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| 13:24 Uhr

Autoklau, Diebstahl und Rauschgifthandel
Grenzüberschreitende Kriminalität bereitet Polizei Sorgen

 Im wieder versuchen Autoschieber mit geklauten Wagen der Polizei zu entkommen. Meist geht das schief.
Im wieder versuchen Autoschieber mit geklauten Wagen der Polizei zu entkommen. Meist geht das schief. FOTO: Bundespolizei
Potsdam/Cottbus. Laut der Kriminalitätsstatistik 2018 für Brandenburg sinken die Fallzahlen. Es gibt jedoch große regionale Unterschiede. Vor allem zwei Dinge liefern der Polizei Grund zur Beunruhigung. Von Bodo Baumert

„Insgesamt bin ich mit den erreichten Ergebnissen in der Kriminalitätsbekämpfung im Jahr 2018 durchaus zufrieden“, sagt Brandenburgs stellvertretender Polizeipräsident Roger Höppner.

„Sorgen bereiten mir allerdings die Anstiege bei der grenzüberschreitenden Kriminalität sowie der Rauschgiftdelikte.“ Denn anders als im Rest der vor wenigen Tagen vorgestellten Kriminalitätsstatistik gibt es hier Grund zur Beunruhigung.

Große Unterschiede beim Autoklau in Brandenburg

 Laut der Kriminalitätsstatistik 2018 gibt es in West-Brandenburg weniger Autodiebstahl.
Laut der Kriminalitätsstatistik 2018 gibt es in West-Brandenburg weniger Autodiebstahl. FOTO: dpa / Sebastian Kahnert

Insgesamt ist die Kfz-Kriminalität in Brandenburg rückläufig. Schaut man genauer hin, ergeben sich allerdings große regionale Unterschiede. Tatsächlich ist der Gesamtrückgang nur auf eine sehr positive Entwicklung im Bereich der Polizeidirektion West zurückzuführen.

In der Lausitz sieht es anders aus. In der zuständigen Polizeidirektion Süd stieg die Zahl der Fälle 2018 um rund zwölf Prozent. Besonders auffällig ist der Anstieg in LDS (+25 Prozent) und OSL (+18).

Um besser vergleichen zu können, wie gefährlich eine Region für Autobesitzer ist, gibt es die sogenannte Häufigkeitszahl. Betrachtet man nur die gestohlenen Pkw – und lässt alle anderen Diebstähle rund ums Auto außen vor – hat die Polizeiinspektion Schönefeld mit Abstand die höchste Häufigkeitszahl, was allerdings schlicht und ergreifend am Flughafen liegt, von dessen Parkplätzen gerne mal ein Auto verschwindet.

Bei den „normalen“ Polizeiinspektionen liegen Frankfurt (Oder) und Spree-Neiße deutlich vorn. Sicher steht Ihr Auto nach wie vor in Elbe-Elster oder der Prignitz.

 Kriminalitätsstatistik 2018: Wohnungseinbrüche gehen in Brandenburg deutlich zurück.
Kriminalitätsstatistik 2018: Wohnungseinbrüche gehen in Brandenburg deutlich zurück. FOTO: dpa / Silas Stein

Der Hauptvertriebsweg für geklaute Autos geht nach wie vor Richtung Osten, weshalb die Polizei auch weiter einen Fokus auf die grenznahen Straßen und Autobahnen legen will. Von den Tatverdächtigen, die 2018 beim Autoklau oder beim Transport gestohlener Pkw erwischt wurden, sind zwei Drittel Deutsche. Der Rest stammt zum überwiegenden Teil aus Polen.

Die Chance, der Diebe habhaft zu werden, ist nach wie vor gering. Die Aufklärungsquote der Polizei sank im vergangenen Jahr auf 18,4 Prozent in diesem Bereich.

Diebstahl in Brandenburg laut Kriminalitätsstatistik

 Anfang 2018 ist der polnischen und deutschen Polizei ein Schlag gegen Geldautomatensprenger gelungen.
Anfang 2018 ist der polnischen und deutschen Polizei ein Schlag gegen Geldautomatensprenger gelungen. FOTO: Polizei

Gestohlen wird in Brandenburg nur noch halb so viel wie vor 20 Jahren. Auch im vergangenen Jahr sind die Zahlen deutlich gesunken: weniger Wohnungseinbrüche, weniger Firmeneinbrüche, aber mehr Fahrradklau. Bei den bandenmäßig organisierten grenzüberschreitenden Diebesbanden scheint es tatsächlich einen deutlichen Rückgang zu geben.

Und auch in den Grenzgemeinden sind die Zahlen gut. Dort ist die Gefahr, Opfer von Dieben zu werden, zwar nach wie vor höher als anderswo im Land. 2018 sind die Fallzahlen aber gesunken.

In der Vergangenheit hatten vor allem Diebesbanden aus Osteuropa Grund zur Besorgnis in Brandenburg gegeben. Zur Bekämpfung grenzüberschreitender Kriminalität hat sich die Polizei auch deshalb mit den polnischen Partnern zusammengetan. Im November wurde auf einer Konferenz in Dahme-Spreewald eine weitere Vertiefung der Kooperation besprochen.

Sprengung von Geldautomaten in Brandenburg rückläufig

Schwerpunkte der Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern seien die Bekämpfung von Banden, die sich die Sprengung von Geldautomaten zum Ziel gemacht haben, sowie Auto- und Wohnungseinbruchsdiebstähle, sagte Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke.

Apropos Geldautomaten. Hier ist die Zahl der Attacken weiter rückläufig. 14 Fälle gab es 2018 in Brandenburg, halb so viele wie in den Jahren zuvor.

Ein Grund: Ermittlungserfolge und Festnahmen in Brandenburg und Polen.

Kriminalitätsstatistik: Drogenschmuggel in Brandenburg

Ein weiteres Problem der grenzüberschreitenden Kriminalität ist der Drogenhandel. Insgesamt sind die Rauschgiftdelikte in Brandenburg 2018 wieder deutlich angestiegen. Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) verweist darauf, dass mehr kontrolliert wurde. Tatsächlich ist der Anstieg der Fallzahlen aber vor allem auf Cannabis zurückzuführen, was häufig aus heimischer – und heimlicher – Produktion stammt.

Der Drogenschmuggel bleibt dennoch ein großes Thema. Aus Lausitzer Sicht spielt hier das Thema Crystal Meth nach wie vor eine große Rolle, das via Sachsen aus Tschechien eingeschmuggelt wird.

Fälle wie der spektakuläre Fund von 60 Kilo Heroin Ende Januar  auf der A11 zeigen aber, dass es auch andere Größenordnungen und Vertriebswege in und durch die Region gibt.

Autoschieber in Sachsen auf frischer Tat erwischt

Dass es sich lohnt, die Autobahnen Richtung Grenze mit verdeckten und offenen Streifen zu kontrollieren, zeigt der jüngste Fall aus Sachsen. In der Nacht zum Montag haben Zivilfahnder an der A4 einen Autoschieber auf frischer Tat erwischt.

In Dresden hatte der Dieb nahe der Autobahn einen Lkw samt Bagger auf der Ladefläche gestohlen. Fast wäre er über die Landesgrenze entwischt, doch die Polizisten schlugen vorher zu. Der Verdächtige sprang aus dem fahrenden Lkw und flüchtete in die Nacht. Sein Diebesgut aber konnte sichergestellt werden.

Auch in Brandenburg will die Polizei den Fahndungsdruck an der Grenze hochhalten. Streifen von Polizei und Zoll sollen abschrecken. Zudem sind Großkontrollen geplant.