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Wirtschaft
Ein Glücksfall für das Kloster

Luftbild Klosteranlage Stift Neuzelle
Luftbild Klosteranlage Stift Neuzelle FOTO: Bernd Geller / Stiftung Neuzelle
Neuzelle. Die Rückkehr von Mönchen nach Neuzelle lässt die Wirtschaft hoffen – kommen dann auch mehr Touristen?

Der Parkplatz vorm Kloster Neuzelle (Oder-Spree) ist gut gefüllt an diesem sonnigen Dienstag nach Ostern. Familien mit Kindern spazieren über das Klostergelände. Aber Helmut Fritsche, Geschäftsführer der Klosterbrauerei Neuzelle, ist nicht zufrieden mit dem Zustrom der Touristen. „Es geht runter.“ Genaue Zahlen liegen dem Brauereichef zwar nicht vor. Er merkt den Schwund aber bei den Führungen durch die Brauerei, die neben dem Kloster liegt. Doch der Unternehmer ist zuversichtlich, dass es wieder aufwärts geht: Denn jetzt sind ja die Mönche da. Zisterzienser aus dem Wienerwaldstift Heiligenkreuz in Österreich haben sich in Neuzelle niedergelassen. Sie wollen ein Priorat, eine Außenstelle ihres Klosters, gründen. 200 Jahre lang gab es in Neuzelle keine Mönche mehr.

„Das ist so ein Glücksfall, dass die Mönche gekommen sind“, sagt Fritsche. Auch die Ostbrandenburger Handwerkskammer, die Wirtschaftsförderung des Landes WFBB und Oder-Spree-Landrat Rolf Lindemann sind froh darüber. Das war der Tenor auf einem Pressegespräch zum Thema Mönche und regionale Wirtschaft. Unternehmen und Politik versprechen sich eine Werbung für den Ort mit seiner einzigartigen barocken Klosteranlage, die in diesem Jahr 750 Jahre alt wird. Mehr als 50 Millionen Euro sind in den vergangenen 20 Jahren in die Wiederherstellung geflossen. Rund 45 Prozent der Bauarbeiten wurden laut Handwerkskammer von Ostbrandenburger Firmen erledigt. Die Arbeiten sind fast abgeschlossen, sagt Uwe Hoppe, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Doch das Kloster sei zu wenig bekannt, in Berlin zum Beispiel, findet Helmut Fritsche. Es müsse besser vermarktet werden. Er sieht vor allem das Land in der Pflicht. „Es ist sehr wenig Geld, was das Landesmarketing in die Hand nimmt“, findet auch Uwe Hoppe. Dem widerspricht Landrat Lindemann. Eine Million Euro gibt Brandenburg für das Jubiläum aus. „Das ist schon eine Hausnummer.“ Wie konkret nun allerdings mit der Wiederbelebung des Klosters an sich geworben werden soll, das blieb dann doch offen. Brauereichef Fritsche ist an einer Zusammenarbeit mit den Zisterziensern interessiert. Vielleicht hätten die ja Lust, im Brauereiladen mit anzupacken?

Aber erst einmal muss das Klosterleben in Gang kommen. Bislang leben vier Mönche in Neuzelle. Für deutlich mehr fehlt es an Platz. Das Land hat ein Gebäude auf dem Gelände in Aussicht gestellt. Derzeit werde zwischen der landeseigenen Stiftung Stift Neuzelle, dem Kulturministerium und dem Bistum Görlitz verhandelt, sagt ein Ministeriumssprecher. Es geht um die Nutzung und Sanierung des Gebäudes – und wer das Geld gibt. Im September wollen die Mönche ihr Priorat einrichten – mit dann acht Zisterziensern.

Brauereichef Helmut Fritsche hofft, dass Neuzelle durch die Mönche attraktiver wird.
Brauereichef Helmut Fritsche hofft, dass Neuzelle durch die Mönche attraktiver wird. FOTO: Ina Matthes/MOZ