Brandenburger Familien zahlen in diesem Jahr durchschnittlich 3000 Euro mehr als noch 2021 für Energie und Lebensmittel. Das hat die brandenburgische Verbraucherzentrale für eine vierköpfige Familie errechnet. Demnach stiegen die Kosten vor allem für Erdgas – und zwar um 95 Prozent. Bei Stromkosten waren die Steigerungen mit 15 Prozent noch relativ moderat, erklärte Christian A. Rumpke, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Brandenburg am Montag in Potsdam bei der Vorstellung des Jahresberichtes 2021/22.

Jetzt schon Rücklagen für die Betriebskosten bilden

Bei Kraftstoff stiegen die Kosten um 35 Prozent, bei Lebensmitteln um 20 Prozent. Das Thema Energie macht aktuell fast die Hälfte aller Anfragen von Bürgern aus. Rumpke riet auf einer Pressekonferenz allen Mietern, jetzt schon Rücklagen für die zu erwartenden Betriebskosten aufzubauen. Jetzt im Sommer sollte nach Möglichkeiten schon damit begonnen werden, Strom und Warmwasser zu sparen.
Hausbesitzern wird empfohlen, nicht nur auf einen Energieträger zu setzen. Eine energetische Sanierung sei der Ausgangspunkt für alle weiteren Maßnahmen. Die Verbraucherzentrale vermittelt zudem Gespräche mit 25 landesweit tätigen Energieberatern. Allerdings sei mit Wartezeiten zu rechnen: bis zum Termin für die Beratung, bis Handwerker gefunden werden und Material zur Verfügung steht.

Der neue Enkeltrick betrifft die Energie

Rumpke warnte vor Betrügern und Abzockern, die an der Haustür Angst machen und versuchen, neue Verträge an den Mann zu bringen. „Der neue Enkeltrick ist der Energie-Enkeltrick“, formulierte der Geschäftsführer. Rumpke kritisierte die Kartellbehörde des Landes scharf. Sie habe gerade im Energiesektor im abgelaufenen Jahr durch „Untätigkeit“ geglänzt. Er bezog sich auf Vertragskündigungen seitens einiger Energieversorger.

Frankfurt / Schwedt / Guben

Die Betroffenen werden dann von sogenannten Grundversorgern übernommen, die zum Teil Strompreise mit Extraaufschlag verlangen. Die Kartellbehörde hätte die Grundversorger in diesen Fällen überwachen müssen, dass diese in solchen Fällen nicht ungerechtfertigte Preise aufrufen, lautet die Kritik der Verbraucherschützer.

Klage gegen Sparkasse Barnim eingereicht

An zweiter Stelle bei den Beratungen lagen auch im vergangenen Jahr Finanzfragen. Nach wie vor sind Kontoführungsgebühren und zu niedrige Zinsen häufige Themen. Rumpke verwies auf eine Musterfeststellungsklage gegen die Sparkasse Barnim, die im vergangenen Herbst auf den Weg gebracht wurde. Diese habe nach Meinung der Verbraucherzentrale jahrelang zu niedrige Zinsen beim Prämiensparen gezahlt. Bislang haben sich 100 Betroffenen an der Klage beteiligt. Weitere könnten sich noch bis zur erwarteten Verhandlung Ende des Jahres anschließen, warb Rumpke.

Hoyerswerda

Die Beratung durch die Verbraucherzentrale Brandenburg ist für Sozialleistungsempfänger kostenlos. Alle anderen zahlen für eine 30-minütige Beratung 15 Euro. Die Beratung durch professionelle Energieberater muss von deren Kunden selbst getragen werden.