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| 02:39 Uhr

Länderübergreifende Innung gebildet

Ziel der Kürschner: Beim Design immer dran bleiben, um Schritt zu halten.
Ziel der Kürschner: Beim Design immer dran bleiben, um Schritt zu halten. FOTO: dpa
Werdau. Die selten gewordenen Kürschner in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben sich zu einer mitteldeutschen Innung zusammengeschlossen. Die drei Landesinnungen würden aufgelöst oder existierten wie im Falle Thüringens schon gar nicht mehr, sagte der neue Obermeister der länderübergreifenden Innung, Jürgen Förster. Claudia Drescher

Mit dem Schritt wollen die Pelzhandwerker einem weiteren Bedeutungsverlust begegnen.

Wie Nachfragen bei den Handwerkskammern ergaben, zählt Sachsen derzeit 25 eingetragene Kürschner, in Sachsen-Anhalt sind es zehn und in Thüringen sieben. "Im Kammerbezirk Halle sind von insgesamt sechs eingetragenen Kürschnern aber nur drei ausschließlich in diesem Handwerk aktiv", schränkte Kammer-Sprecher Jens Schumann ein.

Laut Förster, der in vierter Generation ein Geschäft im westsächsischen Werdau führt, sind es im ganzen Südosten nur noch rund 25 aktive Betriebe. Bei den übrigen handelt es sich nach seinem Kenntnisstand um Karteileichen, die zwar bei den Handwerkskammern noch gelistet, aber nicht mehr als Kürschner im engeren Sinne tätig sind. Deutschlandweit ist die Zahl der Kürschner in den vergangenen 20 Jahren um zwei Drittel zurückgegangen. Nach Angaben des Zen tralverbands des Deutschen Handwerks gibt es derzeit noch 434 Betriebe - von einst rund 1200. Länderübergreifende Innungen könnten daher sinnvoll sein. "Zusammenlegungen können bei diesen Größenordnungen mehr Effizienz bedeuten", sagte ein Sprecher auf Anfrage.

Vor den Kürschnern hätten sich unter anderem bereits die Orthopädie-Schuhtechniker in Hamburg und Schleswig-Holstein oder Niedersachsen und Bremen zusammengeschlossen.

Ziel der mitteldeutschen Kürschnerinnung mit aktuell zehn Vollmitgliedern ist es unter anderem, den verbliebenen Berufskollegen regelmäßig Weiterbildungen zu ermöglichen. "Wir wissen, wie man zwei Felle zusammennäht. Aber die Frage ist, wie man sie so zusammennäht, dass es der Kunde kauft und das auch in Zukunft tut", sagte Förster.

Die Mode sei schnelllebig, das spürten auch die Kürschner - alte Handwerkskunst hin oder her. "Natürlich ist Pelz kein kurzfristiges Accessoire, dennoch müssen wir im Bereich Design immer dran bleiben, um Schritt zu halten", erklärte der Handwerksmeister, der sich zudem überregional im Bundesvorstand des Zentralverbands des Deutschen Kürschnerhandwerks engagiert.

Ein weiteres Thema sei die Ausbildung. Momentan verzeichnet das seltene Handwerk mehr Interessenten als Betriebe, die noch ausbilden.

"Viele Kollegen haben keine Lehrlinge mehr, weil oft schon das Arbeitsaufkommen fehlt, das im Rahmen der Ausbildung erforderlich ist", erläuterte Förster. So lägen zwar Umarbeitungen alter Pelze im Trend und rund 80 Prozent seiner Aufträge entfielen inzwischen auf das Recyceln.

Allein damit bringe man jedoch niemandem bis zur Gesellenprüfung. "Neuanfertigungen kosten aber teures Material und müssen sich verkaufen."

Eine Idee der Kürschner in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt lautet daher "Azubi-Sharing": Zwei, drei Handwerker teilen sich einen Lehrling und damit die Kosten.

Dazu gebe es aber noch keine konkreten Planungen, hieß es. Auf bundesweiter Ebene werde zudem über eine zentrale Lehrwerkstatt nachgedacht.

Zum Thema:
Länderübergreifende Innungen können vor allem für immer seltener werdende Handwerksberufe eine effiziente Lösung bedeuten, um deren Leistungsfähigkeit trotz sinkender Mitgliederzahlen zu sichern. Ohne Weiteres lassen sich Innungen aber nicht zusammenlegen, auch wenn sie prinzipiell freiwillige Zusammenschlüsse von Handwerksunternehmen eines Gewerks sind. Laut Handwerksordnung soll sich ein Innungsbezirk nicht über den Bezirk einer Handwerkskammer hinaus erstrecken. Will eine Innung ein größeres Gebiet oder gar andere Bundesländer abdecken, bedarf es demnach einer Genehmigung der obersten Landesbehörden. Weil Innungen nach dem Willen des Gesetzgebers eine möglichst regional geprägte Struktur aufweisen sollen, muss bei solchen Zusammenschlüssen die Reihenfolge von der Kreis-, über die Kammer- und Länderebene bis hin zur länderübergreifenden Fusion eingehalten werden.