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Einbrüche in Kleingärten
Laubenplünderer sind wieder im Kommen

Oft gehen die Einbrecher mit brachialer Gewalt vor, um ins Innere der Gartenlauben zu gelangen.
Oft gehen die Einbrecher mit brachialer Gewalt vor, um ins Innere der Gartenlauben zu gelangen. FOTO: Ralf Geithe / Fotolia / Ralf Geithe - stock.adobe.com
Cottbus. Bevor Kleingärtner und ihre Lauben in die Winterruhe fallen, mahnt die Polizei in jedem Jahr erneut, alles Wertvolle mit nach Hause zu nehmen. Doch potenzielle Einbrecher hält das nicht ab, ihr Glück zu versuchen. Und oft ist der Einbruchschaden viel höher als der Wert des Diebesgutes. Von Hannelore Grogorick

Es ist in jedem Oktober dasselbe: Die Gartensaison ist zu Ende, in der Natur wird vieles zum Frostschutz verpackt, die Lauben fallen in den Winterschlaf. Und die Einbrecher werden hellwach. Von der Polizei gibt es bereits die ersten Meldungen dieses Herbstes: In Spremberg haben Unbekannte aus einem Garten der Anlage „Erholung“ in der Stadtrandsiedlung mehrere technische Geräte gestohlen. Die Höhe des Schadens wurde auf rund 2000 Euro geschätzt. In Görlitz sind Einbrecher gewaltsam in sechs Lauben der Gartenanlage „Renatenaue“ eingedrungen, um eine Bohrmaschine, einen Winkelschleifer und weiteres Werkzeug im Gesamtwert von etwa 350 Euro zu stehlen. Der Sachschaden wird hier mit etwa 200 Euro beziffert.

Laut Statistik der Polizeidirektion Brandenburg-Süd, zu der die Bereiche Cottbus/Spree-Neiße, Elbe-Elster, Dahme-Spreewald, Oberspreewald Lausitz sowie der Flughafen Schönefeld gehören, werden im Durchschnitt Gegenstände im Wert in Höhe von 200 bis 700 Euro gestohlen. „Aber die materiellen Schäden durch die Gewaltanwendung beim Eindringen in die Gartenlauben sind meist wesentlich höher“, sagt Ines Filohn, Pressesprecherin der Polizeidirektion Süd.

Begehrt sind bei den Einbrechern vor allem technische Anlagen, Fernsehgeräte und Werkzeuge. „Oft sind es Drogen- oder Alkoholabhängige, die nach allem suchen, was sich zu Geld machen lässt, um ihre Sucht finanzieren zu können“, sagt Ines Filohn. Aber auch die Grenznähe und das Wohlstandsgefälle seien in der Einbruchsstatistik nachvollziehbar. „Elbe-Elster hat beispielsweise nur halb so viele Garteneinbrüche zu verzeichnen wie Cottbus/Spree-Neiße“, sagt die Erste Polizei-Hauptkommissarin.

Konkret heißt das: Schlagen in der Polizeidirektion Süd 1154 „Besonders schwere Diebstähle in/aus Gärten“ im Jahr 2016 zu Buche, so entfallen davon 240 auf Elbe-Elster und 555 auf den Bereich Cottbus/Spree-Neiße. In den Jahren 2013 und 2014 betraf es dort vor allem die Städte Cottbus, Forst, Guben und Spremberg, seit 2015 bilden ausschließlich die Städte Forst und Cottbus den Schwerpunkt. In Forst und Guben spielen Gartenanlagen in unmittelbarer Grenznähe für nicht mobile Täter Hauptangriffspunkte. Die Liste der Einbrüche in Forst führen Gartensparten in der Wehrinselstraße an. In Guben werden zurzeit die Gartenanlagen Turnerwäldchen und Hedwigs Teiche am meisten heimgesucht. „Das liegt darin begründet, dass diese beiden Anlagen direkt am Grenzfluss Neiße liegen. Täter haben dort die Möglichkeit, über die alte unbenutzte Eisenbahnbrücke Kurzer Weg die Gärten zu erreichen und nach der Tat wieder in Richtung Polen zu verlassen“, so die Polizei.

In Sachsen, so ist von der Martyna Fleischmann, der Pressesprecherin der Polizeidirektion Görlitz zu erfahren, wurden für den Zeitraum vom 1. Januar 2016 bis zum 5. Oktober 2017 im Bereich Weißwasser und Hoyerswerda rund 120 Fälle bekannt, bei denen Gartenlauben beschädigt oder etwas aus ihnen entwendet wurde. Davon fanden etwa zwei Drittel im Jahr 2016 statt. Örtlicher Schwerpunkt ist hier die Stadt Hoyerswerda mit 87 Fällen.

Prävention ist in beiden Ländern unerlässlich. Immer wieder appellieren die Sicherheitskräfte an die Kleingärtner, nichts von Wert sowie keine Spirituosen in den Wintermonaten in den Lauben zu lassen. „Der Einbrecher steht unter Druck. Er geht ein Risiko ein und will nicht erwischt werden“, schildert Ines Filohn. „Der Einbruch soll schnell über die Bühne gehen. Wenn er aber merkt, dass es nichts zu holen gibt, dann geht er dort auch nicht wieder hin.“

Auch würden Sicherheitspartnerschaften sich bemerkbar machen, so zwischen Revierpolizisten und Spartenvorsitzenden. Und auch die Zusammenarbeit mit der polnischen Polizei sei recht gut. Sie reiche von wöchentlichen Treffen von Polizisten links und rechts der Neiße über gemeinsame Streifen bis hin zu unkomplizierter Hilfe. „Generell arbeitet die Polizeidirektion Görlitz bei Bedarf eng mit den polnischen und tschechischen Kollegen zusammen“, betont auch Martyna Fleischmann

Insgesamt in der Polizeistatistik spielen Einbrüche in Gartenlauben allerdings eine eher geringe Rolle. In Süd-Brandenburg beispielsweise, wo im Vorjahr 1154 Fälle bearbeitet wurden, gab es insgesamt 48 102 Straftaten. „Jeder Einbruch ist für den betroffenen sehr ärgerlich“, sagt Ines Filohn. Es finde niemand lustig, wenn sein Freizeitdomizil verwüstet worden sei. Schließlich sei es neben dem Schaden und den Verlusten mit Laufereien und unnützen Kosten verbunden.