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Viehdiebstahl
Landesbauernverband fordert Erhöhung des Ermittlungsdrucks auf Viehdiebe

Der Druck auf Viehdiebe soll künftig deutlich erhöht werden. Mehr als 320 Rinder sind bisher in Brandenburg zum Stichtag Mitte des Jahres gestohlen worden.
Der Druck auf Viehdiebe soll künftig deutlich erhöht werden. Mehr als 320 Rinder sind bisher in Brandenburg zum Stichtag Mitte des Jahres gestohlen worden. FOTO: Jan Woitas / dpa
Teltow. Der Landesbauernverband fordert künftig eine deutliche Erhöhung des Ermittlungsdrucks auf Viehdiebe. Steigende Diebstahlfälle vor allem von Rindern in der Region lassen aufhorchen. Von Rüdiger Hofmann

Der Präsident des Landesbauernverbandes (LBV), Henrik Wendorff, fordert eindringlich: „Viehdiebstähle in Brandenburg nehmen wir sehr ernst. Um solche Straftaten aufklären zu können, ist es notwendig, dass die Ermittlungsbehörden Zugriff auf das Herkunftsinformationssystem Tierhaltung (HIT) erhalten, in dem die Tiere erfasst sind. Derzeit ist das auch aus Datenschutzgründen nicht möglich, was ein großes Problem darstellt. Der Ermittlungsdruck auf die Täter muss dringend erhöht werden.“

Zur Aufklärung von Viehdiebstählen wurde bereits die Soko „Koppel“ sowie ein Präventionsteam der Polizei gegründet. In einem Merkblatt stellt der LBV seinen Mitgliedern nützliche Informationen zur Einbruchsprävention und zum Umgang mit Stalleinbrüchen zur Verfügung.

Jüngste Fälle lassen aufhorchen und machen diese Schritte notwendig: So wurden den Landwirten der Agrargemeinschaft Freiwalde (Landkreis Dahme-Spreewald) unlängst acht Kälber gestohlen, nachdem sie zuvor professionell betäubt wurden. „Neben dem emotionalen Verlust entstand ein Sachschaden von zirka 7.500 Euro“, erklärt der Geschäftsführer des Betriebes Georg Gratzias. Die Diebe waren in der Dunkelheit vom nahegelegenen Waldstück her mit einem Lkw angerückt, den sie direkt bis auf die abgelegene Koppel lenkten. Dann betäubten sie die Tiere mit Narkosepfeilen und führten diese auf ihr Fahrzeug. Da für die Tat eine erhebliche kriminelle Energie, landwirtschaftlicher Sachverstand sowie detaillierte Ortskenntnisse erforderlich waren, geht Mario Willi Kraft, Verantwortlicher für die Tiere, von einem organisierten Verbrechen aus. Am Ort des Geschehens ließen die Viehdiebe neben tiefen Reifenspuren fünf Betäubungspfeile, zwei Führungsstricke sowie ein totes Tier zurück, dass vermutlich an einer Überdosis Betäubungsmittel verendete. Im nahegelegenen Waldstück fand die Polizei wenig später die Ohrmarken der etwa ein halbes Jahr alten Rinder.

Apropos Rinder: Es sei auffällig, dass oftmals besonders hochwertige Tiere oder Zuchtbullen offenbar gezielt gestohlen würden. Diebe scheinen genau zu wissen, welche Tiere sie greifen wollen. Die Ermittler glauben, dass sie bereits vorher bestens informiert sind und Zugriff auf die EDV der jeweiligen Bauern mit den Daten über Abstammung und Leistung der Tiere haben. Der Verdacht der Cyberkriminalität und Wirtschaftskriminalität liegt nahe, so ein Sprecher der Polizei. Die Täter hacken sich in die Rechner der Landwirte ein und klauen die für sie relevanten Daten.

Generell steigt die Zahl der Viehdiebstähle in Brandenburg weiter an. Bis Mitte des Jahres waren bereits mehr als 320 Rinder und vier Schafe gestohlen worden, geht aus dem Portal „Agrarheute.com“ hervor. Im gesamten Jahr 2016 wurden den Behörden 272 gestohlene Tiere gemeldet. Das Ziel der Diebe mit ihrer Beute ist nach aktuellen Erkenntnissen meist Osteuropa. Der Schaden für die betroffenen Betriebe belaufe sich nicht nur auf den wirtschaftlichen Wert der entwendeten Tiere, so LBV-Präsident Henrik Wendorff. Hinzu kämen Produktionsausfälle, ein höherer Wiederbeschaffungswert, mögliche Vertragsstrafen oder auch steigende Versicherungsprämien und Selbstbehalte.

Die Polizei bot dem LBV inzwischen spezielle regionale Beratungen zur technischen Prävention sowie Schulungen zur IT-Sicherheit und der Abwehr von Cyber-Angriffen an.