ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 22:56 Uhr

Prozess um Betrug am BER
BER-Betrugsprozess vor Abschluss

Cottbus. In der nächsten Woche werden Erklärung des Angeklagten und Plädoyers erwartet.

Der Prozess am Landgericht Cottbus um einen mutmaßlichen Betrug beim Bau des Hauptstadtflughafens BER wird voraussichtlich schnell zu Ende gehen. Am fünften Verhandlungstag in der kommenden Woche will der Anwalt des angeklagten Ex-Bauunternehmers eine Erklärung abgeben. Dann könnte plädiert werden.

Der angeklagte Frank K. soll als Subunternehmer 2012 bei Abrechnungen gegenüber einer Arbeitsgemeinschaft (Arge) Tausende Arbeitsstunden falsch angegeben haben. Einen Teil soll er doppelt abgerechnet, andere Stunden auf Mitarbeiter geschrieben haben, die gar nicht da waren. Die Anklage beziffert den Schaden auf fast 250 000 Euro. K. schweigt vor Gericht.

Mehrere Zeugen hatten an den vorangegangenen Verhandlungstagen die chaotischen Zustände auf der Baustelle kurz vor der geplanten Eröffnung 2012 geschildert. Nicht klar wurde dabei, wie viel falsch berechnete Stunden dem angeklagten Ex-Unternehmer von der Arge letztlich bezahlt und wie viele nach Aufdeckung der Unstimmigkeiten bei späteren Rechnungen abgezogen wurden.

Bis heute streiten die Flughafengesellschaft und die Insolvenzverwalterin der ehemaligen Firma von Frank K. über eventuell noch offene Forderungen. Die Frage, ob K. die falsch angegebenen Leistungen bezahlt bekommen hat oder nicht, kann eine Rolle dabei spielen, ob das Gericht von einem Betrug oder nur von einem Betrugsversuch ausgeht.

Als vorerst letzter Zeuge sagt der ehemalige Bauleiter der Arge am Dienstag vor dem Landgericht Cottbus aus. Er schildert K. als einen Firmeninhaber, der aus Angst, den Auftrag zu verlieren, immer „ja gesagt“ habe. „Der hat sich einfach übernommen“, so der Bauleiter.

Er schildert noch mal sehr klar, wie über Wochen und Monate mit Tagesabrechnungen von Arbeitsstunden versucht wurde, den Flughafen-Bau doch noch eröffnungsfähig zu bekommen. Diese Tagelohnarbeiten seien neben regulären Vertragsarbeiten gelaufen. Er habe die Flughafengesellschaft mehrfach darauf hingewiesen, dass das nicht steuerungs- und überwachungsfähig sei, so der Zeuge. Verweigern hätte sich die Arge dagegen jedoch nicht können: „Das hätte damals an Landesverrat gegrenzt.“