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| 02:38 Uhr

Kontroverser Blick auf Grünstrom-Boom

Potsdam. Brandenburg ist Vorreiter in Sachen Energiewende. In keinem anderen Bundesland sei die Ausbaurate für Windenergie pro Einwohner größer als in Brandenburg. Simone Wendler

"Die Erneuerbaren haben damit eine zunehmende Bedeutung auch für die Strukturentwicklung des Landes", sagte Jan Hinrich Glahr, Vorsitzender des Landesverbandes Berlin/Brandenburg im Bundesverband Windenergie beim Branchentag am Donnerstag in Potsdam.

Rund 17 000 Menschen arbeiteten 2015 im Land in der Wind-, Solar- und Bioenergiebranche. Das seien doppelt so viele wie in der Lausitzer Braunkohle.

Auch Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) lobte auf dem Branchentag die Erfolge beim Zuwachs von erneuerbarer Stromerzeugung und damit verbundenem Jobwachstum. Er betonte jedoch, dass damit allein noch keine sichere und zuverlässige Stromversorgung möglich sei: "Solange es an Netzen und Speichern hapert, können wir auf konventionelle Energieträger nicht verzichten."

Mehr als 60 Prozent des in Deutschland erzeugten Stromes stammten aus diesen Quellen, so Gerber. Es sei deshalb "utopisch" anzunehmen, dass alsbald ein Ausstieg sowohl aus der Atomkraft als auch aus der Braunkohlestromerzeugung möglich sei. Bisherige Technologien, die Strom in Form von Gas oder Wärme speicherten, seien noch zu unausgereift. Angesichts einer erwarteten EEG-Umlage von 26 Milliarden Euro in diesem Jahr in Deutschland forderte Gerber, über alternative Finanzierungsformen der Branche nachzudenken.

Der Städte- und Gemeindebund Brandenburg fordert, dass Kommunen und Gemeinden stärker von der regionalen Wertschöpfung der Erneuerbaren profitieren müssten. "Akzeptanz vor Ort können wir nur erhalten, wenn Bürger konkret messbare Vorteile in ihrer Gemeinde wahrnehmen", sagte Referatsleiter Sebastian Kunze auf dem Branchentreffen. Der Städte- und Gemeindebund schlägt deshalb vor, die Konzessionsabgaben der Netzbetreiber nicht mehr wie bisher an der Menge des in einer Region verbrauchten Stromes zu messen, sondern an der Menge der dort erzeugten Elektroenergie.

Auf dem Branchentag in Potsdam wurden auch neue Projekte zur Energiewende vorgestellt. Dazu gehörte eine Wirtschaftlichkeitsanalyse für eine anteilige Versorgung der Stadt Cottbus mit grüner Energie aus der Region.