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| 19:27 Uhr

Landesbetrieb wollte keine Schutzwand
80 wäre möglich: Kritik an Tempo 40 auf A12

  Die A12-Baustelle bei Lieberose in Richtung Frankfurt. An der Baustelle gilt am Tag Tempo 40. Das bremst alles aus. Hätte der Landesbetrieb Straßenwesen nicht auf eine Schutzwand verzichtet, wäre Tempo 80 möglich.
Die A12-Baustelle bei Lieberose in Richtung Frankfurt. An der Baustelle gilt am Tag Tempo 40. Das bremst alles aus. Hätte der Landesbetrieb Straßenwesen nicht auf eine Schutzwand verzichtet, wäre Tempo 80 möglich. FOTO: MOZ / Winfried Mausolf
Briesen. Das Limit an der Baustelle nervt Pendler und gefährdet Bauarbeiter. Eine Schutzwand hätte das ersparen können.

Seit Mai bis voraussichtlich Ende September wird ein acht Kilometer langes Stück Autobahn zwischen Briesen und Müllrose wegen „Betonkrebs“ erneuert. So lange gelten Verkehrseinschränkungen.

Richtung Berlin sind auf zwei schmalen Spuren 60 Stundenkilometer erlaubt, in Richtung Bundesgrenze gibt es eine 60er-Spur und eine, auf der werktags tagsüber höchstens 40 gefahren werden darf.

Die vom Brandenburger Landesbetrieb Straßenwesen vorgebrachte Rechtfertigung für das Tempo-40-Limit auf der A12, die das Fass zum Überlaufen brachte. „Als ich das gehört habe, dachte ich, mir fällt gleich das Frühstück aus dem Gesicht“, sagt ein Mitarbeiter des mit den Bauarbeiten beauftragten Baukonzerns Strabag.

Der Mann, der anonym bleiben möchte, erzählt, wie er die Entscheidung des Landesbetriebs beurteilt. Und dabei stellt sich heraus: Es hätte auch andere Lösungen für einen guten Verkehrsfluss und für guten Arbeitsschutz gegeben.

Denn Letzterer war nach ersten Protesten von Autofahrern die Rechtfertigung für die Begrenzung auf Tempo 40. So gebe es eine neue Arbeitsschutzregel, die eine geringere Höchstgeschwindigkeit als bislang üblich vorschreibt, wenn zwischen Autos und Bauarbeitern wenig Platz ist.

Außerdem hat der Landesbetrieb auf die etwa 40 Zentimeter hohen Schutzwände verzichtet, die oft zum Einsatz kommen, um den Baustellenbereich von der Fahrbahn zu trennen. Auf der A12 gibt es stattdessen lediglich aller paar Meter Baken.

Der Verzicht auf die Schutzwand wird mit einer leichteren Zufahrt für die Baufahrzeuge und einer am Ende kürzeren Bauzeit begründet, weil Auf- und Abbau der Wand wegfallen, wenn man die Baustelle verlagern möchte. Ohne die Schutzwand ist nun aber Höchsttempo 40 erforderlich.

Den Verzicht auf die Schutzwand hält der Strabag-Mitarbeiter für einen großen Fehler. Denn mit der Schutzwand wäre statt Tempo 40 Tempo 80 möglich gewesen. Das Limit von 40 provoziere nicht nur volkswirtschaftliche Schäden durch Staus, sondern erhöhe das Risiko von Auffahrunfällen. Vor allem aber sei die fehlende Wand eine Gefahr für die Bauleute, die ihre Arbeit nun direkt neben den Lastwagenkolonnen ausführen müssen.

Denn: An die 40 halte sich kaum ein Autofahrer. Wer auf der Strecke regelmäßig unterwegs ist, kennt das: Fährt man auf der linken Spur Richtung Polen die erlaubten 60, sieht man oft auf der rechten Tempo-40-Spur die Laster vorbeiziehen.

In ihrem offiziellen Statement betont die Strabag zunächst, dass der Landesbetrieb eine grundsätzlich anerkannte, verkehrssichere und kostengünstige Lösung gewählt habe. Dann aber heißt es: „Alternativ wäre – auch unter Berücksichtigung der vorgesehenen einmaligen Verschwenkung sowie der Baustellenein- und -ausfahrten – die Einrichtung einer Schutzwand und ein Tempolimit von 80 Stundenkilometern möglich gewesen.“

Und zum Thema Arbeitsschutz schreibt die Strabag-Pressestelle: „Die Gefahrenminimierung für das Baustellenpersonal sollte vorrangig durch den Einsatz von transportablen Schutzeinrichtungen erfolgen.“

Der Landesbetrieb hält dagegen, dass mit Schutzwand das dann häufige Rangieren und Rückwärtsfahren der Baufahrzeuge die größere Gefahr wäre. Aber es gibt auch Selbstkritik: Mit der Tempo-40-Anordnung sei man „nicht zufrieden, da diese von Verkehrsteilnehmern nicht akzeptiert werden und nur bedingt mit der Funktion einer Autobahn vereinbar sind“, teilt der Landesbetrieb mit. Man suche daher zusammen mit anderen Akteuren für künftige Fälle Lösungen.

  Die A12-Baustelle bei Lieberose in Richtung Frankfurt. An der Baustelle gilt am Tag Tempo 40. Das bremst alles aus. Hätte der Landesbetrieb Straßenwesen nicht auf eine Schutzwand verzichtet, wäre Tempo 80 möglich.
Die A12-Baustelle bei Lieberose in Richtung Frankfurt. An der Baustelle gilt am Tag Tempo 40. Das bremst alles aus. Hätte der Landesbetrieb Straßenwesen nicht auf eine Schutzwand verzichtet, wäre Tempo 80 möglich. FOTO: MOZ / Winfried Mausolf