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| 18:25 Uhr

Brandenburg
Können Kinder im August noch in die Kita?

Ob noch Kindertagesstätte oder schon Schulhort – den Eltern wird es letztlich egal sein. Hauptsache, ihre Kinder bleiben im Wirrwarr von Gesetzen und Verordnungen nicht auf der Strecke.   
Ob noch Kindertagesstätte oder schon Schulhort – den Eltern wird es letztlich egal sein. Hauptsache, ihre Kinder bleiben im Wirrwarr von Gesetzen und Verordnungen nicht auf der Strecke.   FOTO: dpa / Julian Stratenschulte
Potsdam. Mit dem Inkrafttreten des neuen Kita-Gesetzes gibt es in Brandenburg eine Reihe von Unkarheiten. Von Benjamin Lassiwe

Für viele Eltern kam es ziemlich überraschend: Pünktlich zum 31. Juli kündigte eine Reihe von Kindertagesstätten im Süden Brandenburgs, etwa im Amt Ruhland, die Betreuungsverträge für Kinder, die im August eingeschult werden. Und als Begründung genannt wurde das neue Kita-Gesetz des Landes: Erstmals definiert es ein sogenanntes „Kita-Jahr“, das ähnlich wie ein Schuljahr vom 1. August bis zum 31. Juli geht. „Bislang herrschte hier immer eine Grauzone“, sagt Sylke Balzer vom Amt Ruhland. „Jetzt gibt es hier mehr Klarheit, die zu begrüßen ist.“ Die Kinder könnten ab Anfang August in den Hort gehen, der oft auch in derselben Kindertagesstätte untergebracht sei. „Kein Elternteil wird deswegen auf der Strecke bleiben“, sagte Balzer.

Doch tatsächlich scheint diese Regelung je nach Träger anders ausgelegt zu werden. Bei der Diakonie etwa weiß man nichts von einem Kita-Jahr, das dazu führen könnte, dass Betreuungsverträge schon zu Ende Juli auslaufen. In evangelischen Kindertagesstätten sei es „nach unserem Kenntnisstand und Praxis so, dass Kitas die Kinder, die ab August 2018 in die Schule gehen, bis zum Schuleintritt betreuen dürfen“, sagte die Sprecherin des Diakonischen Werks Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Susanne Gonswa. „Es gibt darüber hinaus bei unseren Trägern auch Beispiele, die Ihre Betreuungsverträge standardmäßig bis zum 31.7. schließen, im Anschluss aber Abmachungen mit Ihren Horten haben, diese Kinder ab dem 1.8. aufzunehmen.“ Der private Träger Fröbel GmbH schließt dagegen schon seit zwei Jahren seine Betreuungsverträge so ab, dass sie Ende Juli auslaufen. Das habe man damals nach Rücksprache mit dem Bildungsministerium eingeführt, sagt Fröbel-Pressesprecherin Beatrice Strübing auf RUNDSCHAU-Nachfrage.

Bildungsministeriumssprecher Ralph Kotsch wundert sich auch, dass nun Betreuungsverträge gekündigt wurden. „Aus unserer Sicht gibt es für solche Kündigungen keinen Grund“, sagte er. Die Neuregelungen des Kita-Gesetzes würden Kinder, die in wenigen Wochen eingeschult werden, gar nicht mehr betreffen – sie seien vielmehr für Verträge relevant, die nun neu geschlossen werden. „Kinder, die im August in die Schule kommen, können selbstverständlich bis dahin in der Kita betreut werden – und die Träger erhalten diese Betreuung auch bezahlt.“ Brandenburgs CDU fordert das Bildungsministerium deswegen auf, eine Klarstellung vorzunehmen. „Aus meiner Sicht gibt es auch keinen Grund, hier Betreuungsverträge zu kündigen“, sagte der CDU-Bildungsexperte Gordon Hoffmann. „Aber das müssen die Träger eben auch wissen – damit keine Eltern oder Kinder zwischen die Räder geraten.“