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| 13:02 Uhr

Agrargenossenschaft distanziert sich von Ereignissen
Landesbauernverband verurteilt mutmaßliche Ferkel-Tötungen in Neuzelle

Ein Bildausschnitt aus den geheim aufgenommenen Videoaufnahmen von Animal Rights Watch aus einem Schweinemastbetrieb in Neuzelle. Die Aufnahmen zeigen, wie Ferkel totgeschlagen werden.
Ein Bildausschnitt aus den geheim aufgenommenen Videoaufnahmen von Animal Rights Watch aus einem Schweinemastbetrieb in Neuzelle. Die Aufnahmen zeigen, wie Ferkel totgeschlagen werden. FOTO: Ariwa
Neuzelle. Nach Vorwürfen über die tierschutzwidrige Tötung von Ferkeln in einem Schweinestall in Neuzelle hat der Landesbauernverband (LBV) die Praxis scharf verurteilt. „Dies widerspricht sowohl dem Tierschutzgesetz als auch unserem ethischen Empfinden“, betonte LBV-Sprecher Tino Erstling.

Ein von der Tierschutzorganisation „Animal Rights Watch“ verbreitetes Video zeigt heimlich in einem Schweinestall in Neuzelle (Oder-Spree) gemachte Aufnahmen. Dabei sind zwei Mitarbeiterinnen zu sehen, die 23 kleine Ferkel töten, indem sie diese auf den Boden schlagen.

„Die Aufnahmen verstören zutiefst auch die Brandenburger Landwirte“, erklärte der Landesverband am Dienstag. Als erste Reaktion werde man noch in diesem Jahr Seminare anbieten, die sich mit dem tierschutzgerechten Nottöten von Nutztieren befassen. „Hierfür gibt es klare gesetzliche Vorgaben, die den Mitarbeitern in den landwirtschaftlichen Betrieben eindringlich näher zu bringen sind“, erläuterte LBV-Sprecher Tino Erstling.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Die Tierschützer von „Animal Rights Watch“, die bereits in der Vergangenheit Videomaterial mit Tierschutzverstößen veröffentlichten, sprachen von einer brutalen Praxis. Kleinere und schwächere Ferkel würden in Deutschland systematisch getötet, weil ihre Aufzucht keinen Profit mehr erwarten lasse. Dies sei gesetzeswidrig. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) hatte am Montag bestätigt, dass die Organisation inzwischen Strafanzeige gegen den Schweinemastbetrieb gestellt hat.

Der Bauernverband reagierte mit Unverständnis auf den Umstand, dass die Tierrechtsorganisation erst jetzt Anzeige erstattete. Die Aufnahmen seien bereits älter als einen Monat, hieß es. „Wer sich ernsthaft gegen Tierleid engagiert, muss sofort handeln. Wer Spenden sammeln will und sich um die größtmögliche Aufmerksamkeit sorgt, wartet auf das Sommerloch und reagiert dann“, kommentierte Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbandes Brandenburg.

Betrieb distanziert sich

Das von den Vorwürfen betroffene Unternehmen – die Agrargenossenschaft Neuzelle eG – hatte sich von Verstößen gegen das Tierwohl distanziert. „Wenn es Zuwiderhandlungen durch Mitarbeiter gab, bedauern wir das zutiefst. Eventuelle Verstöße werden geahndet“, hieß es in einer Mitteilung. Man sei in der vergangenen Woche vom Veterinäramt informiert worden, dass eine Anzeige erstattet worden sei. Die rund 140 Mitarbeiter seien angewiesen, alle Vorschriften einzuhalten.

Indes betonte der Bauernverband, dass ihm die Agrargenossenschaft als engagierter Betrieb bekannt sei, dem das Wohlbefinden und die Gesundheit seiner Nutztiere ein ehrliches Anliegen seien. „Deshalb vertrauen wir auf die Aussage der Betriebsführung, dass die Missstände sofort abgestellt und die Verstöße geahndet werden. Eine Wiederholung dieser widerlichen Tat muss unbedingt verhindert werden“, sagte Erstling.

Unangekündigte Kontrolle

Das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt des Landkreises, das eine Kopie der Strafanzeige gegen die Agrargenossenschaft erhalten hat, hatte den Betrieb daraufhin in der vergangenen Woche unangekündigt kontrolliert. Die Feststellungen seien dokumentiert und erforderliche Maßnahmen verfügt worden, sagte ein Sprecher der Behörde.

Neuzelles Bürgermeister Dietmar Baesler hat die Bilder, die inzwischen auch im Fernsehen ausgestrahlt wurden, gesehen. „Ich war sprachlos“, sagte Baesler. Er werde sich schnellstmöglich um ein Gespräch mit der Spitze der Agrargenossenschaft bemühen.

Das zuständige Verbraucherschutzministerium in Potsdam erklärte, man gehe davon aus, dass die Mehrzahl der Betriebe im Land sich dem Tierschutz verpflichtet fühle. Im konkreten Fall müsse abgewartet werden, was die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft erbrächten.

(Von Harriet Stürmer/mit dpa)