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| 17:19 Uhr

Bilanz
Brandenburg bei Gästen immer beliebter

Das zarte Pflänzchen Tourismus entwickelt sich im Elbe-Elster-Gebiet langsam, aber stetig – hier Kahnfährmann Karsten Jurischka im Kleinen Spreewald bei Wahrenbrück.
Das zarte Pflänzchen Tourismus entwickelt sich im Elbe-Elster-Gebiet langsam, aber stetig – hier Kahnfährmann Karsten Jurischka im Kleinen Spreewald bei Wahrenbrück. FOTO: Frank Claus
Potsdam. 13 Millionen Übernachtungen – wieder ein Rekord für Tourismusbranche im Land. Elbe-Elster-Land mit größtem Zuwachs. Von Benjamin Lassiwe

Im letzten Sommer war Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) noch skeptisch: Würde er auch 2018 die Tradition fortsetzen können und neue Rekordzahlen im Tourismus kommunizieren können? Doch das bescheidene Wetter des Jahres 2017 spielte am Ende keine Rolle: Gestern konnten der Minister und der Chef der Brandenburger Tourismus-Marketing GmbH, Dieter Hütte, wieder einmal Rekorde melden: Mit mehr als 13 Millionen Übernachtungen ergab sich landesweit ein Plus um 1,6 Prozent gegenüber 2016. Und die Zahl der Gäste stieg um 2,5 Prozent auf fast 4,9 Millionen. „Der Tourismus in unserem Land wächst so stetig wie die Buchen im Grumsiner Forst“, sagte Gerber.

Doch der Brandenburger Tourismus steht auch vor Problemen. „Die Fachkräfte sind ein rares Gut geworden“, sagte der Minister. Ein bisschen drückt sich das auch in der Beschäftigungsstatistik aus: Denn die Zahl der Beschäftigten ist verglichen mit 2010 nahezu konstant geblieben: Rund 82 000 Menschen sind im Brandenburger Tourismus beschäftigt, damit steht diese Branche für gut sieben Prozent aller Arbeitsplätze im Land. Doch die Zahl der Arbeitsverhältnisse in Vollzeit ging verglichen mit 2010 um rund 20 Prozent zurück, während die Zahl der Teilzeitjobs um mehr als 50 Prozent stieg. „Der Tourismus ist eine Branche, die nicht unerheblich auch auf Teilzeitkräfte angewiesen ist.“ Aufgeschlüsselt nach den so genannten Reiseregionen gab es das größte Wachstum im vergangenen Jahr im Elbe-Elster-Land, das vermutlich auch wegen der Nähe zu den Wittenberger Reformationsfeierlichkeiten acht Prozent mehr Gäste und 6,8 Prozent mehr Übernachtungen verbuchen konnte – freilich auf niedrigem Niveau, denn mit 61 400 Gästen ist die Region im Südwesten weiterhin die kleinste Reiseregion Brandenburgs. Die meisten Gäste insgesamt verzeichnete dagegen mit 733 600 wieder einmal der Spreewald, der bei der Zahl der Gäste immerhin noch um 2,8 Prozent und bei den Übernachtungen um 0,9 Prozent zulegen konnte. Die Reiseregion Niederlausitz und das Lausitzer
Seenland liegen ebenso wie das Dahme-Seenland bei der Zahl der Reisenden mit Zuwächsen von 1,4 bis 3,8 Prozent im Mittelfeld der Statistik. Das Lausitzer Seenland verbuchte mit 5,6 Prozent indes das drittgrößte Plus bei der Zahl der Übernachtungen. Die einzige Brandenburger Reiseregion mit einem Minus in der Bilanz war der Barnim, wo 4,7 Prozent weniger Reisende abstiegen – eine Erklärung dafür hatte Hütte gestern indes nicht. „Es freut mich, dass unsere Bilanz regional sehr ausgeglichen ist“, sagte Gerber. „Die Entwicklung verläuft nicht in großen Sprüngen, sondern sehr konstant.“

2018 will das Land nach Angaben seines obersten Tourismuswerbers jedenfalls den Wassertourismus in den Mittelpunkt aller Kampagnen stellen. Dies geschehe abgestimmt auch mit Mecklenburg-Vorpommern, sagte Dieter Hütte gestern. „Wir haben schließlich das größte, vernetzte Wassersportrevier Deutschlands.“ Mit der Kampagne wolle man auch eine besondere Aufmerksamkeit auf den Hausboottourismus lenken: Dessen rund 600 000 Übernachtungen im Jahr gehen derzeit noch nicht in die offiziellen Gästetstatistiken des Landes ein.

Bereits am Mittwoch hatte Hütte zudem auf die kulturtouristischen Highlights der nächsten Zeit hingewiesen – das im kommenden Jahr anstehende 200-jährige Fontane-Jubiläum und das in diesem Jahr begangene 750-jährige Jubiläum des Klosters Neuzelle. Hier steht neben der Neugründung eines Zisterzienserklosters auf dem Gelände unter anderem ein Kulissenwechsel im Museum „Himmlisches Theater“ auf dem Programm: Ab dem 10. Oktober wird dort erstmals die Szene gezeigt, in der Jesus vor den Hohepriester Kaiphas tritt. Zudem wird auch das Brandenburger Dorf- und Erntefest in diesem Jahr, nämlich am 8. September, in Neuzelle begangen.