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| 02:39 Uhr

Kunst leitet künftig die Humboldt-Uni

FOTO: dpa
Berlin/Potsdam. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) muss sein Kabinett umbilden. Wissenschaftsministerin Sabine Kunst ist am Dienstag vom Kuratorium der Humboldt-Universität zur neuen Präsidentin gewählt worden. Benjamin Lassiwe

Sabine Kunst wirkte glücklich. "Das war ein überwältigendes Abstimmungsergebnis, ein supertolles Ergebnis, das war so nicht erwartbar", sagte Brandenburgs Ministerin für Wissenschaft und Forschung. Gerade hatte sie das Kuratorium der Berliner Humboldt-Universität als Nachfolgerin von Jan-Hendrik Olbertz zur neuen Präsidentin der wichtigsten Hochschule Berlins gewählt.

"Im Sommersemester" werde sie für dieses Amt zur Verfügung stehen, kündigte die SPD-Politikerin Kunst an. Der Wechsel nach Berlin solle "geordnet und in Abstimmung mit Ministerpräsident Dietmar Woidke" geschehen. An der Humboldt-Universität wolle sie die Forschungsregion Berlin zu "einem internationalen Brennpunkt der Wissenschaft ausbauen", sagte Kunst. Es sei eine große Aufgabe, die Universität, die "keineswegs unregierbar" sei, "gemeinsam mit ihren Mitgliedern weiter voranzubringen."

Doch während Kunst am Dienstag davon sprach, in ihren letzten Wochen als Ministerin noch die Exzellenzinitiative für das Land Brandenburg in Gang bringen zu wollen, wird in Brandenburg ein Posten frei. Und die einzige bislang gehandelte Nachfolgekandidatin ist die ehemalige Bildungsministerin Martina Münch (SPD). Dass sie im Gespräch ist, dementierte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) nicht. Sie sei "eine von mehreren möglichen Kandidaten". Doch als am Dienstag die Vorsitzenden der Fraktionen im Potsdamer Landtag vor die Presse traten, hielten sich Regierungslager wie Opposition zurück. Denn die Amtszeit von Münch im Bildungsministerium gilt als glücklos: Bei der Einführung der Inklusion an Brandenburgs Schulen scheiterte die Ministerin ebenso wie bei ihrer Reform der Schulämter, die ihr Nachfolger Günter Baaske (SPD) als eine seiner ersten Amtshandlungen zurücknahm.

Bei der Landtagswahl 2014 verfehlte Münch ihr Cottbuser Direktmandat, zog als einzige SPD-Abgeordnete über die Landesliste in das Potsdamer Stadtschloss ein. Und beim SPD-Parteitag im Dezember 2014 flog Münch, die bis dahin Vize-Landesvorsitzende war, aus dem SPD-Parteivorstand. Gerade einmal 43 von 114 Delegierten wählten die Politikerin. Dass die derzeit vor allem als Kämpferin für Kreisfreiheit von Cottbus bekannte Politikerin als Ministerin zurückkommen könnte, wollten am Dienstag jedenfalls weder der Linken-Chef Ralf Christoffers noch SPD-Chef Mike Bischoff bestätigen. Während Christoffers die Entscheidung über die Kunst-Nachfolge dem Kabinett und der SPD überließ, erklärte Bischoff, Woidke werde "in enger Abstimmung" mit der Fraktion "die beste Kandidatin oder den besten Kandidaten" finden. Dass auch Kandidaten von außerhalb Brandenburgs möglich seien, schloss Bischoff dabei ausdrücklich nicht aus.

CDU-Chef Ingo Senftleben warf dem Ministerpräsidenten dagegen vor, derzeit über kein Konzept für die Nachfolge von Kunst zu verfügen. Dass Münch im Gespräch sei, deute darauf hin, dass es Woidke nicht um den fachlich besten Kandidaten gehe, sondern darum, eine Kritikerin der Kreisgebietsreform zu besänftigen.

Die bildungspolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, Marie-Luise von Halem, wollte sich zur Personalie Münch eigentlich gar nicht äußern. "Naja, Eigenständigkeit und Durchsetzungsvermögen", antwortete sie auf die Frage, was eine gute Ministerin denn mitbringen müsse. "Aber das haben in der Vergangenheit nicht alle Minister besessen."