sieben, die Ältesten über 80 Jahre alt“, sagt Lesche. Er glaubt, der Erfolg liege an den mehr als 50 Konzerten jährlich.

Jede Woche auf Tour: Das gilt auch für Barbara Hansen. Die promovierte Biologin kennen Lausitzer als Organisatorin der Kinderuni der BTU. Sie hilft bei Refugees Welcome in Senftenberg, spielt mit Flüchtlingen im Begegnungscafé. An der Uni organisiert sie Spezial-Deutschkurse – Voraussetzung für ein Studium. „Gerade aus Syrien gibt es junge Menschen mit Potenzial“, sagt die 57-Jährige.

Ehrenamtliche gibt es in vielen Bereichen. Selbst im staatlich mitfinanzierten Luther-Jahr 2017, „da wurde vieles im Ehrenamt erledigt“, sagt Kulturministerin Martina Münch (SPD), ebenfalls Tischpatin beim Empfang. Ohne das Engagement würde vieles nicht laufen, das findet auch Barbara Hansen. Sie sagt aber: „Es ist schwierig, wenn nur noch Ehrenamtliche einspringen und der Staat sich immer mehr zurückzieht.“